Digitaler Kassenbon und Datenschutz

ist bei Lidl bei uns immer noch so

@Flow
Gerade Edeka ist mit ihren Filialen sehr individuell. Und grundsätzlich teile ich die Erfahrung, dass Selbstzahlkassen häufig digital zu bezahlen sind. Aber es gibt Edekafilialen bzw. Selbstzahlkassen, wo du Bar in einen Automaten einzahlst. Klar, auch hier können Notennummern getrackt werden, aber derzeit ist das wohl in der Praxis noch nicht die Regel, wenn auch theoretisch möglich.

Darüber hinaus sollte man die Realität im Einzelhandel kennen. In der Regel werden keine Mitarbeiter eingespart, sondern gesucht. Bei den mir bekannten Edekamärkten mit Selbstzahlkassen werden die in der Regel von einem abgestellten Mitarbeiter betreut (2-4 Kassen). Bei Rewe scheint das nicht so zu sein.
Letztendlich herrscht aber ein Mangel an Mitarbeitern. Die Systemkritik halte ich für unangemessen in diesem Punkt.

Nein, genug vorhanden:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1224/umfrage/arbeitslosenquote-in-deutschland-seit-1995/

Das bei selbstscann (warum gibt es für die Leistung keine Ermäßigung, der Laden spart den Mitarbeiter?) eine Barzahlung möglich ist, ist mir neu, darauf werde ich mal achten…

Was ist denn das bitte für ein „Argument“?

  • Nur weil jemand einen(!) Teller mit beiden(!) Händen unfallfrei tragen kann, ist die Person noch keine geeignete Kraft für den Service in der Gastronomie.
  • Nur weil jemand den Unterschied zwischen den Marken Tom Tailor und Hugo Boss kennt und zielsicher sagt „Oh, das steht Ihnen aber gut und passt wunderbar zu Ihren blauen Augen!“ (wo man selbst aber braune Augen hat!), ist die Person noch keine geeignete Kraft für Bekleidungsgeschäfte.
  • Nur weil das Job-Center denkt, man könne einen Nobel-Preisträger in Physik auch zum Spargelstechen verpflichten (zumutbar…), verlangt umgekehrt doch auch keiner, dass ein Spargelstecher ab morgen plötzlich Nobel-Preisträger in Physik ist.

Das ist jetzt aber sehr platt!

Ich kann die Ausrichtung der Quelle nicht komplett beurteilen, aber das Folgende deckt sich mit den Aussagen, die ich von Filialleitern und Mitarbeitern aus dem persönlichen Umfeld höre:

„Fachkräftelücke im Einzelhandel

Der branchenübergreifende Arbeits- und Fachkräftemangel intensiviert sich von Jahr zu Jahr weiter und schlägt nun auch auf den Einzelhandel durch. Trotz der weiterhin sehr hohen Gesamtbeschäftigung in der Branche haben Handelsunternehmen im Jahr 2024 zusätzlich für rund 122.000 weitere offene Stellen in der Branche kein geeignetes Personal finden können.

Der Arbeits- und Fachkräftemangel ist damit inzwischen einer der größten Bremsklötze für das Wirtschaftswachstum in Deutschland geworden“
https://einzelhandel.de/beschaeftigungsstruktur

Regale einräumen und Ware scannen kann jeder (zumindest den Kunden mutet man es zu - Fachkräfte?)

Man sollte die Menschen nicht für so dumm halten…

Jo!

Das Stichwort dürfte sein: Fachkraft — nicht Arbeit suchende Person oder zu Arbeit zu verpflichtende Person…

Wenn ich mir mal so die Ausprägung von Grundkompetenzen unter jungen Leute anschaue (grundlegende(!) Lesekompetenz, einfache(!) Rechenfertigkeiten, Beharrungsfähigkeit/Ausdauer).

Wen halte ich denn bitte für dumm?

Aber man kann tatsächlich eine Fachkraft im Gastronomieservice klar von einer ungelernten (und oft zum Teil unfähigen) Person unterscheiden. Gelernte sind Artisten mit dem Geschirr UND (gleichzeitig!) dem Gast offen, freundlich UND kompetent zugewandt. Einige brauchen weder Block noch Smartphone für die Bestellung, sondern merken sich das im Kopf. Und bringen dann anschließend die gelieferten Sachen zielsicher zu den richtigen Gästen in einer Gruppe. Und Gläser stehen mit dem Bild zum Kunden hin.
Ebenso in Bekleidungsgeschäften: früher konnten die Experten dort einfach auf einen Blick sagen, welche Größe ich bei Hemd oder Hose habe… und zumeist stimmte das tatsächlich.
(Und ich rede in beiden Fällen NICHT von Edel-Schuppen…)

Und auch Spargelstechen ist eine Kompetenz! Dafür braucht es eine gewisse Fertigkeit. Der Profi arbeitet schneller, effizienter und immer noch leicht gesundheitsschonender als eine ungelernte Kraft.

