Affiliate-Programme: Widerspruch zwischen VPN-Test und Empfehlungsecke

Im Beitrag „Empfehlenswerte VPN-Alternativen zu Mullvad und Proton“ von @rufposten vom 5. Juli 2026 heißt es bei der Vorsortierung:

„Alle Anbieter mit einem Affiliate-Programm wurden ausgeschlossen.“

Begründet wird das damit, dass Affiliate-Programme bei VPN-Anbietern ein weltweites Netzwerk irreführender Test- und Empfehlungsseiten finanzieren. Anbieter, die diese Verbrauchertäuschung mitfinanzieren, könnten deshalb „kein besonders vertrauenswürdiges Unternehmen sein“.

Den Grundgedanken finde ich nachvollziehbar! Mir erschließt sich allerdings nicht, weshalb dieses Kriterium nur bei VPN-Anbietern gelten soll. Provisionsabhängige Empfehlungen können bei DNS-Diensten, Cloudspeichern, Newsletter-Tools oder anderer Software schließlich ebenso zu verzerrten Tests und Bewertungen führen.

In der aktuellen @kuketzblog Empfehlungsecke finden sich mindestens folgende Anbieter mit einem öffentlich dokumentierten Affiliate- oder provisionsbasierten Empfehlungsprogramm:

Kategorie in der Empfehlungsecke Anbieter Affiliate- bzw. Referral-Programm
Android: Custom-ROM iodéOS https://iode.tech/affiliates/
Cloudspeicher / VPN-Anbieter Proton Drive / ProtonVPN https://proton.me/partners/affiliates
Cloudspeicher Filen https://filen.io/terms (dort im Abschnitt Affiliate Programm)
DNS / Werbe- und Trackingblocker AdGuard / AdGuard DNS https://adguard.com/en/partners/affiliate.html
Kollaborations-Plattformen ONLYOFFICE https://www.onlyoffice.com/affiliates
Messenger Threema https://threema.com/en/threema-work-invitation/terms-and-conditions-referral-program
Newsletter-Tools rapidmail https://www.rapidmail.de/affiliate-partner
Newsletter-Tools CleverReach https://www.cleverreach.com/de-de/partner/cleverfiliate/
Newsletter-Tools Steady https://steady.page/en/referrals
Newsletter-Tools GetResponse https://www.getresponse.com/affiliate-programs
Newsletter-Tools Moosend https://moosend.com/affiliate-program/
Newsletter-Tools Brevo https://www.brevo.com/partners/affiliates/
Werbe- und Trackingblocker NextDNS https://help.nextdns.io/t/h7ht88s/affiliation-program

Ich frage mich, weshalb bereits das Betreiben eines Affiliate-Programms im VPN-Test als Ausschlussgrund und als Indiz mangelnder Vertrauenswürdigkeit gewertet wird, bei anderen Empfehlungen aber offenbar keine Rolle spielt. Besonders deutlich wird das bei ProtonVPN, das selbst ein umfangreiches Affiliate-Programm anbietet.

Oder worin liegt der sachliche Unterschied zu den anderen Produktkategorien, den ich eventuell noch nicht erkannt habe? Anderenfalls müsste das Kriterium meines Erachtens konsequenterweise auch auf die übrige Empfehlungsecke angewandt oder dort zumindest transparent ausgewiesen werden.

Meiner Erinnerung nach ging es darum, Alternativen zu Proton und Mullvad aufzuzeigen, da es nach den Diskussionen um Mullvad ein wachsendes Interesse und Beiträge im Forum gab.
Damit diese Untersuchung zeitnah erste Ergebnisse liefern kann, wurde die Auswahl eingeschränkt und Affiliate war ein Auschlusskriterium.
Daneben ist es ein Gastbeitrag von @rufposten und verschiedene Menschen haben oft auch verschiedene Meinungen, Kriterien, usw.
Das angewendete Kriterium hat seine Tücken, da zwar viele Anbieter Affiliate nutzen aber nicht alle in gleicher Weise.
Persönlich nutze ich langjährig einen der ausgeschlossenen Anbieter, finde die Vorgehensweise beim Test aber dennoch gut und nachvollziehbar. Zumindest wurden dadurch die übelsten Anbieter zuverlässig ausgeschlossen und der Test hat im Ergebnis gute Alternativen hervorgebracht :wink:

Als rein pragmatische Vorsortierung zur Begrenzung des Testfeldes könnte ich das nachvollziehen. So wird das Kriterium im Beitrag aber gerade nicht begründet.

