Erwägungshilfe bei Überlegung zur Einrichtung eines Facebook-Accounts

Ich versuche gerade zu verstehen, ob ich Facebook trotz (großer) Bedenken erstmals verwenden sollte oder nicht und welche Risiken dies bedeutete.

Obwohl ich die tendenziell zu erwartenden Antworten schon erahne (und mir vermutlich auch selber geben könnte, da ich noch jedesmal nach Lektüre der Datenschutzbestimmungen oder von einem Interview mit Mark Zuckerberg mich doch nicht dort angemeldet habe), doch einmal diese Frage, um für mich selber besser zu einer Entscheidung kommen zu können - falls jemand Lust hat, mir mit seiner Perspektive zu helfen:

In den vergangenen JAhren habe ich verschiedene Online-Kurse belegt bzw. an Online-Events („Self-Development“ etc.) teilgenommen, zu denen es jeweils Facebook-Gruppen gibt. Ich habe bisher auf deren Nutzung verzichtet wie überhaupt auf Facebook (ja, natürlich gibt es grundsätzlich datenschutzfreundlichere Alternativen, nur sind dann leider die Kursveranstalter und auch Teilnehmer nicht da) und auch hier und da früher an die Veranstalter geschrieben, warum sie nicht ein Forum auf ihrer eigenen Website einrichten (ist natürlich Arbeit… vermutlich auch eine Frage der Reichweite…).

Bei diesen Events, aber insbesondere seitdem ich einige Online-Kurse mitmache und hoffe, daß mir diese eine bessere berufliche Perspektive bieten können, können ab und zu Fragen zu Inhalten aufkommen, die man wahrscheinlich in den entsprechenden (Facebook-)Foren einfacher klären könnte. Überdies bestünde da auch die Chance, daß die Kursleiter etc. selbst antworteten. Bei einem dieser Kurse wäre es vermutlich auch leichter möglich, „Übungspartner“ zu finden.

Die Frage ist nun: Wäre der Gewinn dadurch die Daten wert, die Facebook sammeln würde?

Daß ich mich für die betreffenden Gebiete interessiere, kann eigentlich jeder meine Websites entnehmen - (nur, wer genau hinsieht; wenn man meinen Namen googelt, fällt das nur bei genauerem Hinsehen auf, das habe ich so bisher steuern können, um Bewerbungen auf Vollzeitstellen in einem anderen Bereich nicht zu erschweren).

Andererseits werden in einigen dieser Gruppen dann sicherlich auch psychische Befindlichkeiten, Wünsche, Ziele im Detail und teilweise sogar in Videos dargestellt (woraufhin der Event-Veranstalter während der Events dann besser darauf eingehen kann) - natürlich für Werbetreibende (und andere) äußerst aufschlußreich. Natürlich kann man da selber auf das Einstellen von Videos verzichten und versuchen, sich da mit Aussagen zu sich selbst zurückzuhalten und weitgehend nur mitlesen und auch versuchen, eventuelle Fragen, die man stellt, möglichst so zu verfassen, daß Rückschlüsse begrenzt werden .

Es handelt sich durchweg um „geschlossene“ Gruppen.

Meine Fragen sind nun:

I. Wenn man bei Facebook an persönlichen Daten nur das Mindestmaß angibt und auf ein Profilphoto (und überhaupt das Hochladen von Photos) verzichtet, wie „gefährlich“ ist es, sich zu registrieren und

  1. nur mitzulesen
  2. aktiver zu sein und auch Fragen zu stellen, aber möglichst so, daß sie nicht zu viel über einen sagen
  3. auch psychologische Rückschlüsse auf einen selbst zulassende Fragen zu stellen (z. B. Diskussionen nach dem Motto „Wie gehe ich am besten mit dieser und jener Emotion um?“ oder „Wie handhabe ich am besten diese und jene private oder gechäftliche Situation?“)

Alles bei geschlossenen Gruppen (d. h. Event-, Kurs- und ehemalige Kursteilnehmer kommen hinein).

Würdet Ihr kategorisch abraten oder wären 1. und 2. eventuell vertretbar? Und 3. (nicht)?

II. Wie wäre es bei einem Profil mit pseudonymisierten Angaben und Mullvad-Browser (aber ohne VPN, weil man sonst vermutlich sowieso bald ausgesperrt würde? Wie reell ist dieses Risiko?) Gefahr: Kein Kontozugriff mehr früher oder später, wenn Facebook „Schmutzmaßnahmen“ ergreift.