Das ja.

Hast Du das denn schon einmal in Vollzeit UND über einen längeren Zeitraum hinweg gemacht? Unter Stress-Einfluss? Fehlerfrei? Schnell?

Ich hab schon einiges gemacht, an der Kasse gesessen aber noch nicht. Sieht aber nicht sehr anspruchsvoll aus. habe Kunden beim Selbstscann beobachtet, die bekommen das in der Regel gut hin.

Aber früher war man froh einen Job zu haben, das zahlte sich aus. Kannte keinen der nicht arbeiten wollte - aber es sind halt andere Zeiten, und auch die werden sich wieder ändern.

Um auf den digitalen Kassenbon zurück zu kommen - wenn es nicht die alternative in Papier gibt, für mich ein NoGo lehne Handyzwang ab.

@GemischtesSignal
Danke, das hatte ich übersehen.

@Flow
Es sind doch nicht einzelne Aufgaben, um die es geht, sondern um den Mix an Aufgaben und Qualitätsbewusstsein (hoffe ich zumindest, wenn es um Lebensmittel geht). Außerdem glaube ich, dass man schon gute und schlechte Mitarbeiter an der Kasse erkennt. Wenn dann noch schlechte oder keine Ausbildung dazu käme, würde ich lieber online bestellen, oder den Laden wechseln. Mir gruselt es schon, wenn ich höre, wie manche Fleischtheke geführt wird und dass Hack auch mal Geflügel enthalten kann. Und das passiert dann schon von im Vergleich höher qualifizierten Fleischern.

Sollte ich mal einen „Edeka, Inhaber Flow“ entdecken, wäre ich auf jeden Fall sehr neugierig, wie sich die Mitarbeiter so anstellen. Aber das Gute ist, die musste weniger gut bezahlen und kannst so mehr Druck aufs Lohngefüge ausüben. Würdest du natürlich nicht, aber der Kapitalismus lernt gnadenlos und du wärst dann trotzdem Teil eines Problems.

Jeder der eine Ausbildung gemacht hat, weiß, dass 50% davon nie wieder braucht und eher nur 30% seiner Schulbildung. Aber wenn Quereinsteiger dazukommen, merkt man schnell, was die „unnützen“ Prozent dann doch ausmachen. :wink:

Deine Haltung finde ich gegenüber den Beschäftigten im Einzelhandel einfach arrogant. Klar kann ich meine Sachen selber scannen, aber die Geschmeidigkeit und Schnelligkeit gegenüber den Profis bekomme ich nicht hin.

Übrigens: Mir wurde schon von einigen Leuten bestätigt, dass ich sehr gut tapezieren kann. Ja, aber gegenüber einen gelernten Maler/Tapezierer ziehe ich, wass die Geschwindigkeit und Fertigkeiten angeht, garantiert den Kürzeren. Also schön den Ball flach halten, was Urteile über Fertigkeiten von Menschen angeht.

Jo! Konkretes Beispiel: lokaler Getränkemarkt, mehrfach erlebt.

Ich kaufe gerne einen Kasten Bier mit 20 Flaschen a 0,5 Liter. Dabei jeweils 4 von einer Sorte (also 5×4), hübsch in Reihen sortiert im Kasten (also wieder 5×4). Teilweise sortiere ich sogar so, dass die Köpfe der Flaschen reihenweise einen möglichst großen Kontrast haben. An der Kasse weise ich meistens (wenn ich nicht sehe, dass es ein mir bekannter tatsächlicher Experte ist) darauf hin „gemischter Kasten: 5×4“. — So, und nun habe ich mindestens 3 wesentlich verschiedene Verfahrensweisen erlebt:

  • Prinzip erkannt: es wird jeweils ein Exemplar pro Reihe gescannt und an der Kasse auf „×4“ gedrückt. 5 Scans.
  • Es werden alle(!) Flaschen gescannt. 20 Scans.
  • Mischformen bis hin zu „totalem Chaos“. „Irgendetwas“.

Ja, selbst vermeintlich einfache Aufgaben kann man eher gut oder eher schlecht erledigen… — Und nein, dafür braucht es oft kein Studium. Aber wenigstens Grundkompetenzen, Disziplin, Motivation, akute Auffassungsgabe und Fokus. Mir scheint, oft mangelt es in mindestens einem Bereich (wenn nicht tatsächlich sogar in mehr als einem einzigen).

Und ja, an der Fleischtheke „meines Vertrauens“ habe ich auch schon „Dinge“ erlebt: von mangelnder Kompetenz im Wissen über die Produkte oder die Ausführung der Handlung bis hin zu Ekelerregendem…

Und ich würde wetten: selbst wenn man den Mindestlohn für solche Tätigkeiten noch einmal verdoppelt(!), würde das bei einigen Kandidaten nicht grundsätzlich helfen… die können oder wollen einfach nicht (mindestens eins davon).

Also: → Fachkräfte, die als solche tatsächlich tätig sind! (Dann können auch vermeintlich „einfache“ Tätigkeiten sehr ehrbar sein!)


Mal gucken, wann die Moderation ermahnt wegen OT… :wink:

In der Regel ersetzen ja eher zwei bis vier Selbstbedienungskassen einen Kassierer. Und dadurch geht es zumindest gefühlt schneller: Es wird ständig eine Kasse frei.

Ich halte Flows Ansicht auch nicht für arrogant:

In meinem Lieblingsladen arbeiten viele Kassiererinnen mit weit über 60. Jahren Lebenserfahrung. Die sind teilweise langsam. Der Laden kompensiert das mit mehr Personal und mehr Kassen (und Feinkost, die dann auch mehr kostet).

Arrogant ist die Praxis, dass man die Performance der Mitarbeiter misst - alles in Akkord übers Band ziehen und die Ferig-Taste drücken. Das macht den Job nur unangenehm, und schneller wird es auch nicht, weil der Kunde ja gar nicht hinterherkommt.

Jo! Performance-Metering…

Das Scannen an der Kasse (durch den Mitarbeiter) muss möglichst schnell sein (wird gemessen und eventuell bewertet). … … … Dann entsteht eine längere Pause, weil der Kunde bezahlen muss („Moment, den letzten fehlenden Groschen habe ich doch noch irgendwo.“ — Nichts gegen Bargeld, aber bitte nicht so!) und alles wegräumen muss (wobei er effektiv nur mit einer Hand räumt, weil die andere Hand ein Handy hält (gerne jüngere Kunden) oder die Geldbörse (gerne ältere Kunden)). Die komplette Zeit für einen Gesamtvorgang ist dann am Ende nicht sooo dolle.

Oh man hier werden ja mal wieder alle register von Vorurteilen und Selbstüberschätzung gezogen die es so gibt :person_facepalming:

Was heißt das jetzt? Ich habe es oben so verstanden, dass man die Kassenbons weiterhin aus Paipier bekommen kann. Da standen neben Händlername weiterhin der Artikelname und der Preis. Steht der Artikelname dann nicht mehr da? Oder hab ich Dich da falsch verstanden? Ich will mir nicht wegen sowas ein Smartphone anschaffen…

Ja, natürlich. Versicherung, Finanzamt… Aber da steht auch drauf, was es ist, in Deinem (HansVonWurst) Beispiel wär das halt Seife (nein, ich reiche keine Belege zu Seife irgendwo ein)

Das teile ich!

Ja, so wie es jetzt an vielen Stellen auch läuft. Oder Desinteresse seitens der Politik!

Aha, und die kleinen Läden müssen dann keine Papierbons ausdrucken? (Oder warum betrachtest Du die kleinen Läden getrennt?)

Ja, das ist ein triftiges Argument!
Das ganze Thema trifft aber nicht nur den Einzelhandel, dürfte alle Branchen treffen (außer vielleicht beliebte) und wird mit den Jahren mehr werden (weil weniger Junge nachkommen). Automatisierung wird das Problem wohl nicht lösen…

Aber wenn die Begründung für mehr Selbstscan-Kassen und Personal-Abbau ist, dass es nicht genug Personal gibt, ist es mir auch nicht so ersichtlich, warum man dann nicht ungelernte nehmen sollte. Ok, bei Fleischtheken verstehe ich es, aber für ne Kasse? Dann geht es halt langsamer, weil niemand so qualifiziert ist, aber besser langsam als gar nicht?!

Erlebe ich derzeit (wenn auch in einem anderen Bereich). Ich finde es haarsträubend! Auch mangelndes Engagement, sich mit irgendwas auseinanderzusetzen, sich Mühe zu geben (ich frag mich manchmal, wollen die nicht nicht oder können die nicht?)

Klar reicht man sowas ein, als Selbständiger der ein Büro hat, oder ist Händewaschen nicht notwenig?

Gibt es irgendwo Zahlen dazu, wie groß dieses Steuerschlupfloch ist? Und wie viel Steuern dem Staat durch Jersey, Cayman Islands etc. entgehen ohne dass jemand was dagegen tut?

Und können wir diesen Betrag ins Verhältnis setzen mit dem Preis des Tankrabatts?

Und mal ganz von solch konkreten Zahlen abgesehen: das ist das Thema, an dem Lars Klingbeils Schuh aktuell drückt?