Wir haben in der Firma viele Webbasierende Anwendungen (Ticketsystem, Wikis, Wissensquellen, Workflow-Systeme) die sich gut vom iPad im Safari Browser nutzen lassen.
Für die Kommunikation und typische Arbeitsorganisation nutzen wir E-Mail, Chat, Telefonie und für die interne Abteilungsorganisation SharePoint, PDFs und Microsoft Office Dateiformate hier in meiner Arbeit insbesondere OneNote.
Für meine Arbeit benötige ich des Weiteren Zugriff auf adminstrative Consolen, die jedoch nur von speziellen Terminalserverbasierenden Administrationsarbeitplätzen erreichbar sind, egal von welchem Arbeitsgerät (Windows Notebook, Macbook, iPad) ich aus arbeite.
Wo klappt die Arbeit mit dem iPad für mich gut, wo ist es schwierig?
Alle Schritte in denen die Arbeit basierend auf Apps mit guter Adaption der Betriebsfunktionalitäten abgebildet werden kann (Multitasking-Darstellung mehrerer Fenster, Zugriff auf die Dateien App Schnittstelle für gemeinsame Dateinutzung, Tastaturkurzbefehle für effizientes Arbeiten, reconnect-fähige Backendanbindungen) kann man aus meiner Sicht flüssig und komfortabel arbeiten.
Dieses funktioniert beispielweise in Apps wie Apple Mail, Safari für Webanwendungen, vielen PDF-Editoren sehr gut. Insbesondere das Korrekturlesen und Kommentieren von PDF-Dokumenten was ich in meinem vorherigen Job ständig gemacht habe geht aus meiner Sicht mit keinem Gerät besser als mit einem Tablet und Stift auf einem bequemen Lesesofa 
Problematischer wird es dann, wenn die App-Entwickler abgewandelte Arbeitsweisen ausgedacht haben, wie z. B. dedizierte mit gesonderten Abschottungen versehen Anwendungen, Betriebssystem-Technologien auch nach Jahren nicht adaptiert haben, oder Hersteller keine Anbindung an private Cloud-Systeme vorgesehen haben (vor allem iPad-Notizanwendungen oder Microsoft mit seinen Office-Lösungen sind hier wohl problematisch).
Hier haben wir in der Firma leider ein paar Software-Lösungen im Einsatz die nicht so Pralle sind und die Effizienz der Benutzer am iPad ausbremsen.
Am Schwerwiegensten für meine Arbeit ist aber, dass Microsoft eigentlich nur noch Microsoft 365 unterstützen möchte, wir aber unsere Server On: Premise im Eigenbetrieb nutzen. Dadurch stehen mir leider am iPad nicht die offiziellen Microsoft Office Apps zur Verfügung, sondern ich muss die Office-Online-Anwendungen im Browser oder ein Polaris Office welches wir am iPad einsetzen verwenden. Am meisten fehlt mir für meine Arbeit die OneNote App, in der wir in unserer Abteilung sehr viel Wissen haben und die ich dann in der OneNote-Online Webanwendung ein wenig holperig im Safari nutzen muss.
Wo hat iPadOS technologische Vorteile / Nachteile für mich als Anwender?
Ein großer Technologischer Vorteil des iPadOS ist gemeinsame Nutzung von dienstlichen vorkonfigurierten Anwendungen in denen dienstliche Daten verarbeitet werden und privaten Apps und Daten auf einem Gerät. Über die sogenannte „managed“ / „unmanaged“ Trennung der Apps und Daten können beide auf einem Gerät existieren, ohne dass dieses vermischt werden.
Ich kann so z. B. meinen privaten Kalender mit einbinden und sehe im iOS Kalender beide übereinander gelegt, oder kann bei Bedarf auch mal eben auf meine privaten Daten zugreifen um etwas zu klären ohne ein Zweitgerät zu brauchen. Insbesondere bei Dienstreisen ist dieses sehr hilfreich.
Als wirklich technologisches Problem habe ich bei mir, dass ich für den Zugriff auf Management-Consolen mich zuvor auf einem Citrix-Terminalserver anmelden muss (egal ob aus Windows, macOS oder iPadOS). Hier hat i(Pad)OS das Problem, dass Citrix ein TCP-basierendes Session-Handling nutzt, i(Pad)OS jedoch eine App die nicht mehr im Vordergrund läuft zur Einsparung von Energie „einfriert“. Hierbei brechen dann die TCP-Verbindungen ab und Citrix hat es bis heute nicht geschafft eine entsprechenden Lösung der Problematik auf ihren eigenen Gateway-Systemen zu schaffen.
Interessanterweise hat dieses technologische Problem jedoch auch etwas gutes. Die meisten für das iPad vorgesehenen Anwendungslösungen setzen auf „reconnect-fähig“ Protokollen auf, also wenn die App wieder in den Vordergrund geholt wird sich automatische wieder verbinden. Bei allen Entwicklungen die dieses beachten ist automatisch dafür gesorgt, dass man auch ein iPad bei einem Wechsel vom Schreibtisch in den Konferenz-Raum, in den Zug, ins HomeOffice wechselt einfach sperren und wieder entsperren und dann einfach weiterarbeiten kann. Dieses kann zwar auch bei PC-Betriebssystemen Windows / macOS / Linux erreicht werden, dieses ist jedoch häufig dann doch nicht der Fall.
Mein persönliches Fazit
Aus meiner Sicht stellt das iPadOS Betriebssystem weniger die Grenze der Usability eines iPads dar, als der Wille der App-Entwickler auf die jeweiligen Besonderheiten und Bedienkonzepte der genutzten Plattform einzugehen.
Ich gebe zu, dass ich mich regelmäßig darüber ärgere, dass manche App Entwickler Betriebssystemenfunktionen die es den Anwendern leichter machen würden auch nach mehr als 10 Jahren nicht adaptieren (beispielsweise die mit iOS 9 eingeführte Möglichkeit der Tastaturkurzbefehle), was dann vermutlich daran liegt, dass die Entwickler häufig an das iPhone anstatt auch an das iPad bei der Entwicklung denken.