Autodiebstähle gehen erstmals zurück. Doch die Sicherheitslücke der Keyless-Systeme bleibt: Im ADAC-Test waren 85 Prozent anfällig.
Es ist eine seltene gute Nachricht für Autobesitzer: Erstmals seit dem Ende der Coronapandemie sinken die Zahlen wieder. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, vom Bundeskriminalamt am 21. April 2026 vorgelegt, weist 27.632 Kraftwagendiebstähle aus, neun Prozent weniger als 2024. Die Aufklärungsquote stieg leicht auf 30,1 Prozent.
Trotzdem bleibt die Lage angespannt. Die Kfz-Versicherer zahlten 2024 laut Gesamtverband (GDV) rund 290 Millionen Euro für 14.162 gestohlene kaskoversicherte Pkw. Wie viele Fälle konkret auf manipulierte Keyless-Schlüssel zurückgehen, wird offiziell nicht erfasst. Polizei und ADAC gehen aber davon aus, dass ein erheblicher Teil der heutigen Fälle so abläuft, spurlos und in Sekunden.
Funkschlüssel ist nicht gleich Funkschlüssel
Es gibt zwei grundverschiedene Arten von Funkschlüsseln. Beim klassischen Funkschlüssel muss der Fahrer einen Knopf drücken, damit der Schlüssel ein verschlüsseltes Signal sendet. Der Schlüssel ist von außen nicht ansprechbar, weil er ohne Knopfdruck nichts ausstrahlt.
Bei aktuellen Fahrzeugen ist dieser Schlüsseltyp gut geschützt. Anders bei Fahrzeugen aus den 1990er und 2000er Jahren: Wegfahrsperren-Algorithmen wie Hitag2 oder Megamos Crypto sind seit 2012/2013 geknackt, und an den Funkschlüsseln funktioniert der RollJam-Angriff (Kamkar, 2015): Das Funksignal wird beim Knopfdruck gestört, mitgeschnitten und später wiederverwendet. In aktuellen Modellen mit moderner AES-Verschlüsselung sind diese Angriffe weitgehend unwirksam.
Anders bei Keyless-Go-Systemen, je nach Hersteller auch Keyless Entry oder Komfortschlüssel genannt. Hier sucht das Auto permanent nach dem Schlüssel und entriegelt automatisch, sobald dieser in der Nähe ist. Der Schlüssel antwortet auf jede Funkanfrage, auch wenn diese künstlich verstärkt wurde.
So läuft der Trick ab
Die Diebe arbeiten meist im Team. Einer steht mit einem Antennengerät nahe dem Haus, in dem der Schlüssel liegt, der zweite direkt am Auto. Das Schlüsselsignal wird abgefangen, verstärkt und zum Wagen weitergeleitet. Das Auto öffnet sich. Geübte Täter benötigen laut Polizei Karlsruhe unter günstigen Bedingungen rund 15 Sekunden. Bei laufendem Motor lässt sich nachtanken, das Fahrzeug beliebig weit überführen.
ADAC-Keyless-Test: 85 Prozent fallen durch
Wie verbreitet die Lücke ist, zeigt der ADAC-Großtest: Seit 2016 hat der Automobilclub mehr als 800 Fahrzeuge mit Keyless-System geprüft. Nur rund 15 Prozent der getesteten Fahrzeuge hielten dem Angriff mit einem handelsüblichen Funkverlängerer stand.
Eine technische Lösung gibt es. Die Ultra-Wide-Band-Technik (UWB) misst die tatsächliche Entfernung zwischen Schlüssel und Auto über die Laufzeit des Funksignals. Im ADAC-Test wurde bislang kein UWB-Fahrzeug per Funkverlängerung erfolgreich angegriffen. Vorreiter ab 2018: Jaguar, Land Rover, ab 2019 der VW-Konzern, später BMW und Mercedes. In Kompakt- und Mittelklasse fehlt der bessere Schutz aber bis heute oft.
Wie offen die Hersteller damit umgehen
Hersteller kommunizieren das Restrisiko unterschiedlich offen. Im Porsche Connect Store findet sich beim Komfortzugang (Stand April 2026) der ausdrückliche Hinweis, man könne nicht ausschließen, dass die Schlüsselcodes abgefangen und das Fahrzeug damit entwendet werde. BMW thematisiert das Risiko laut FAQ auf bmw.de, Mercedes in der Bedienungsanleitung. In den Audi- und VW-Konfiguratoren fanden sich zur Recherche keine entsprechenden Hinweise.
Kurios: Inzwischen hat sich ein eigener Markt von Drittanbietern etabliert, die für Modelle wie Audi A4, A5, Q5 oder Q7 Rückrüstpakete verkaufen. Damit lässt sich die einst gegen Aufpreis bestellte Keyless-Funktion wieder deaktivieren, mit der Werbebotschaft, der Käufer könne dann wieder ruhig schlafen. Bei Modelljahren ab 2023 ist die Rückrüstung allerdings teils nicht mehr möglich.
Was Autobesitzer tun können
Bei Keyless-Go gilt: Den Schlüssel weit weg von Haustür und Außenwand aufbewahren, am besten in einer abschirmenden Hülle oder Metalldose. Öffnet das Auto trotz Schlüssel in der Hülle nicht, wirkt der Schutz.
Viele Hersteller bieten Optionen zur Deaktivierung: Mercedes per Doppelklick auf die Verriegelungstaste, BMW im Infotainment-Menü, Audi in den Fahrzeugeinstellungen, Toyota per Tastenkombination am Schlüssel.
Was die Versicherung leistet
Beim Keyless-Diebstahl zahlt die Kfz-Teil- oder Vollkasko in der Regel auch ohne Aufbruchspuren. Voraussetzung ist eine umgehende Anzeige. Anders bei Wertsachen: Das Amtsgericht München entschied 2019, dass eine Hausratversicherung, die nur das Aufbrechen eines Kraftfahrzeugs abdeckt, bei einem spurlosen Keyless-Diebstahl nicht zahlen muss (Az. 274 C 7752/19). Wer Wertsachen im Wagen lässt, sollte die Klauseln seiner Hausratpolice prüfen.