Ist Leute im Fenster fotografieren erlaubt?

Mir ist fast die Sicherung durchgebrannt als ich auf Mastodon gesehen habe, dass jemand unter dem Hashtag #WindowFriday eine Frau fotografiert hat, die aus ihrer Wohnung schaut.

Hier ist der Post und das Bild.

Habe ich überreagiert, als ich gesagt habe, dass man das nicht dürfe?

Meiner Meinung nach hat die Frau alle Rechte am Bild (und keine Einverständnis gegeben hat), da sie alleine auf dem Bild zu sehen ist und dazu kommt, dass sie in einer privaten Umgebung steht (in ihrer Wohnung).

Der Uploader hat dann schnell etwas gegoogelt (oh man, böses Wort) und meinte, dass es Streetart sei und er dadurch geschützt sei.

Was meint ihr?

Es war auch schwierig die Diskussion aufrecht zu erhalten, weil er mich erst geblockt hatte und ich dann mit einem Zweitaccount weiter geschrieben habe, bis dieser auch geblockt wurde.

Aber halt ein Klassiker: Etwas googeln, Unsinn posten, weil man denkt, sein Verhalten wäre dadurch gedeckt und um das letzte Wort zu behalten, schnell den anderen blockieren.

Doch wie gesagt, vielleicht lag ich auch falsch…

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Ich denke, die Frau präsentiert sich bewusst der Öffentlichkeit und darf insofern fotografiert werden, solange es sie nicht offensichtlich kompromittiert.
Anders wäre es, wenn sie in der Wohnung gewesen und der Fotograf in die Wohnung ohne Genehmigung hinein fotografiert hätte: Dann hätte er den privaten Raum verletzt.

Aber etwas anderes ist die Veröffentlichung im Internet: die hätte der Genehmigung bedurft und die Frau könnte Schadenersatz verlangen.
Wegen des Rechtes am eigenen Bild, weil sie explizit aufgenommen wurde und nicht ein Element einer Massenszene ohne kompromittierenden Aspekt war.

Aber: sie müsste davon wissen, um dagegen klagen zu können …
Für Schadenersatz müsste sie einen Schaden beziffern können.

Streetart könnte es sein, wenn sie als Modell fungiert und die Szene vorher oder nachher vereinbart und zur Veröffentlichung freigegeben worden ist.

Was allerdings Kunst ist, darüber lässt sich trefflich streiten …

Mit der DSGVO hat es meiner Meinung nach gar nichts zu tun, solange der Fotograf das Bild nicht gewerblich nutzt. Weil: dann ist er im Zweifel Privatmann.

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Ja, hast Du

Das würde bedeuten, dass mich jeder Fotografieren darf wenn ich die Haustür verlasse ohne dass es einer Zustimmung bedarf. Dem ist aber, zumindest in Deutschland, nicht so. Hier müsste die Frage geklärt werden, ob die Person eindeutig zu erkennen ist oder ob die seitliche Aufnahme bereits die Person verschleiert. Denn dann greift das Fotorecht meines Erachtens nicht, da ich ja problemlos Fotos von der Rückseite eines Menschen machen kann.

Mein Wissen ist aber stümperhaft und auch schon älter.

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in der herbertstr. ist es bewusst verboten

Ja, darf er im Prinzip, nur darf er es nicht veröffentlichen.
Der Post mit dem Bild von der Frau ist ohne ihre Zustimmung klar rechtswidrig. Als Kunst geht es nur durch, wenn „die Verbreitung oder Veröffentlichung einem höheren Interesse der Kunst dient.“

Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.

Die einzigen Ausnahmen die es gibt sind:

  • Bilder mit Personen der Zeitgeschichte ( Personen der Zeitgeschichte stehen in der Öffentlichkeit und es besteht ein besonderes Interesse an der Person und seinem Leben, z.B. Politiker etc.),
  • Bilder mit Personen als Beiwerk (du fotografierst den Eifelturm, da wirst du es nie schaffen, alle Menschen auf dem Bild nach ihrer Zustimmung zu fragen, nur den Eifelturm bei Nacht, darfst du übrigens auch nicht veröffentlichen, da hier der Lichkünstler der Beleuchtung dich zur Kasse bitten kann …),
  • Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Veranstaltungen (wenn du auf eine Demo gehst erklärst du dich damit einverstanden, fotografiert und veröffentlicht zu werden, inclusive Tagesschaubeitrag …)

Das ganze wird vom Kunsturhebergesetz geregelt und hat, wie Bit richtig sagte, nichts mit der DSGVO zu tun.

