WeChat (China), Max (Russland) — was bekommen wir (EU)?

FYI: Don’t Trust the Super-App: A Case Study of Russia’s Max

Ergänzend hierzu: https://www.heise.de/hintergrund/Digitaler-Totalitarismus-Wie-Russlands-App-Max-zur-Ueberwachungswaffe-wird-11459403.html

Da die schweizerische (oder wars Österreich?) Varriante (OpenSource und unter der Berücksichtigung von Datenschutz) lieber als Überwachungs- und Kontrollinstrument zerrissen wird, wohl eher die ungarische Variante (ClosedSource, Wirtschaftsunternehmen), die unterm Radar bleibt, aber Vorbild für EU-Evaluierungen ist. Da kann man nur hoffen, dass Einerseits Aktivisten ignoriert werden und Andererseits die EU sich an ihre eigenen Open Source Ideen hält.

Mir ist ehrlich gesagt egal, ob ich open-source oder closed-source kontrolliert und gegängelt werde.

Wenn mir einer einen Baseballschläger über den Schädel zieht, frage ich auch nicht, ob das Holz aus nachhaltigem Anbau stammt.

Von „open-source“ und „Datenschutz“ fühle ich mich da eher verhöhnt.

Da nicht zu entscheiden ist, ob der Baseballschläger kommt, ist mir der aus Schaumstoff lieber, als der aus Titan (um bei komischen Relativierungen zu bleiben).

Ok, ich erkläre dir die Analogie:

Diese App kann dich vollständig kontrollieren, dir alle deine Rechte wegnehmen, den Zugriff auf dein Bankkonto, die Möglichkeit Essen zu kaufen oder zu reisen. Völlig egal, ob sie open source oder closed source ist.

Der Baseballschläger kann deinen Schädel spalten. Völlig egal, ob das Holz nachhaltig angebaut wurde oder nicht.

Schaumstoff würde den Effekt des Schlägers ändern. Open-source ändert überhaupt nichts am Effekt der App.

In China und Russland. Hier wird noch entwickelt. Aber gut, dass du die Zukunft genau kennst.

Danke!

(1234567890)

Bei uns wird der Schläger natürlich aus Schaumstoff sein, schon klar.

Man kann entweder in der Sache argumentieren, oder du deine persönliche Ansichten stetig wiederholen, die im Grunde angstbesetzte Dystopien sind. Du kannst natürlich deine Fundamentalopposition beibehalten, deine Energie darein stecken und am Ende nichts erreichen, weil die demokratische Mehrheit nunmal eine eID möchte.

Du könntest aber auch das Beste aus der Situation machen und konstruktiv sein.

Deine Dystopie verhinderst du nicht durchs inhaltsleere Wiederholen deiner Ängste. Dass es nicht so schlimm wird, wie du befürchtest, verhindert man, in dem man sich für ein Recht für analoge und barrierefreie Teilhabe erkämpft. Das ist aber eine ganz andere Baustelle.

Das, was Sie „angstbesetzte Dystopien“ nennen, könnte allerdings auch einfach Lebenserfahrung sein.

Könnte, aber wenn du dir seine Beiträge ansiehst, benennen sie immer den Worst Case einer möglichen Entwicklung. Dagegen spricht die bisherige („empirische“) Rechtssprechung unserer robusten Gerichte (BVG, aber auch auch EUGH), die freie Presse (Leaks und Recherchen), eine aktive Öffentlichkeit und zumindest auf EU-Ebene Politik, die bisher sehr viel erreicht hat und z.B. mit der weltweit Maßstäbe setzende DSGVO und dem politischen Willen zu Open Source, erstmal Pfeiler in den Boden gerammt hat.

Nur weil so gut wie alle Tendenzen derzeit ins Negative gehen, ist das kein Beweis dafür, dass hierzulande grundsätzlich alles zwangsläufig genauso schlimm wird, wie in China, Russland und den USA. Aber davon geht Lemon aber aus. Der Meinung kann er sein, aber es ist eben eine Meinung. Eine empirische Grundlage die ausreichend belastbar ist, kann ich in seinen Aussagen nicht erkennen. Eine große Furcht und Annahme des Worst Case aber schon.

Sowohl meine Lebenserfahrung als auch meine Geschichtskenntnisse sagen, dass ein vorhandenes Machtinstrument früher oder später auch als solches genutzt wird, es ist nur eine Frage der Zeit. Das gilt umso mehr, wenn auch die geopolitische Konkurrenz das tut und man selbst durch Nichtnutzung im Nachteil ist. Ich finde das vollkommen logisch und nachvollziehbar und würde in einer solchen Position womöglich genauso handeln, wahrscheinlich sogar mit den besten Absichten.

