Wechsel von GrapheneOS zu Linux. Fragen zu Soft-/Hardware

Seit meinem Abschied von Apple nutze ich nur ein Pixel Tablet mit Graphene. Da ich aber gerne ein bisschen mehr Power und Programme (für Bildbearbeitung, Videoschnitt und eventuell mal ein Spiel) hätte überlege ich jetzt auf einen Linux Laptop umzusteigen.
Da das für mich absolutes Neuland ist hätte ich ein paar Fragen dazu und würde mich über Hilfe freuen.

Distro: Welche würdet ihr empfehlen? Wichtig ist mir natürlich Datenschutz/Privatsphäre. Optik eher Apple als Windows :slight_smile:
Lese mich gerade mit Büchern in das Thema ein. Habe mir mal openSUSE (Tumbleweed) und secureblue rausgeschrieben, aber bin wie gesagt noch ganz am Anfang.

Folgende Apps nutze ich aktuell mit GOS und würde ich gerne auf dem Linux Notebook auch nutzen: K9, KeepassDX, Molly, Threema, Mullvad, Filen.

Für Musik/Videos nutze ich Metrolist & PipePipe. Könnt ihr mir da vergleichbare (funktionierende) Apps für Linux empfehlen?

Was ich bei GOS sehr schätze ist dass man Apps die Berechtigungen (v.a. Netztwerkzugriff) entziehen kann. Geht das bei Linux auch so einfach? :slight_smile:

Am schwersten tue ich mich mit der Hardware weil ich nicht einschätzen kann welchen Prozessor/Arbeitsspeicher/Grafik ich brauche um Fotobearbeitung (RAW), Videoschnitt (1080) und vielleicht mal das ein oder andere Game (RedDeadRedemption2/Indiana Jones) in akzeptabler Qualität zu nutzen.
Gehe mal von mindestens 16GB Ram und einer extra Grafikkarte (nicht onboard) aus, oder?

Da ich leider ein Neugerät brauche schaue ich mich aktuell bei ixsoft um, bin aber offen für andere Händler(vorschläge)! Da es erstmal ein „Versuch“ sein soll wie gut ich mich mit Linux anfreunden kann soll der Laptop natürlich so günstig wie möglich sein :slight_smile:

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Ich benutze Debian auf einem Thinkpad. Gibt nichts besseres :wink:

16GB ja ok, eine dGPU möchtest du ehr nicht.

Gnome!

Nicht ganz, auch nicht wirklich nötig, wenn du mich fragst.

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16 GB RAM und mehr sind super. Alles andere ist egal. Wir haben hier 10-15 Jahre alte Laptops und PCs mit Linux und Bildbearbeitung ist eh kein Problem. Videoschnitt mache ich auf Kdenlive oder Blender auf den alten Möhren.
Das aktuelle Davinci Resolve habe ich nicht zum Laufen gebracht, das ist mit Linux etwas spezieller. Falls du das für Videoschnitt nutzen wolltest, kannst du ja mit diesen Blogeintrag von tuxoche einsteigen. Außerdem habe ich mir abgespeichert, dass man unter Linux eine dezidierte Grafikkarte für Davinci braucht, kann es jetzt aber nicht mit Sicherheit sagen.
Auch Blender läuft in der neuesten Version nicht mehr auf den alten Geräten.

Heißt, wenn du eh nur ein neues Gerät willst, sollte alles kein Problem sein. Letzten Endes wird der größte Flaschenhals Videobearbeitung sein und da hängt es davon ab, wie groß deine Projekte sind. Funktionieren wird es auf alle Fälle, es ist immer nur eine Frage, wieviel Zeit man zum Rendern hat.
Laptops sind ja immer ein Kompromiss aus Leistung und Akkulaufzeit und natürlich auch, wieviel Geld du investieren willst.
Für die Regelung des Netzwerkzuganges würde ich Opensnitch oder Portmaster als Firewall empfehlen.

Welche Distro wurde ich ja schon ausführlichst diskutiert. Halte ich persönlich allerdings auch nicht für besonders wichtig. Du hast die Hardware, schaust, ob deine Linuxdistro darauf mit deinen Peripheriegeräten und deinen gewünschten Programme ohne Gefrickel läuft. Wenn nicht installierst du die nächste Distro.
Ich bin mit dem vielgeschmähten Ubuntu mit Gnome glücklich. Als ich mit Linux angefangen hatte, lief bei mir erst CentOS, hatte aber immer wieder Zicken gemacht. Am problemlosesten lief Ubuntu und bin seitdem dabei geblieben. Unter Einstellungen gibt es den Punkt Datenschutz „Absturzberichte an Canonical schicken“, den du mit einem Klick ausstellen kannst. Ansonsten wüsste ich nicht, was eventuell meine Privatsphäre tangieren sollte und selbst dabei stellt sich die Frage, ob man mit anonymisierten Daten die Entwickler unterstützen sollte oder nicht.