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Wenn ich als Privatmensch von einem Fotograph im Portrait fotografiert werde, oder den Mittelpunkt/Blickfang eines Bildes ausmache, kann ich auch die Löschung des Bildmaterials verlangen…
das muss nicht mal veröffentlicht werden…

Puh, ich war schon ganz verunsichert, insbesondere ob der verdächtigen Selbstreflektion des TE, und überhaupt: Es ist alles so kompliziert geworden. Dank deines prägnanten Post bin ich jetzt juristisch, moralisch und natürlich vor allem in Sachen Soziale Kompetenz wieder gefestig. Vieln Dank dafür!

Ernsthaft: Alles, was Vax schreibt (darunter fällt auch StreetPHOTOGRAPHY - StreetArt ist unabhängige Kunst im Öffentlichen Raum)

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Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.

Wer heute eine Google oder Apple Handy von der Stange hat, bei dem trifft der Aspekt „verbreiten“ zu, wenn er ein Foto gemacht hat.
Denn in den Standardeinstellungen landet das Foto per Backup in der jeweiligen Klaut und wird verbreitet und ausgewertet:
https://www.theverge.com/2022/8/21/23315513/google-photos-csam-scanning-account-deletion-investigation
https://www.heise.de/news/iPhone-Scanning-auf-Kinderpornos-Apple-nennt-Abdrehmoeglichkeit-6157178.html

Man braucht bei Apple nur die Bildersuche anzuschauen, da kann man erkennen, dass man nach Bildinhalten wie „Bergen“ oder „Pizza“ suchen kann. Diese Tags bleiben natürlich auch nach dem Upload in die Klaut auf dem Bild.
Um das anbieten zu können, muss da Bild vorher ausgewertet werden. Es ist auch eine Auswertung der biometrischen Daten denkbar auf diesem Weg.

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Nicht ganz, das Bild eines Menschen gespeichert auf einem Datenträger ist ein verarbeiten von persönlichen Daten und fällt somit auch unter die DSGVO, völlig egal ob Kunst oder nicht.
Weil, Du kannst gerne Mal versuchen Bild oder Ton Material bei einer Polizeikontrolle zu machen, es wird Dir untersagt werden und das Gerät wird beschlagnahmt, solltest Du es nicht freiwillig einstellen und die Datei löschen.

stimmt, das kanst du jederzeit tun, du hast ja das Recht an deinem Bild.
Der Fotograf hat so lange nicht Unrechtes getan, so lange er es nicht veröffentlicht.
Selbstverständlich wird dies nicht mehr haltbar, wenn du verletzende Bilder machst oder sensible oder geschützte Orte fotografierst (siehe dein Beispiel der Polizeikontrolle).

es erst einmal schnell als Kunst zu titulieren hilft nicht. Du musst schon „das höhere Interesse“ nachweisen.

Das fällt unter „kompromittierende Aufnahmen“. :grin:
Hat auch nichts mit der DSGVO zu tun.

So meine ich das.
Aber wenn er das Bild (ohne es selbst zu veröffentlichen) weiterverkauft, dann ist es ein Fall für die DSGVO.

Du musst zumindest Kunst studiert haben! Das konnte man bei Prof. Joseph Beuys lernen.

Genau so sehe ich es auch. Da kann ich ja nicht mal die Nasenspitze rausstecken aus meiner Wohnung und schon hab ich ein Problem.

Finde ich auch.

Mir ging es vor ein paar Jahren so. Ich war mit einer Gruppe unterwegs, die Unternehmung war öffentlich angekündigt, aber man musste sich dazu anmelden. Obwohl ich ganz zu Anfang eine Person kontaktiert habe, die viele Fotos macht und drum gebeten habe, mich nicht zu fotografieren, hat die Person es dann offenbar trotzdem gemacht (obwohl ich ihm aus dem Weg gegangen bin) und sogar die Bilder bei google hochgeladen. Auf dem Rückweg wurde ich von anderen Gruppenmitgliedern deswegen doof angemacht (Fotograf war dabei und hat mitgestänkert), das hat man schon immer so gemacht und wenn er da immer gucken müsste, könnte er nicht spontan Gruppenbilder machen. NULL Verständnis, warum man sowas nicht will. Argument war, wenn ich drum bitte, könnte man das Gesicht ja im Nachhinein verpixeln (hat er trotzdem nicht gemacht). Ich hab danach mit einem befreundeten Fotografen gesprochen, der mir zustimmte, dass das nicht so einfach geht.