Dort heißt es nicht lediglich, dass Affiliate-Anbieter aus Zeitgründen unberücksichtigt bleiben. Vielmehr wird ausgeführt, dass sie ein weltweites Netzwerk irreführender Testseiten mitfinanzieren und deshalb „kein besonders vertrauenswürdiges Unternehmen“ sein könnten. Das wird im entsprechenden Forenthread ( https://www.kuketz-forum.de/t/empfehlenswerte-vpn-alternativen-zu-mullvad-und-proton/17061/37?u=jhr114yu ) auch nochmal wiederholt. Das ist aus meiner Sicht schon eine inhaltliche Bewertung des Geschäftsmodells und keine bloße Eingrenzung des Untersuchungsumfangs.

Wenn Affiliate-Programme (wie du selbst schreibst) sehr unterschiedlich ausgestaltet und genutzt werden, spricht das zudem eher gegen einen pauschalen Ausschluss. Das Kriterium wäre dann sowohl über- als auch unterinklusiv. Denn seriöse Anbieter mit einem Affiliate-Programm werden ausgeschlossen, während potentiell problematischere Anbieter ohne ein solches Programm die Vorsortierung passieren könnten. Dass damit „die übelsten Anbieter zuverlässig ausgeschlossen“ würden, folgt aus dem Kriterium allein daher nicht.

Dass es sich um einen Gastbeitrag handelt, erklärt natürlich, weshalb unterschiedliche Maßstäbe vorkommen können. Es beantwortet aber nicht die eigentliche Frage, ob der Kuketz-Blog insgesamt die dort formulierte grundsätzliche Bewertung teilt (und falls ja, weshalb sie bei zahlreichen anderen Anbietern in der Empfehlungsecke einschließlich ProtonVPN offenbar keine Rolle spielt).

Ich unterstütze mal die Antwort von @jdevlx. :wink:

Überschift im Blog-Beitrag:

2.1. Vorsortierung

Darin heißt es

Affiliate nein danke: Für diesen Test habe ich ein einfaches, aber wirksames Kriterium vorangestellt: Alle Anbieter mit einem Affiliate-Programm wurden ausgeschlossen.

(die Unterstreichung stammt von mir)

Und…

Fokus auf alltagstaugliche VPNs: Von den verbleibenden Anbietern habe ich noch einige aussortiert,…

Ich finde, @rufposten hat transparent begründet, wie er zu der Vorauswahl (!) der VPN-Anbieter gekommen ist, die dann getestet wurden. Ich habe es als eine pragmatistische Vorgehensweise verstanden, um den Kreis der zu testenden VPN-Anbieter möglichst klein zu halten. Meines Erachtens ist das eine sinnvolle Vorgehensweise.

Für die Empfehlungsecke, die meines Wissens ausschließlich von @kuketzblog gepflegt wird, gelten aber nicht die gleichen Kriterien. Zitat aus der Einleitung:

Wenn bestimmte Dienste oder Tools nicht genannt werden, bedeutet das nicht, dass sie schlecht, unsicher oder nicht empfehlenswert sind. Die aufgeführten Beispiele sind Auswahlhilfen, keine vollständige Liste. Unsere Empfehlungen spiegeln subjektive Einschätzungen und Schwerpunkte wider – keine Abwertung anderer Optionen. Sie dienen der Orientierung und basieren auf unseren langjährigen Erfahrungen und Einschätzungen im Bereich Datenschutz und IT-Sicherheit.

Ich glaube, wir reden etwas aneinander vorbei. Dass das Affiliate-Kriterium formal nur zur Vorsortierung für diesen konkreten Test verwendet wurde, bestreite ich nicht. Meine Frage richtet sich vielmehr auf die Begründung dafür.

Der Beitrag sagt eben nicht nur man müsse das Testfeld aus Zeitgründen verkleinern und verwende dafür irgendein praktikables Kriterium. Vielmehr wird Affiliate ausdrücklich mit einem weltweiten Netzwerk irreführender Testseiten und Verbrauchertäuschung verknüpft. Daraus folgt ja gerade die Aussage:

„Wer diese Verbrauchertäuschung mitfinanziert, kann kein besonders vertrauenswürdiges Unternehmen sein.“

Das ist dann für mich keine bloße Beschreibung des Untersuchungsumfangs mehr, sondern eine grundsätzliche Bewertung der Vertrauenswürdigkeit solcher Anbieter. Wäre Affiliate lediglich ein pragmatisches Hilfsmittel zur Begrenzung des Testfeldes gewesen, hätte es dieser weitergehenden Begründung nicht bedurft. :wink:

Auch der zitierte Hinweis aus der Empfehlungsecke beantwortet meine Frage nicht. Er stellt klar, dass die Nichtaufnahme eines Anbieters keine negative Bewertung darstellt. Meine Frage betrifft aber den umgekehrten Fall: In der Empfehlungsecke werden Anbieter positiv empfohlen, die genau das Merkmal aufweisen, das im VPN-Beitrag als Grund für mangelnde Vertrauenswürdigkeit angeführt wird.