K9 entspricht Thunderbird, KeepassDC entspricht KeepassXC, Molly weiß ich nicht, ich habe Signal und Threema von deren Webseite und auf dem Rechner die Signal und Threema Desktopapp, Mullvad nutze ich nicht (da ProtonVPN), dürfte aber kein Problem sein, Filen läuft auch als App. Für Musik habe ich Shortwave als Internetradio. Für Musik kannst du dir Olivia, Mellowplayer, Freetube anschauen.

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Zum Thema Distro: meiner Erfahrung nach tendieren auch milde experimentierfreudige Personen am Anfang zum Distro-Hopping. Ich persönlich finde das auch nicht verwerflich, sondern lustig. Warum nicht austoben, wenn es soviel Auswahl gibt?

Nach einem Distro-Tipp gefragt antworte ich normalerweise, dass ich fast den Desktop wichtiger finde als die eigentliche Distro “darunter”. Sehr pauschal gesagt: Gnome mag, wer es clean mag, Menüs nicht vermisst und auch mal gerne in Hamburger-Menüs stöbert. KDE mag, wer gerne viele Einstellmöglichkeiten hat. Cinnamon mag, wer es eher traditionell mag und nicht viel herumstellen will. Dann gibt’s natürlich tausend andere, teils sehr schlank und einfach. Cosmic kommt auch gerade hoch und ich finde es eine sehr vielversprechende Mischung und komplett in Rust geschrieben. Könnte für die Bedienung ohne Maus auch interessant sein.

Bei den Distros kann man erstmal ganz grob überlegen, ob man eher was mit Major Releases will oder eine Rolling-Distro. Ersteres verspricht Stabilität und keine großen Sprünge bis zum Release-Wechsel, bei zweiterem bist Du tendenziell immer vorne dran wenn es um neue Versionen von Software geht - allerdings gibt es hier auch eher konservative Ansätze wie z.B. bei Manjaro, wo nicht gleich bei Erscheinen alles von “Upstream” übernommen wird, sondern erstmal in Unstable und Testing ausprobiert wird.

Ich persönlich “hänge” so seit ein paar Jahren bei Manjaro KDE fest und bin sehr happy damit. Andere Mitglieder im Haus haben auch Linux Mint und auch damit gibt es sehr wenige Probleme.

Eine in letzter Zeit oft geführte Grundsatzdiskussion ist die Sache mit Wayland, das nach und nach X11 ersetzt und damit einerseits manche ältere Software zerbricht, andererseits u.a. so Nettigkeiten wie besseres “fractional scaling” mitbringt, also feinere Einstellmöglichkeiten bei höheren Bildschirmauflösungen.

Mein Tipp: einfach starten, ausprobieren und wenn es nicht taugt, auf zum nächsten Test. Daten und Einstellungen der Software sind ja schnell gesichert und wieder zurückgespielt, so dass das normal nicht schwierig sein sollte.

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Eigentlich gebe ich Neulingen immer denselben Tipp: Ausprobieren!

Ich würde dir eine “fertige” Distribution empfehlen, also z.B. kein Archlinux, kein Gentoo etc.

Da du sicher nichts dagegen hast, dass dein Linux-System so sicher wie möglich ist, fang doch mal bei SecureBlue an. Ich habe es auch mal ausprobiert, aber ich bin mein schlankes System zu sehr gewohnt, SecureBlue war nichts für mich, aber du bist unvoreingenommen.

Falls dir das System nicht taugt, dann lässt am besten auch die Finger von Fedora, weil SecureBlue ja darauf aufbaut. Was du in dem Fall als nächstes ausprobieren solltest, kann ich nicht empfehlen, weil ich bei den “fertigen” Distributionen keinerlei Erfahrungswerte (mehr) habe.

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Danke schonmal für die ganzen Antworten!
Gerade kam mir die Idee dass ich mein altes MacbookPro (2013) nutzen werde um mit Linux zu starten.
Im Internet bzw auf Youtube nutzen die meisten Ubuntu auf ihren alten Macbooks.
Mir schwebt eher Debian (oder ZorinOS) vor. Hat hier jemand Erfahrungen damit?

Wie schon geschrieben, probiere es einfach aus - das schöne an Linux ist ja das man ziemlich easy verschiedene Distros erstmal testen kann. Da du aber auch Gaming machen möchtest würde ich mich da jetzt nicht auf irgendwas mit Debian versteifen, im Gamingbereich ist bei Linux tatsächlich ordentlich Bewegung drin, und Debian ist halt….sehr konservativ und z.b. beim Kernel eher Jahre als Monate in der Entwicklung hinterher.

