Kleinanzeigen.de - ein einfacher Weg Profilbildung zu verhindern oder zumindest erschweren?

Hier im Forum geht es häufig darum, Profilbildung zu unterbinden und Datenschutz mittels technischer Mittel zu erzwingen. RethinkDNS, uBlock Origin, piHole sind dabei für viele die Werkzeuge der Wahl. Nicht jeder fühlt sich dazu in der Lage, diese Werkzeuge zu betreiben. Abgesehen davon führen immer wieder Veränderungen von Seitenbetreibern dazu, dass Filterlisten ihre Aktualität und damit ihre Wirkung verlieren. Deswegen bin ich auf folgenden Gedanken gekommen:

Wie wäre es, wenn ich kleinanzeigen.de (im Folgenden ka abgekürzt) ausschließlich von einem oder verschiedenen öffentlich zugänglichen Computern eines Universitäts-Netzwerks aus benutze? Dadurch bekäme ka niemals die IP-Adresse, von der ich sonst aus ins Internet gehe. Im Gegenteil, die genutzte IP-Adresse würde wahrscheinlich auch von zig anderen Menschen genutzt. Alles was sonst so an diesem Computer gemacht wird, ließe sich aufgrund der Vielzahl der Nutzer kaum auf einen einzelnen zurückführen. Auch gespeicherte Cookies würden keine Rückschlüsse auf mich zulassen, solange ich während der Session ausschließlich ka nutze und keine weiteren Internetseiten aufrufe.

Liege ich mit dieser Überlegung richtig? Wäre das ein weitere Option, für den Schutz der eigenen Daten zu sorgen und Profilbildung zu verhindern?

PS: Bitte keine Diskussion darüber, ob es umständlich/praktikabel ist, zu einem Uni-Rechner zu kommen.

Aber durch deinen Login wissen sie doch, dass du es bist, egal, von wo aus du auf die Seite zugreifst.

Ansonsten würde ich sagen, dass du grundsätzlich richtig liegst. Dann darfst du von dem Rechner aus aber halt wirklich nichts anderes machen. Kannst du das realistischerweise so durchziehen?

Ist das nur ein Beispiel, oder würdest du diesen Aufwand wirklich für die Kleinanzeigen machen und diesen Zugang nur dafür „verbraten“?

Das hast du recht, @sekret. Aber darum geht es mir auch nicht. Wichtig ist doch, dass alle sonstigen technischen Infos, die ka nun von mir hat und an Datenhändler weiterverkauft, nicht verwertbar sind, weil sie nicht mit meinem übrigen digitalen Leben übereinstimmen. Bildschirmauflösung, Betriebssystem. welcher Browser benutzt wurde usw. - all diese Daten, die sonst Bestandteil eines Profils sind, sind nun abgesehen von der Situation in der ich ka nutze falsch.

ka ist für mich derzeit das einzige datenschutzunfreundliche Internetangebot, für das ich keine funktionierende bessere und datenschutzfreundliche Alternative finde. Der Zugang via Uni wird von mir nicht „verbraten“ sondern lediglich genutzt (er bliebe sonst einfach ungenutzt, weil ich ihn sonst nicht benötige).

Könntest du via Tor-Browser auf kleinanzeigen.de zugreifen? Das wäre noch eine Alternative.

Das ginge natürlich. Aber ich meine mehrfach gelesen zu haben, dass die Nutzung des Torbrowsers nur dann sinnvoll ist, wenn man sich nicht identifiziert hat. Wenn man bereits identifiziert ist, sei die Nutzung eher schädlich. Die Begründung ist mir nicht mehr in Erinnerung.

Das stimmt, aber kann ja sein, dass du den Tor-Browser sonst auch nicht nutzt. Dann wäre das aus meiner Sicht eine gangbare Alternative, die auch von zu Hause aus funktioniert

Bei meinen Versuchen, kleinanzeigen.de via Tor-Browser aufzurufen, erhalte ich lediglich den Hinweis „Access Denied“.

Ich vermute, kleinanzeigen.de blockt Zugriffe aus dem Tor-Netzwerk.

Ok, dann fällt die Option weg.

Die IP-Adresse kannst Du zumindest schützen, wenn Du kleinanzeigen durch ein VPN aufrufst, das könntest Du auch vom normalen Gerät aus machen.

Fingerprinting bliebe natürlich ein Thema.

Ja, gute Lösung. Kleinanzeigen nutzt Google Ads, wenn man nicht bezahlt. Und Google Ads macht Haushaltstracking auf Basis der IP-Adresse.

Der Fall bei KA ist etwas komisch, weil man ja den Bezahlbanner ablehnen kann. Dann läuft eine Art Werbetracking light, also zum Beispiel kein Real Time Bidding, aber Kontextanzeigen. Ich würde mich aber nicht darauf verlassen, dass hier kein Profil gebildet wird. Ablehnen lohnt sich trotzdem.

VPN mit Fingerprinting-Schutz (JShelter) wäre eine gute Alternative. Fingerprinting ist ziemlich umfangreich auf der Seite (wird fast ausschließlich aber als Botabwehr und nicht für die Profilbildung verwendet).