Natürlich können Gastautor und Blogbetreiber unterschiedliche Kriterien und Auffassungen haben. Dann besteht möglicherweise gar kein inhaltlicher Widerspruch, denn die Aussage im Gastbeitrag wäre eben allein die Auffassung von @rufposten und kein allgemeiner Maßstab des Blogs. Genau deshalb aber ja auch meine Frage, ob der kuketz-blog hier grds. diese Bewertung von Affiliate-Programmen teilt und falls ja, wie sich das mit der Empfehlung entsprechender Anbieter vereinbaren lässt. Falls nein, wäre die unterschiedliche Bewertung damit ebenfalls geklärt.

Ja, kann sein. :slight_smile: Also, ich finde es völlig legitim, Testkriterien zu hinterfragen, so wie Du es hier tust.

Zwei Punkte noch, damit gehen mir dann auch die Argumente aus:

  1. Dass ein Affiliate-Programm kein Ausschlusskriterium für die Empfehlungsecke ist, hast Du ja mit Deiner ausführlichen Tabelle oben schon gezeigt. Die Frage ist also quasi schon beantwortet.

  2. Das Kriterium „Affiliate-Programm vorhanden: Ja/Nein“ wird von @rufposten im Bereich VPN-Anbieter als kritisch beurteilt, in anderen nicht (Zitat aus dem VPN-Test):

Was in anderen Branchen eine harmlose Marketing-Methode ist, hat sich bei VPN-Anbietern zu einem weltweiten, irreführendem Netzwerk von Testseiten ausgewachsen. […] Während manche Artikel wie bei Heise echte redaktionelle Tests enthalten können, sind andere einfach nur zusammenfantasiert. Wer diese Verbrauchertäuschung mitfinanziert, kann kein besonders vertrauenswürdiges Unternehmen sein.

Meine Sicht der Dinge: Ich sehe da keinen so großen (kritischen) Widerspruch, wie Du ihn beschreibst.

Interessante Frage, ob es sich lohnt, das konsequent auf andere Anbieter auszudehnen. Ich denke aber nicht, aus folgenden Gründen

  1. Bei den VPN-Anbietern hat sich die Irreführung durch diese Marketingmethode besonders hochgeschaukelt. Wie es dazu kam und wie viel man dabei den VPN-Anbieter anlasten kann, wäre eine eigene interessante Recherche. Aber wie schon von @Musti aus dem Artikel zitiert: Für mich ist offensichtlich, dass die Marketing-Methode bei Messengern oder den Trackingblockern nicht zu so viel Schwachsinn-Reviews geführt hat.

  2. Es gibt keine übergreifenden Testkriterien bei unserer redaktionellen Arbeit (obwohl ich als Gastautor markiert bin, verstehen wir uns inzwischen als dreiköpfige Redaktion mit Lacrosse). Wir versuchen zwar ziemlich objektiv zu sein und pro Test transparent und fair zu sein, aber wir legen die Kriterien für jeden Test spontan fest. Da geht es vor allem darum, die Interessen unserer Leserinnen und Leser vorauszuahnen. Dadurch sind die Test auch immer eine inhaltliche Bewertung. Natürlich geht es auch immer ein bisschen um Effizienz, wenn man vorsortiert. In dem konkreten Fall verband sich das: Ausgangsfrage war, für die politische Kritik an Mullvad und Proton eine Alternative zu finden. Daher schien mir die Vorsortierung geeignet, um das Testfeld zu verknappen und gleichzeitig dieses angenommene Interesse nach einem besonders vertrauenswürdigen, korrekten und fairen Dienst zu bedienen. Auch beim Test zu Spotify-Alternativen ist diese Wertung stärker eingeflossen, weil die Ausgangsfrage unser Leserinnen und Leser das schon enthielt (der Beitrag wurde in einer Mastodon-Befragung als Idee geboren). Bei meinem Bankentest oder den Ladekarten-Anbietern habe ich hingegen keine solche Vorsortierung nach Kriterien wie Marketing oder Fairness vorgenommen, das sind Tests aller verfügbaren Anbieter. Bei den Wegwerfhandys und Wegwerf-Emails wurde das Testfeld zwar vorsortiert, aber vor allem nach technischen Kriterien. Das ist also, wie man sieht, in jedem Artikel etwas anders entschiedenen und nicht nach einem festen Schema.