III. Wie oft kommt es - sofern vorhanden - Euerer Erfahrung nach vor, daß Facebook ein „Selfie“ verlangt? Vor einiger Zeit sollte dies ja, glaube ich, als eine Möglichkeit eingefügt werden?

Einerseits fühlte ich mich damit extrem unwohl; allerdings frage ich mich, wieso eigentlich, wo Du bei Grenzübertritten auf verschiedenen Kontinenten sicherlich oft genug automatisch Photos von mir aufgenommen worden sind, so daß gewisse dreibuchstabige Agenturen die doch sowieso schon haben?

Mittlerweile gäbe es natürlich auch vermehrt Risiken privaten Mißbrauchs (KI u. a.).

(Bisher gibt es online kein einziges Photo von mir (auffindbar), es gab einmal welche, aber da war mein Name auf eine Weise und in einer Schrift geschrieben, bei der praktisch niemand außer Leuten, die mich aus jener Zeit kennen, sie finden können dürften [und sie sind vermutlich ohnehin nicht mehr oder nur noch bei Archive.org online])

(Zu Photos stelle ich auch gleich noch eine andere Frage in einem Extra-Thread).

IV. Würdet Ihr sagen, es sei eine Abwägungsfrage oder rundheraus: Lasse es, nichts oder kaum etwas von dem Beschriebenen könne so wichtig sein, Deine Daten bei Facebook zu riskieren?

(Und vielen Dank, falls Ihr meine lange Frage tatsächlich bis zu Ende gelesen habt, und im Vorhinein schon einmal für mögliche konstruktive Antworten.)

Warum nicht, wenn es Dich weiter bringt?

Seperater PC oder eine VM auf der Du nichts anderes machst. Keine App auf einem mobilen Gerät nutzen. Nur das Nötigste in FB machen und nicht verleiten lassen rum zu klicken.

Es sollte eben keine Verknüpfung auf Deine reale Identität und andere Online-Tätigkeiten möglich sein. Sonst werden die Daten zusammen geführt.

Andererseits benutze ich nichts von Google, Microsoft oder Meta. Aber fast jeder der meine Nummer hat benutzt auch zumindest WhatsApp. Firmen mit denen ich im E-Mail Austausch bin benutzen Outlook. Usw.

Man kann das alles nicht verhindern, aber zumindest erschweren.

My2Cents

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Danke für Deine Antwort und diese Anregungen. Vielleicht könnte ich auch einfach meinen Computer von einem Linux-Memory-Stick aus starten, statt mein gewöhnliches Betriebssystem auf dem Gerät zu nutzen? Ich weiß allerdings nicht, ob ich darauf ein VPN laufen lassen kann, das müßte ich ausprobieren.

Zudem müßte ich dann natürlich bei der Anmeldung Falschangaben machen. So ganz wohl fühle ich mich damnit nicht, die Frage ist aber auch: In die geschlossenen Gruppen kommt man ja vermutlich, indem man einen Einladungslink nutzt, und solange der an eine E-Mail-Adresse geht, aus der dann doch wieder auf meine Identität geschlossen werden kann, könnte das ein Problem sein (Ich weiß nicht, ob Facebook bei so etwas die Mailadresse mitgeteilt bekommt? Dann müßte man schauen, da erst eine anonyme Adresse für so etwas einzurichten.)

Und Du hast natürlich recht, daß die meisten anderen dann eben doch mit Nachrichten, die man ihnen schickt, nicht so sorgsam umgehen. Und ich frage mich auch, ob es für mich mit Facebook die Mühe wert ist, wenn ich ohnehin schon (reichlich) Google und Twitter sowie ‚MS‘ nutze nutze; allerdings habe ich auch für vieles eigene Mailadressen oder z. B. Aliasse über Proton. [Auf Verschlüsselung mit GnuPG etc. hatte irgendwie keiner meiner Mailpartner Lust (bzw. nahm sich die Zeit?), die ich damals darauf ansprach, von daher habe auch ich mich dann nicht mehr so darum bemüht.] Ich hatte sogar früher Google Plus benutzt und habe (ohne eigene Posts) ein Instagram-Account zum Folgen. Aber alles schien mir weniger schlimm als Facebook. Ich frage mich, ob das angesichts dieses Befundes dann noch so ins Gewicht fällt, oder ob dann eben da doch noch einmal ein größerer Unterschied wäre (wie es mir eigentlich meist schien), wenn ich nun begönne, Facebook unter Klarnamen zu verwenden.