Knackpunkt ist noch die Mobilnummer. Wenn du eine Wegwerfnummer nimmst, wirst du evtl. irgendwann ausgesperrt und deine Bewertungen sind futsch. Kannst mal probieren, ob du eine Festnetznummer übrig hast und dort SMS für die Verifizierung empfangen kannst.

Trackingblocker ist natürlich auch hilfreich. Neben den üblichen doubleclick-Domains sollte gateway.kleinanzeigen.de geblockt sein, dort werden die Anzeigen über eine Subdomain von Google eingeschleust.

Mal eine Frage.
Was ist denn an ka so besonders, dass @mt.sr gerade hier die Profilbildung verhindern will ?
Ich frage nur, ob das übrige Surfverhalten dazu passt ?
Wie werden andere Shops aufgerufen, Social Media Seiten, YT-Videos, usw. ?

Zurück zu ka.
Soll auch die regelmäßigen Suche nach Produkten über den Uni Rechner erfolgen oder nur die Käufe ?
Selbst wenn man für ka den UNI Rechner nutzt, dann ist @mt.sr immer noch angemeldet.
Sollten also Daten zu Werbepartner weitergegeben werden, landen diese wieder bei Datenhändlern und damit gibt es Profilbildung.

Neben der Frage nach dem übrigen Surfverhalten werfe ich mal das Thema VM (nur für ka) in den Raum und dazu das schon genannte VPN.

VM könnte aber schwierig werden, wenn ublock schon einer Hürde ist.

Gute Frage, aber ich kann mir schon denken, dass KA für viele eine besondere Schwierigkeit ist. Bei anderen Bereichen kann man entweder konsequent die Cookie-Banner ablehnen oder eine trackingfreie Alternative finden. Das ist aber beides bei Kleinanzeigen nicht möglich.

Ob man dem Ablehnen der Cookie Banner 100% vertrauen kann ist ja ohnehin eine andere Frage.

Die Frage bleibt aber nach dem übrigen Surfverhalten.

Wenn das Surfverhalten nicht genauso datenschutzsensibel wie bei ka ist, dann könnte @mt.sr auch ein eigenes FF Profil nutzen (nur ka). Jede Suche natürlich nicht angemeldet. Die Daten nach dem Beenden von FF löschen lassen. Anmelden nur für Käufe.

Dazu ein DNS Tracking Server. Diese Änderung sollte auch für @mt.sr machbar sein.

Mit VPN oder ohne VPN und regelmäßiger Wechsel der IP Adresse (leicht über den Router).

@mt.sr muss eben wissen, ob er für ka immer auf den UNI Rechner warten will.

Wenn ich das blocke, dann kann ich die App gar nicht mehr nutzen. Vielleicht geht dann noch die Webseite, aber die App ist damit „futsch“ :frowning:

Der Tor Browser wird nutzlos sobald du dich irgendwo mit deinen Daten einloggst :slight_smile:

Völlig klar, aber falls @mt.sr den Tor-Browser sonst nicht nutzt, dann wäre das eine potenzielle Alternative, die nicht so ortsgebunden ist wie ein Uni-Rechner. Mehr sage ich ja nicht!

Wenn man es schafft sich bei ka mit Tor einzuloggen, eine Wegwerf SIM und keine „echten“ Daten eingibt, sollts mit Tor klappen.
Man gibt so seine Anonymität nicht auf.

Das wäre nur bei Nutzung der echten Daten.

Wenn ich Ware „wie gesehen“ kaufe, und den anderen an der U-Bahn oder dem Dorfplatz treffe, kein Problem.

Danke für euer Feedback.

@rufposten :

Mit „gute Lösung“ meinst du vermutlich den vorangegangene Post mit dem vorgeschlagenen VPN zur IP-Verschleierung. Oder signalisierst du doch Zustimmung zu meiner Idee, ka über Uni-Rechner zu nutzen? Bin mir nicht ganz sicher.

Mit JShelter meinst du das nachfolgend verlinkte Add-on oder doch ein anderes? (Wenn ich mit dem Suchbegriff JShelter die Add-ons durchsuche, erhalte ich sehr viele Treffer. Zwar gibt es tatsächlich nur einen der JShelter heißt. Der hat aber so wenige Benutzer, dass ich Zweifel bekomme, ob du den gemeint haben kannst.)

https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/javascript-restrictor/

Daran hatte ich tatsächlich nicht gedacht, Als ich früher noch auf ka aktiv war (ist Jahre her), war das noch kein Thema. Für die neue Notwendigkeit einer Identifizierung per Telefon-Nummer würde ich mir wohl ein altes GrapheneOS-fähiges Smartphone zulegen und es mit der billigstmöglichen Prepaid-Karte ausschließlich für ka einsetzen.

Wenn ich mir ohnehin ein separates GrapheneOS-Smartphone mit billigst-Prepaid-Karte anschaffen muss, alles über VPN laufen lasse und dieses Smartphone nur für ka nutze, dann kann ich mir wahrscheinlich den Weg zur Uni sparen.