Die Empfehlungsecke hat daher nicht die Leistung von einem zertifizierten Prüfsiegel. Das ist eine Sammlung von Links, die sich lohnen können, aber deren Kriterien sicherlich jeweils aus einem anderen Gedanken und Moment geboren wurden.

Wir hören aber in jedem Fall gerne weiter Feedback dazu, welche Kriterien in welchen Testfeldern gewünscht sind, denn das ist natürlich immer ein bisschen Gerate nach dem Bedürfnis unserer Leserinnen und Leser.

… und das gelingt euch sehr gut, finde ich.
Und dass ihr offen für Feedback seid, merkt man, wenn man sich länger in diesem Forum aufhält.
Danke jedenfalls für eure lesenswerten Beiträge. :+1:

Danke für die ausführliche, nachvollziehbare Einordnung und Eure Arbeit.

Geschäftsführer von Mullvad politisch in die Kritik gekommen ist,

Es scheint ein sehr deutsches Problem zu sein. Konsequenterweise müsste dann auch GrapheneOS kritisch gesehen werden, da sie z.B. Mullvad-Server nutzen.

Das ist alles nicht konsistent.

Schon Kurt Tucholsky schrieb in seinem im Jahr 1920 veröffentlichten Gedicht Zirkus des Lebens:

Da ist schon eben so – die Welt ist bunt.

So ähnlich verhält es sich auch mit persönlichen Grenzen. Man darf Mullvad kritisieren und aufgrund der Kritik einen anderen VPN-Anbieter wählen − gleichzeitig aber Dienste in Anspruch nehmen, die ihrerseits Mullvad nutzen. Das ist weder ein Widerspruch noch Inkonsistenz, sondern Ausdruck differenzierten Denkens und persönlicher Abwägungen in einer komplexen − und eben bunten − Welt.

Mir liegt der Umweltschutz am Herzen. Trotzdem habe ich Mülltonnen zu Hause, weil ich mich nicht ausschließlich vom heimischen Garten ernähre, sondern eben Produkte mit Umverpackung kaufe − und nicht alles davon ist recyclingfähig. Konsequent wäre es vielleicht in eine sehr ländliche Gegend auf dieser Welt auszuwandern (zu Fuß, natürlich), um dort autark zu leben. Ohne Technologie, versteht sich. Denn konsequent wäre es doch, wenn man absolut keinen Müll verursacht, oder nicht? :wink:

Mir geht es da übrigens anders als dir: Schlechtreden und Gespräche auf Meta-Ebene sind meiner Erfahrung nach eher ein deutsches Ding, während man in ausländischen Foren häufig themenbezogen diskutiert. Aber das ist natürlich rein subjektiv.

Ich habe mich übrigens sehr über den Artikel gefreut. Bereits seit einiger Zeit versuche ich nämlich meinen Konsum entsprechend meiner ethischen Vorstellungen bewusster zu wählen. Der Sachverhalt mit Mullvad war mir zuvor unbekannt, aber der Grund, weshalb ich mein Abonnement dort nicht verlängert habe. Von den genannten Alternativen hat mir allerdings auch kein Unternehmen wirklich zugesagt.

Danke. Immer wieder eine Herausforderung.

Das geht mir genauso. Es sind eben auch alles kommerzielle Anbieter, die sich marktwirtschaftlichen Regeln unterwerfen (müssen). Wüsste jetzt (außer Tor) auch keine Alternative dazu, denn der Betrieb eines VPN Netzes kostet Geld (Personalkosten, Hardware, Energie etc.).

Positiv gefielen mir die And then? Aktionen von Mullvad in England, ohne mich damit näher befasst zu haben. Sicherlich auch ein Stück weit Marketing.

IVPN sagt mir noch am ehesten zu. Auch was die anonyme Bezahlung angeht. Aber selbst mit den mildesten Einstellungen ist IVPN deutlich langsamer als Mullvad. Zudem wechsle ich oft zwischen DE (Mediatheken des ÖRR sonst teils blockiert) und USA (YouTube sonst Anmeldezwang, manchmal funktionieren auch andere Länder). Da hat Mullvad deutlich mehr Auswahl.

Dennoch werde ich IVPN mal länger testen.

Was sind eure Erfahrungen? Ist jetzt ein wenig offtopic geworden.