Vielleicht hilft dir der c’t-Linux-Netzplan weiter.

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Ich persönlich mag Ubuntu nicht, weil ich snap nicht mag. Weder die Idee noch die Implementierung. Allerdings wirst Du hundert Leute finden, die Dir genau das Gegenteil sagen. Linux Mint gibt es in einer Variante, die auf Ubuntu basiert und einer, die auf Debian basiert. Beide unterstützen nur Flatpak (was ich persönlich auch nicht brauche aber mag es lieber als snap).

Das MBP von 2013 dürfte nicht super schnell sein und meine Erfahrung ist, dass dann Cosmic nicht so toll läuft, sonst hätte ich Popos vorgeschlagen. Aber teste mal LMDE (Linux Mint Debian Edition) und Manjaro KDE. Die beiden verwende ich und mag sie sehr. Beide haben auch eine tolle und hilfreiche Community.

Letztendlich ist es fast egal, mit welcher Distribution man startet, der Punkt ist, das man überhaupt wechselt/beginnt. Und da hat dann jeder seine Lieblings Distro, die er gerne empfiehlt. Ich würde KDE Neon bevorzugen, da ich das auch selber nutze. Zu den Apps, da sind die Vorschläge der Distribution meist ausreichend und der zwangsweise Versuch genau die „Eine“ App auch in Linux zu haben, erschwert den Umstieg. Letztendlich ist der Verwendungszweck der App oder des Programm entscheidend, das Aussehen ist von einem kleinen Smartphone Bildschirm auf einen großen Laptop oder PC Bildschirm schon ein unterschied.

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Na dann läuft Debian doch auch.

Hier wird Linux Mint LMDE 7 auf einem Macbook von 2011 genutzt und läuft für Alltagsaufgaben sehr gut.

So, habe jetzt mal Debian installiert. Läuft soweit auch gut und flüssig, lediglich wird mir kein Wifi-Symbol angezeigt. Ich bin per Ethernetkabel im Internet, bräuchte es also nicht zwingend aber würde natürlich gerne wissen ob es „im Hintergrund angeschaltet“ ist und dadurch Akku verbraucht (Ist das möglich)?!

Im „Appstore“ sind quasi keine der Apps die ich gerne hätte und ich glaube ich muss mich jetzt erstmal richtig mit dem Terminal, Flathub & Co. auseinandersetzen :slight_smile:

Ich denke Du musst die entsprechenden Broadcom-Treiber installieren, sonst läuft das Wifi nicht. broadcom-sta-dkms heißt das Paket glaube ich, bin aber nicht sicher!

Ja der Store :slight_smile:

Man installiert mit apt im Terminal. Ich würde zu Anfang auf Fremdquellen und oder flatpak verzichten.

https://wiki.debian.org/de/FrontPage

Welche Programme fehlen denn?

Das ist Ansichtssache. Im Terminal bekommt man keine Übersicht der Programme und deren Funktionen, um später bestimmte Sachen nachträglich zu installieren ist das Terminal aber sicher gut.

Jo. Wir müssen ja erstmal hören, was genau fehlt oder gesucht wird.

Unabhängig von einem/dem(?) Store oder apt kannst Du hier nach Paketen suchen: https://www.debian.org/distrib/packages#search_packages

Das ist aber auch ehr für Debian Profis gedacht, einen „Umsteiger“ ohne Erfahrung wie das funktionieren soll, ist das nicht nützlich. Es schreckt doch mehr ab, da ist der Store mit GUI, wo die Programme beschrieben werden im ersten Augenblick sicher sinnvoller, las die such nach Paketen die irgendwelche kryptischen Namen haben, meiner Meinung nach.

Ja, kann schon sein…

Ich weiß ja nicht, welchen Store er benutzt hat (und damit offensichtlich nicht ganz zufrieden war). Unter meinem Linux (openSUSE) gibt es theoretisch mehrere Stores (mit entsprechenden Vor- und Nachteilen). Und natürlich ein Pendant zu apt. Und eben eine Suche im Internet per Browser. Von der wird allerdings oft abgeraten, weil sie etwas buggy ist (und derzeit — und vermutlich bis auf weiteres! — nicht gepflegt wird, leider leider).

Ich selbst habe keine Ahnung, welchen Store es unter Debian gibt (oder auch Plural). Daher nur der Hinweis. Ich persönlich nutze diesen und entsprechende Services von anderen Distributionen, um Versionsstände (und eventuell Build-Settings, siehe z.B. CachyOS oder Void Linux) von verschiedenen Distributionen untereinander zu vergleichen. (Dabei kann man dann z.B. feststellen, dass Debian als „gut abgehangen“ gilt, manche Sachen aber eben doch aktuell sind.)