Dümmlich-intelligente Propaganda gegen die DSGVO

Nicht dumm, sogar witzig: :rofl:

Verstecktes Website-Geschenk Gratis-Wein fürs Lesen der Datenschutzerklärung – doch über Monate meldet sich niemand
… Das Geschenk hatte Neidle im fünften von acht Punkten zwischen datenschutzrechtlichen Sätzen versteckt. Wie der Brite diese Woche auf X schrieb, habe sich erst jetzt jemand bei ihm gemeldet, um sich den Wein zu sichern.
Neidle betreibt die Denkfabrik Tax Policy Associates und hat in der Vergangenheit über prominente Fälle von Steuervermeidung in Großbritannien recherchiert und dazu veröffentlicht.

Quelle (Vorsicht, überladen mit Trackern):
https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/datenschutz-website-belohnt-leser-mit-gratis-wein-a-4c8e4e63-dc86-480b-bd21-5f96c118210a

Die Seite von Neidle (Vorsicht, Daten spritzen gleich in viele Richtungen!):

https://taxpolicy.org.uk/about/

Doch dumm, eher traurig:
Neidle macht so Werbung in eigener Sache, sucht offenbar durch Aufmerksamkeitserhaschen einfach strukturierte Kunden, Mandanten und Klickerer/Journalisten.

Denn:
Wenn seine Datenschutzerklärung lang und unleserlich geraten wäre, so läge das daran, dass er

  • persönliche Daten seiner Webseitenbesucher
  • in großen Mengen und automatisch und
  • im Hintergrund
  • an Dritte in fernen Ländern übermitteln will. Meist sogar in Staaten, die Ausländern überhaupt kein Recht auf Datenschutz/Privatheit zugestehen.

Würde er das nicht machen wollen, passte seine Erklärung auf eine kurze, informative Seite …
Bei ihm heißt es:

We use analytics from Google and Cloudflare to understand how people use the website – all this data is anonymised.

https://taxpolicy.org.uk/legal/ (Vorsicht: auch über durch den Aufruf dieser Seite, werden Dritte informiert)

Ah, ja, dann ist ja alles gut! Anonymisiert!

Neidle meint offenbar, er habe nichts installiert, was deine persönliche Infos an mehrere US-Konzerne versprühen würde, also mindestens: IP, Uhrzeit, Datum, Abruf welcher Seite etc.)?

Er irrt.
Und ich glaube, er irrt sehr gern …
Warum: Weil’s bequem ist und die erwünschte Aufmerksamkeit generiert … (Sein „Think Tank“ scheint mir auch allein aus seiner Person zu bestehen, oder?)
Selbstverständlich erhalten alle seine ach-so-unverzichtbaren (ein böser Witz: So eine kleine, wenig frequentierte, unkritische Seite braucht den Unfug nun wirklich gar nicht) „Dienstleister“ die vollständigen IP-Adressen der jeweiligen Besucher …

Und seine Aktion ist auch aus einem anderen Grund nur dümmliche (ber geglückte und durch mich noch verstärkte) Aufmerksamkeitshascherei:

Eine Datenschutzerklärung ist gar nicht dazu gedacht, von jedem gelesen zu werden. Sie soll nur vorhanden und leicht erreichbar sein, für den Fall, dass jemand Fragen hat!

Nur intensivere Datenschutzsauereien müssen aktiv ‚bekannt gegeben werden‘ und MÜSSEN per aktiver Einwilligung vom Webseitenbesucher akzeptiert werden!

Ziel verfehlt setzen!

Aber es ist meist so, dass sich Leute, hier ein selbsternannter ‚Think Tank‘, die nichts vom Datenschutz verstehen, sich besonders lautstark äußern.
Schade nur, dass unsere Medien GEGEN die Bürgerinteressen sich nur allzu gern dazu gebrauchen lassen: Deshalb das ist dem Spiegel eine Meldung auf seiner ersten Seite wert?
Lösung: Der SPIEGEL selbst meint in seinem Cookie-Banner, man solle doch dem Versprühen der eigenen persönlichen Daten an 154 Partner zustimmen:

154 … man gönnt sich ja sonst nichts?!

Zur Verbesserung und Finanzierung unseres Webangebots arbeiten wir mit bis zu 154 Drittanbietern zusammen. Diese Drittanbieter und wir erheben und verarbeiten personenbezogene Daten auf unseren Plattformen.

Quelle: www.Spiegel.de

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Wie du feststellst passt die Wein-Aktion (man könnte weinen) dann ganz gut in die Selbstvermarktung des ganzen Auftritts.

Nehmen wir für uns die Erkenntnis mit den 4 Monaten mit. Dass es bei nicht allzu beliebten Seiten (was die meisten sein dürften) so lange dauert, bis dort mal wirklich jemand reinschaut. Dass die Arbeit und das Herumfeilen am Text praktisch vergeblich ist. Dass sich jemand über den Inhalt aufregt dürfte noch seltener der Fall sein. Konsequenzen in Form einer Abmahnung, Klage oder Ermittlung von Aufsichtsbehörden dann so gut wie nie.

Besser eine Standard-Datenschutzerklärung für alle. Natürlich geht das nur für Internetauftritte, die gleich konfiguriert sind, und in denen außer dem Ausliefern des Inhalts nichts passiert, was groß zu beschreiben wäre.

Alle anderen Auftritte kriegen den roten Rand: „Vorsicht, böse!“. Auch dort braucht man sich dann gar nicht mehr mit Einzelheiten abzustrampeln. Weil die Beschreibungen sowieso nicht passen; bzw. nicht wirklich alle Folgen und Folgen-Folgen beschreiben können.

(Beide Varianten könnten jeweils auf einen Standardtext mit vielen Übersetzungen verlinken. Der „böse“ Text wird von einer Community um neue bekannt gewordene Boshaftigkeiten ergänzt. Ihre Anwendung muss man von diesem ganzen Segment annehmen.)

D., der dann noch ein Browser-Plugin bräuchte, das die rot umrandeten Seiten über einen Proxy laufen lässt, der nur Abbildungen des Inhalts überträgt. Ruhig mit bunter Werbung, aber keiner solchen, die bei einzelnen Nutzern wirksam spionieren könnte.

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