Manchen Leuten ist es einfach total egal, wie es anderen damit geht, Hauptsache ihr Bild. Früher ging das mal, aber seit der Verbreitung des Internets ist das alles anders.

Zudem auch das:

Ja: draußen ist Öffentlichkeit – mit allen Konsequenzen.

Faktisch ist es wohl so (weil die Mehrheit sich um Datenschutz nicht schert), aber richtig finde ich es nicht und denke auch nicht, dass das rechtlich abgedeckt ist (also das weiterverbreiten ohne Einwilligung)

Ja, das schon.

Ich habe immer ein Recht auf meine Privatsphäre und den Anspruch, nicht fotografiert zu werden. Man muss/sollte vielleicht auch zwischen Portrait-Aufnahmen und solchen unterscheiden, wo die gezeigte Person eher nur Beiwerk ist.

Quelle: https://www.dacuro.de/neuigkeiten/beitrag/fotografieren-ohne-erlaubnis-zu-fragen

Quelle: AG Bonn, Urteil vom 28.01.2014 - 109 C 228/13

Also für mich stellt es sich so dar, dass man grundsätzlich die Einwilligung für eine Bildaufnahme benötigt. Dies hat jedoch nichts mit der DSGVO zu tun und bildet hier nur deutsches Recht ab. Wie es in anderen Ländern ausschaut, keine Ahnung. Das Foto aus dem Eingangspost wurde dem Hashtag nach in Kroatien geschossen. Ob dieses dort so erstellt werden durfte, kann ich nicht sagen. In Deutschland wäre dies nicht ohne Erlaubnis erlaubt.

Doch wie ist aus Sicht des Datenschutes der Fall zu berwerten? Denn die DSGVO gilt auch in Kroatien. Die Person hat nicht nur ein Foto angefertigt, sondern es auch veröffentlicht. Und dies berührt Artikel 9 der DSGVO:

(Hervorhebung durch mich)

Die Person hätte das Foto also nicht veröffentlichen dürfen ohne Einwilligung der auf dem Bild sich befindenden Person, sofern man zum Entschluss kommt, dass diese eindeutig identifizierbar ist. So interpretiere ich das Recht. Wobei ich mich hier auch auf ein Portrait beziehe. Ich weiß nicht, wie es bei einer Straßenfotografie ausschaut, wo man ohne Zoom einfach in die Straße hinein fotografiert.

Nein, er wird auch in den meisten Fällen sofort dem Wunsch folge leisten… Strafrechtlich relevant wird das ja meist bei heimlich gemachten Aufnahmen die veröffentlicht werden im privaten Bereich.
Auch versuchen viele Prominente Bilder zu verhindern, was oft scheitert, wogegen aber die Identität oder auch nur Bilder von den Kindern oder Partnern sehr gut geschützt werden können, auch durch Journalisten, da der Schutz des Persönlichkeitsrechts über allem liegt. Bestes Beispiel Campino, nichts ist über seine Familie in den Medien.

Es liegt da eine klare Rechtsprechung vor was Tonaufnahmen angeht, die Vertraulichkeit des Wortes.
Aber immer mehr Menschen machen aber Aufnahmen bei Kontrollen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen, ich kann nur jedem raten die Aufnahmen heimlich zu machen und niemanden zu zeigen außer einem Anwalt, dann könnte man diese Aufnahme als Notwehr einstufen, sollte dadurch ein Fehlverhalten nachgewiesen werden, das gilt auch bei Telefonaten und auch nur bei schwerwiegenden Verstößen. Es sind Einzelfallentscheidungen, deswegen nur dem Anwalt zeigen.

Ja doch, Sprache und Bild wenn man sie speichert fallen darunter, es sind personenbezogene Daten.

In so einem Fall stimmt man mit der Teilnahme zu, wo in der Regel immer Fotos gemacht werden, das der Fotograf aber Deinem Wunsch nicht entsprach geht gar nicht.

Der Uploader hat dann schnell etwas gegoogelt (oh man, böses Wort) und meinte, dass es Streetart sei und er dadurch geschützt sei.

Wäre das so, gäbe es kein Recht am eigenen Bild mehr. Dann könnte man jedes Bild irgendwo hochladen und behaupten es sei Streetart.