Ich hielte solche Themen ganz grundsätzlich niemals für ein tolerables Thema für eine Internet-Pinwand, wo die Dinge für 100 Jahre letztlich doch für jeden einsehbar sein können - von US-Stasi über Reklamefirmen bis künftige Versicherungen und Arbeitgeber.

Dadurch halte ich jede Diskussion über technische Datenschutzoptionen für völlig nachrangig.

Das sähe bestenfalls anders aus, wenn Du nur passiv mitlesen willst in der Gruppe der Angelstiefelsammler.

No go.

Irgend wer hat mal geschrieben:

„Das Kind ist schon ersoffen“ (liegt nicht nur im Brunnen)

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@Galaga An sich stimme ich Dir der Tendenz nach zu. Aber die Frage ist natürlich: Falls man keine Gelegenheit hat, diese Dinge adäquat mit ähnlich kompetenten Menschen vor Ort zu diskutieren, ob man da nicht doch diese Möglichkeit über den Datenschutz stellt. Und darüber versuche ich mir klarzuwerden. Daß ich natürlich es dennoch zu vermeiden versuchen würde, mehr als nötig von mir preiszugeben, wäre klar. Ich glaube nur, daß manche eben sich vor so eine Wahl gestellt sehen können. Und da finde ich es dann schon hilfreich, sich über alle Konsequenzen und alle möglichen Maßnahmen klarzuwerden, selbst wenn es sich bei solchen Maßnahmen nur noch um Tropfen auf einem heißen stein handelte. - Wie gesagt, grundsätzlich hast Du recht (auch gerade, weil Du Staat und Versicherungen nennst, ich glaube die Arbeitgeber hätten normalerweise weniger Chancen, direkt oder indirekt Zugriff auf den Inhalt geschlossener Gruppen zu erhalten), aber die Frage ist eben: Wie weit will man den - sehr wichtigen - Datenschutz gegenüber der Möglichkeit, Hilfe in wichtigen Bereichen zu erlangen (wenn man, jedenfalls de facto, keine adäquate Hilfe oder keinen adäquaten Rat oder keine adäquate Lern- oder Vertsehensmöglichkeit vor Ort sieht) stellen? Ich nehme an, das könnte in manchen Fällen eine Abwägung im Einzelfall erfordern - aber, wie gesagt, dafür muß man eben auch die möglichen Konsequenzen des Einzelfalls zu erfassen suchen. Darum bin ich dankbar für alle Antworten hier. [Keine Sorge, bei mir nichts so Dramatisches, aber ich möchte mir jetzt einmal grundsätzlich in dieser Sache klarer werden.]

@audofriemler Na ja, mit weniger drastischen Bildern ließe sich dann sozusagen sagen: Man stünde dann eben vielleicht auch nicht mehr sichtbarer, als man schon wäre. Aber genau das ist ja meine Frage. Abgesehen davon, daß natürlich jede weitere Information, die man von sich preisgibt, das Bild noch ausweitet (in diesem Bilde lebt das Kind schon noch, es wird nur durchschauberer und durchschauberer), ist eben die Frage, wie gravierend das wäre. Du scheinst da ja zwischen der Preisgabe an Google über z. B. Gmail und Facebook keinen Unterschied zu machen?

Macht es praktisch noch einen großen Unterschied? Vermutlich nicht. Facebook (Meta) weiß sowieso schon alles über dich. Nicht zuletzt dank deiner Mitmenschen, die fleißig WhatsApp etc. benutzen. Du rundest aber dein bei Meta bereits bestehendes umfangreiches Datenprofil ab, gibst ihm den letzten Schliff und sorgst aktiv für laufende Verfeinerungen.

Du kannst versuchen Meta das Leben (zumindest etwas) schwerer zu machen oder du kannst dich ihnen auf dem Silbertablett selbst servieren.

Ich glaube nicht, daß ich so oft in WhatsApp in Gesprächen anderer erwähnt worden bin oder bei anderen das Thema war (ich selber nutze es nicht, und meine Handynummer (kein Smartphone) haben nur sehr wenige - allerdings einige Websites für verlangte 2FA). Es kann aber natürlich schon sein, daß Meta dennoch hier und da indirekt irgendwie Verbindungen hat herstellen können, das weiß ich nicht.