Das ginge nur, wenn ich daheim bin und keine Uni-Rechner nutze.

Die Frage wurde oben teilweise beantwortet:

Ergänzend zu deinen genannten Beispielen: 1. Shops: Ich kaufe nach Möglichkeit analog ein und bezahle bar. 2. Social Media: Ich nutze nahezu ausschließlich datenschutzfreundliche soziale Medien wie Mastodon. 3. Youtube-Videos sind da tatsächlich eine Ausnahme. Die schaue ich mir über einen Proxy in FreeTube an. Kommt aber auch nur drei bis viermal pro Jahr vor.

Ich benötige ka in erster Linie für Verkäufe. Mit meiner vorgeschlagenen Uni-Rechner-Lösung müsste ich Anfragen und Terminabsprachen mit den Käufern per E-Mail erledigen. Soweit ich es in Erinnerung habe, bekommt man Anfragen von Interessenten per Benachrichtigungs-Mail von ka zugeschickt, auf die man auf demselben Wege (E-Mail) wieder antworten kann. Das könnte ich dann natürlich von zuhause aus erledigen.

Diesen Punkt verstehe ich nicht ganz. Ich stimme zu, dass ich mich auf dem Uni-Rechner anmelden muss. Und ich verstehe, dass bei der Nutzung der ka-Seite Daten an Werbepartner weitergegeben werden und sehr wahrscheinlich auch eine Profilbildung stattfindet. Allerdings beschränkt sich dies ausschließlich auf meine Aktivitäten bei ka, wenn ich Uni-Rechner ausschließlich für ka nutze und Zuhause mein Surfverhalten konsequent auf Datenschutz ausgerichtet ist. Haben Menschen, die ka von einer App oder aus dem Browser Zuhause nutzen und dort mit allem technischen Möglichkeiten abgesichert sind, nicht dasselbe Problem? Sie sind bei ka angemeldet und somit bekannt. Alles was sie auf ka anschauen, kaufen oder verkaufen, fließt in ihr Profil ein und wird wahrscheinlich an Werbepartner weitergegeben. Dieses Problem hat man mit technischer Hochrüstung genauso wie ich am Uni-Rechner. Wenn ich dann aber Zuhause mit einer nicht ganz so hochgerüsteten Ausstattung anderweitig Surfe, kann das Profil das bei ka erstellt worden ist, nicht mit dem verknüpft werden, das möglicherweise bei mir Zuhause entsteht. Und hoffentlich entsteht dort auch keines, weil ich dort möglichst alles, was Profilbildung und Tracking enthält, meide.

Falls VM Virtuelle Maschine heißen soll, muss ich leider sagen, dass ich allerspätestens hier raus bin.

uBlock habe ich auf allen Browsern außer dem TorBrowser. Aber ob ich dort alles richtig eingestellt habe… und selbst wenn, ob die Einstellungen dann dauerhaft richtig bleiben… da bin ich mir nicht sicher. Deswegen suche ich doch gerade nach einer Lösung, die sicher ist und die ohne Hochrüstung und ständigem Nachjustieren funktioniert.

Wenn FF für Firefos steht: Ist das wirklich so? Selbst wenn ich verschiedene FF-Profile für unangemeldete ka-Suche und angemeldete Kauf-/Verkaufs-Abwicklung. Dann ist die IP in beiden Fällen sehr wahrscheinlich identlisch, ebenso Bildschirmgröße, Betriebssystem etc pp - also alles, was zur Profilbildung herangezogen wird.

Was meinst du mit Tracking Server? RethinkDNS? Oder die DNS-Einstellung im Browser, bei der ich einstellen kann, einen DNS-Anbieter zu wählen, der Werbung- und Tracking filtert?

Das ist mir neu. Kann ich am Router einen neue IP anfordern? Wie geht das?

Ja. Die Uni-Lösung ist gut, wenn es dir nicht zu umständlich ist. Wenn du SSH-Zugang zu der Uni hast, kannst du dir auch einen Socks-Proxy per SSH bauen. Tunnelt dann in der Uni raus, ist fast wie ein VPN und lässt sich im Browser oder per Smartphone nutzen.

Ja genau. Ich nutze das, weil es bei verschiedenen Fingerprinting-Testseiten erfolgreich verschleiern konnte. Crash aber auch einige Seiten (nicht aber KA).

Die Nummer brauchst du zur Verifizierung nur, wenn mit dem Account etwas Verdächtiges passiert ist, nicht bei jeder Anmeldung. Eine Prepaid-Nummer jahrelang am Leben zu halten, erfordert einiges an Disziplin, rechtzeitig aufzuladen und einmalig Kosten zu verursachen, damit die Nummer nicht ausläuft. Ich bin daran gescheitert.

Bei GrapheneOS könntest du auch ein zweites Profil mit RethinkDNS und VPN nutzen. Die meisten Google Pixel können auch eSIM, ich hab z.B. immer eine zweite Nummer von Vodafone drin.