Ich denke, die Frau präsentiert sich bewusst der Öffentlichkeit und darf insofern fotografiert werden, solange es sie nicht offensichtlich kompromittiert.

Die Frage ist hier, was bedeutet „kompromittiert“ konkret? Und wer entscheidet das? Ist es richtig, dass ein Fotograf für eine ihm fremde Person entscheiden darf, was „kompromittiert“ konkret bedeutet? Oder legt das jeder für sich selbst fest. Ich behaupte mal, das was für mich persönlich „kompromittiert“ bedeutet, muss noch lange nicht für alle anderen gelten. Jeder hat ein anderes Schamempfinden. Und Fotografen werden das meist eher zu ihren Gunsten auslegen.

nn dann greift das Fotorecht meines Erachtens nicht, da ich ja problemlos Fotos von der Rückseite eines Menschen machen kann.

Selbst das könnte problematisch sein, wenn sich die Person eindeutig identifizieren lassen könnte, z.B. durch ein Tattoo oder irgendwelche einzigartigen Flecken auf der Haut.

Ernsthaft: Alles, was Vax schreibt (darunter fällt auch StreetPHOTOGRAPHY - StreetArt ist unabhängige Kunst im Öffentlichen Raum)

Jain. Einfach ungefragt ein Foto machen und es ins Internet stellen, macht es nicht automatisch zu Kunst. Wie gesagt, dann gäbe es kein Recht am eigenen Bild mehr.
Ich erinnere da mal an einen Fall, bei dem eine Frau gegen einen Streetfotografen geklagt hat. Und da ging es, um eine tatsächliche Ausstellung und nicht nur einfach einen Upload ins Netz.

Derzeit ist das ganze Thema nach meinem Verständnis ist eine Grauzone mit viel Interpretationsspielraum. Meist läuft das nach dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Sollte es dann doch vor Gericht gehen, werden die einzelnen Rechte, die sich konträr gegenüberstehen, von Fall zu Fall neu abgewogen. Das bedeutet aber auch, dass man als Streetfotograf keine eindeutige Rechtssicherheit hat.

Einem wichtiger Aspekt wird meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung geschenkt: der technische Fortschritt. Wer weiß, was man alles mit diesen Bildern in Zukunft anstellen können wird. Vor Jahren hat kaum jemand daran gedacht, dass Bilder, die man ins Internet lädt, vor allem auf die großen Plattformen, automatisch gescannt werden können, also z.B. Gesichtserkennung, Lokalisierung, usw. Heute können solche Bilder für KI-Training genutzt werden. Wer weiß, was in 10 Jahren möglich sein wird.

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In dem Link von oOps wird das sehr schön erklärt:
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass ich in der Öffentlichkeit fotografiert werden kann.
Dies wäre auch erst einmal nicht rechtswidrig.
Ich habe aber auch das Recht dies zu untersagen. Wird dem nicht entsprochen, dann kann ich dagegen vorgehen.
Nur, wie sieht das in der Praxis aus?
Die Sache mit dem „normalen“ Porträt ist einfach: Dazu bin ich der fremden Person erst einmal so nahe, dass es selbstverständlich ist, zu fragen. Ist man so dreist oder unhöflich einfach drauf zu halten, kann man sich sicher sein, dass die Person dass eigentlich nicht möchte. Sprich: fragt man nicht, sollte man es definitiv lassen.

Doch wie oft wird man fotografiert, ohne es zu wissen?
Die Frau am Fenster wusste es bestimmt nicht. Also kann sie sich auch nicht dagegen entscheiden. Sie ist ein elementarer Bestandteil des Bildes, ohne sie wäre es langweilig. Zumindest hat sie noch theoretisch den Schutz, dass es nicht veröffentlicht werden darf. Und ist dass geschehen, muss sie es auch noch mit bekommen.

Nein, finde ich ganz und gar nicht. Ich finde es richtig Nutzer zu sensibilisieren, dass man nicht einfach Bilder fremder Personen ins Netz stellt.

Denkt man das konsequent weiter, wird es schierig. Wie willst du das Brandenburger Tor fotografieren, wie einen Marktplatz oder Sehenswürdigkeiten?
Hier greift dann die Beiwerk-Regelung. Du bist halt einer unter vielen und für das Bild nicht bestimmend. Trotzdem kann es sein, dass du absolut erkennbar bist, dein Recht am eigenen Bild aber in diesem Fall zweitrangig wird.

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