Ja, das ist wohl die Frage: Wie schwer will man es Meta machen, wie wichtig sind die gegenläufigen Interessen für einen selbst? Ich habe eigentlich selbst immer versucht, Leuten auszureden, es mache doch sowieso keinen Sinn, es sei doch schon alles bekannt über sie, eine Annahme, die den Betreffenden natürlich die Internetnutzung in vielerlei Hinsicht recht einfach machte, da Datenschutz als sowieso zwecklos gesehen wurde… Was natürlich - vermutlich - doch etwas pauschal war und ja die Risiken eventueller künftiger Informationen, die der Betreffende von sich noch preisgeben könnte und auch gesellschaftlich-politische Entwicklungen gar nicht genügend in Betracht zog.

Man muss über dich in WhatApp gar nicht reden. Wer WhatsApp benutzt, der überträgt als erstes sein gesamtes Adressbuch an Meta. Damit weiß Meta (Facebook) direkt mal aus den Adressbüchern von Mama, Tante Erna und allen weiteren Freunden und Verwandten, wie du heisst, wo du wohnst, wie du zu erreichen bist, wann du Geburtstag hast, wer deine Freunde und Verwandten sind. Aus deinem passiv genutzten Instagram Account weiß Meta, was du dir alles gerne anguckst, wo du dich aufhältst (IP Adressen), … Da kommt ganz schön was zusammen, ohne dass du irgendwas bewusst / aktiv geliefert hättest.

Jetzt kannst du natürlich sagen, dann macht alles keinen Unterschied mehr, da melde ich mich da an und mache mich komplett nackt. Dafür bekommst du ja auch eine Gegenleistung. Ob das Preis-/Leistungsverhältnis stimmig ist, musst du selbst beurteilen. Ich persönlich wüsste nicht, wofür ich Facebook bräuchte. Kenne auch seit ewigen Jahren niemanden mehr, der das noch nutzt.

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@Il_Calmo Vielen Dank für Deine Perspektive und den Hinweis auf die Folgen des Adreßbuchhochladens auch für den Unangemeldeten. Nein, bei WhatsApp würde ich mich auch nicht anmelden wollen. Das ist, abgesehen von den von Dir angesprochenen Datenschutzproblemen, auch deshalb nicht ratsam, weil man da jederzeit rechtlich „hineingerissen“ werden kann. Sei die Gruppe in der man ist auch vom Thema her oder an sich noch so unverfänglich, ein falsches Photo von jemand Böswilligem oder Unachtsamem gepostet, automatisch von WhatsApp auf das eigene Gerät geladen, selbst, heutzutage, eine „problematische“ Textnachricht… strafbar, schlimmstenfalls auch Beruf und soziale Achtung in Frage gestellt trotz eigentlicher totaler Unschuld… Leider hört, wenn man das erwähnt, kaum jemand auf einen. Aber da würde ich mich in der Tat nicht anmelden. (Und das mit dem Adreßbuch interessiert die Leute wohl nicht einmal sonderlich - bedauerlicherweise… falls sie das überhaupt als potentielles Problem registrieren.)

Für meine privaten Kontakte habe ich Facebook nie verwendet (allerdings so auch den ein oder anderen Kontakt verloren, den jetzt dort noch zu haben ich mich, auch wenn es nur virtuell wäre, vermutlich freuen würde). Ich erwäge es nur, wie gesagt, weil es da bei Dingen, die mich zur eigenen Entwicklung sowie im beruflichen Bereich interessieren, Gruppen von (aus meiner Sicht) Autoritäten gibt und auch Leuten, die sich mit ähnlichen Themen auseinandersetzen. Letztere findet man auch in anderen Foren (vieles findet sich ja auch in Reddit, wobei auch da die Frage ist, wie es eigentlich mit dem Datenschutz ist, damit habe ich mich nicht so auseinandergesetzt), aber nicht immer dann so „paßgenau“, wenn es Gruppen bestimmter Autoritäten oder Gruppen zu bestimmten Events sind. Dummerweise sind die sozialen Medien, in denen sich Datenschutz- und Technik-Affine finden, nicht immer unbedingt auch die Hauptsammlungspunkte jener, die sich mit Themen befassen, die mich ansonsten und primär eigentlich interessieren…