Zwar sind die Tresore den Angreifern nur in verschlüsselter Form in die Hände gefallen, dennoch ist es bemerkenswert, dass sie durch das Umgehen einer 2FA-Prüfung im Geräte-Registrierungsprozess überhaupt an diese gelangen konnten. Zu hoffen bleibt, dass die betroffenen Nutzer ausreichend starke Master-Passwörter verwendet haben. Auch wenn Argon2 das Brute-Forcing erheblich erschwert.
In diesem Zusammenhang beruhigt es mich, dass ich bei KeePassXC zusätzlich ein Master-Key-File verwende, das sich ausschließlich in meinem Besitz befindet. Selbst wenn jemand an meine verschlüsselte Datenbank gelangen würde, wäre das allein noch nicht ausreichend, um die Datenbank offline zu brute-forcen.
Der Vorfall zeigt mal wieder extrem deutlich das strukturelle Problem von Cloud-Managern: Wenn der Angreifer es schafft, den Server auszutricksen – sei es durch ein fehlerhaftes Rate Limiting bei der 2FA wie hier –, hat er die verschlüsselte Datei auf seiner eigenen Platte.
Ab dem Moment nützt dem User kein Server-Schutz der Welt mehr was. Der Angreifer kann offline unbegrenzt GPU-Power auf den Tresor werfen. Wer da kein absolut bombensicheres Master-Passwort hat, hat verloren.
Für mich ist das eigentlich das stärkste Plädoyer dafür, den Tresor gar nicht erst auf fremde Server zu legen. Wenn die verschlüsselte Datei ausschließlich lokal auf dem eigenen Gerät bleibt und gar keine Angriffsfläche im Netz bietet, muss man sich um versagende 2FA-Endpunkte oder serverseitige Ratenbegrenzer erst gar keine Gedanken machen.
Wie ist das eigentlich, wenn man neben dem starken Passwort auch noch eine Sicherheitsdatei hat, wie es ja zum Beispiel bei Keepass möglich ist? Diese liegt dann natürlich nicht im Cloudspeicher, sondern irgendwo anders. Wenn jetzt der Angreifer die verschlüsselte Datei erbeutet, vielleicht auch noch das MasterPasswort bruteforcen kann, wie sieht es mit der Sicherheitsdatei aus? Die hat er ja nun mal definitiv nicht. Kann die irgendwie trotzdem „überbrückt“ werden als zweiter Faktor?
Nein, genau darin liegt der Sicherheitsgewinn eines Key-Files. Das Key-File ist kein optionaler zweiter Schritt, sondern Bestandteil des kryptographischen Schlüssels, mit dem die Datenbank verschlüsselt bzw. entschlüsselt wird. Hat ein Angreifer nur die Datenbank und kann sogar das Master-Passwort erraten, reicht das allein nicht aus. Ohne das passende Key-File lässt sich der korrekte Schlüssel nicht ableiten.
Ein „Überbrücken“ des Key-Files gibt es daher nicht. Der Angreifer müsste entweder auch das Key-File erbeuten oder einen kryptographischen Angriff gegen das Verschlüsselungsverfahren selbst führen. Letzteres gilt nach heutigem Stand als praktisch nicht realisierbar.
Physischer Zugriff auf IT-Hardware ist eine der gefährlichsten Bedrohungsszenarien in der IT-Sicherheit – oft sogar das Schlimmste, was passieren kann.
Da gibt es wenig rumzudiskutieren.
Und genau das ist tatsächlich das Kernproblem mit dem Schlangenöl das unter dem Namen Cloud verkauft wird: Cloud = Deine IT-Systeme sind physisch im Zugriff von potentiellen bad actors.
Höheres Risiko kann man sich nicht schaffen.
Daher sind Passwortmanager, die auch nur die Option haben, die Datenbank ins Internet zu schieben extremer Schwachsinn.
Nach dieser Logik wäre jede Ende-zu-Ende-verschlüsselte Cloudnutzung grundsätzlich Unsinn. Kryptographen sehen das vermutlich etwas differenzierter. Konsequenterweise wäre der sicherste Computer einer, der ausgeschaltet im Keller steht. Nur ist das für die meisten kein besonders praxisnahes IT-Konzept.
Wobei Malware sich auch auf deinen Rechner befinden kann, wo sie dann vielleicht gar gezielt KeePass-Container klauen könnte. Da KeePass den Pfad zum Keyfile speichert, wird dieser gleich mit geklaut. Und das Keylogger-Modul greift dein Passwort ab.
Ja, das Szenario ist deutlich unwahrscheinlicher als ein Angriff auf einen Cloud-basierten Passwortmanager. Die Auswirkungen aber schlimmer.
Für die längste Zeit des Personal Computers war dieser durch Bad Actors mehr gefährdet als (Linux-basierte) Server. Nun hat sich das gewandelt, auch durch Microsofts Bestreben bei Windows 10 und 11.
Nun nutzt aber eine Mehrheit hier wohl Linux, dem auf dem Desktop gängige Sicherheitsfeatures fehlen (z.B. Sandboxes). Gleichzeitig hat sich das Mantra der Open Source-Sicherheit - viele Augen sehen mehr als wenige - schlicht als Luftnummer erwiesen. Bei dem, was Claude gerade alles an schwerwiegenden, teils über 10 Jahren existenten Sicherheitslücken findet, …
Am Ende des Tages ist nur einen starke Verschlüsselung mit einem sicheren Master-Passwort hilfreich. Ob Cloud oder lokal, ist dabei irrelevant und eine Frage des persönlichen Geschmacks / Komforts. KeePass erlaubt dir, ein sicheres Master-Passwort anzulegen. 1Passwort zwingt dich über seinen Secret-Key dazu.
Und deshalb würde ich für den Normalanwender, der sich nicht mit Synchonisierungsproblemen rumplagen will, immer 1Password empfehlen. Trotz Cloud.