Und unterlasse es bitte, mir hier dauernd irgendwelche Ängste zu unterstellen, was soll das? Vielleicht hast du die ja selber und hältst dir deshalb so fest die Augen und Ohren zu.

PS:

Soso.

Naja, ich finde:

  • gerne Hypothesen und Vorbereitung angesichts (nicht mittels) Pessimismus
  • Handeln mittels Realismus
  • anschließendes Freuen im Optimismus

Es gibt genügend Zweck-Optimisten, Realitätsverweigerer, Opportunisten, dass man gerne mal mit der Keule des Pessimismus denken (und eventuell argumentieren) darf. Handeln kann man dann ja immer noch als Realist.

BTW: Ich glaube @Lemon ist „sie“, nicht „er“.

Und woher hast du diese Information? Du kannst das bestimmt mit belastbaren, nachprüfbaren und vor allem neutralen Zahlen und Fakten belegen. Oder hat dir das nur der Fernseher gesagt?

So ist es, man muss den worst case erst einmal ausformulieren können, um eine Strategie entwickeln zu können (um darin zu überleben oder ihn zu verhindern, je nachdem).

:smiling_face_with_sunglasses:

@Lemon
Ich kann nur auf das Bezug nehmen, was du schreibst. Das sind in der Regel ganz allgemeine Annahmen und ein daraus resultierender Worst Case.

Vor deinem Edit, hast du geschrieben, dass du annimmst, dass eine Waffe als auch als Waffe genutzt werden wird. Halte ich nicht für unwahrscheinlich, aber letztendlich haben wir trotz Wiederbewaffnung bisher weder Frankreich noch Polen überfallen. Darum ist die entscheidende Frage, wie setzt man eine Waffe ein und unter welchen Regeln.

Du beschreibst häufig Mittel die richtiger Weise für den Worst Case geeignet sind. In der Regel habe ich dem auch nie widersprochen. Ich störe mich an der Zwangsläufigkeit (die ich nicht untermauert sehe) und gehe davon aus, dass unsere Gesellschaft es schafft, für vorhandene Mittel wirksame Kontrolle (aka Macht- bzw. Willkürbegrenzung) einzuführen.

Aber im Grunde geht es mir auch nicht darum, dass du ein Worst Case beschreibst bzw annimmst. Wenn du sagst, die eID ist ein sehr wirksames Mittel für einen Unterdrückungsstaat, dann gebe ich dir Recht. Wenn du aber schreibst, man muss einen eID grundsätzlich verhindern, damit kein Unterdrückungsstaat entsteht, dann sage ich eben, dass schafft er auch ohne eID und von eID zu Überwachungsstaat ist ein weiter Weg, den man konstruktiv beeinflussen kann. Darum sage ich, die schweizer Variante ist die mir bekannte beste Variante und sollte unterstützt und weiterentwickelt werden, damit diese Variante sich durchsetzt und nicht die ungarische Variante, weil die eben technologisch wie praktisch viel näher an deinem Worst Case liegt und verhindert gehört.

Daher lieber in die Zitrone beißen, als ins Säurebad springen.

Ich finde es nicht gut, dass du eine (vermeintliche) Aussage von mir wiederholst, die zu dem Zeitpunkt bereits gelöscht war. Ich habe den Satz aus einem Grund gelöscht (und das, was du schreibst, war auch gar nicht mein Punkt, obwohl man es zugegebenermaßen so interpretieren konnte - deshalb hatte ich es ja gelöscht).

Später mehr zum Rest.

Später:

Nochmal meine Position: Die eID in Kombination mit CBDC ist eine so krasse Umverteilung von Macht, dass unsere demokratischen Checks and Balances nicht mehr ausreichen werden. Das kann trotzdem lange Zeit gutgehen, aber es ist dann letztlich eine Sollbruchstelle.

Die entsteht einfach daraus, dass ich keine zeitliche Prognose abgebe. Was möglich ist, wird halt irgendwann von irgendwem gemacht.

Aber wenn du das so siehst, dann folgt daraus doch nicht:

Wir sollen etwas unterstützen, das nicht in unserem Interesse liegt, weil es sonst noch schlimmer kommen wird?

Und du hältst mich für pessimistisch…

Ich mach mal den Spielverderber. Welche APP verhindert das Wachstum eines Obstbaums? Welcher Tyrann hindert mich daran, vom Obstbaum zu essen? Wer kann das natürliche Recht auf persönliche Unversehrtheit dauerhaft ignorieren?

Sic! Diese Aussage gehört in Stein gemeißelt.

Vielleicht schauen wir jetzt alle mal kollektiv auf’s Display und überlegen uns, welches wohl das Machtinstrument sein könnte. :wink: