im Zuge der etwas angespannten Situation bzgl. Android stehe ich selber gerade vor einer Grundsatzentscheidung.
Derzeit wird ja von Google die Play Integrity API vorangetrieben, welche Apps vor „betrügerischen“ Nutzern schützen soll. Dabei wird nach den privilegierten Google Play Services gefragt bzw. der „Zertifizierung“ von Android-Geräten. Dies führte bereits dazu, dass unterschiedliche Apps (z.B. diverse Banking-Apps oder seit neustem die Volkswagen App) auf GrapheneOS nicht mehr funktionieren. Es ist zu erwarten, dass weitere Apps noch folgen.
Ich habe ein Pixel 6, dessen Support in Oktober diesen Jahres endet. Daher stehe ich irgendwie vor einem Dilemma und weiß gerade nicht, was der beste Weg ist. Auf der einen Seite würde ich gerne bei GrapheneOS bleiben. Jedoch wird - meiner Meinung nach zumindest - eine sehr lange und riskante „Wette“ damit eingegangen: Es wird darauf gewettet, dass in den nächsten 6-7 Jahren alle Apps einwandfrei funktionieren ohne Einschränkung oder gar komplette Blockade seitens des App-Entwicklers oder Google. Auf der anderen Seite würde ich gerne die Gewissheit haben, dass die Apps, die ich brauche, auch noch funktionieren in den nächsten Jahren.
Ich komme um die Verwendung diverser Datenschleuder-Apps bis auf weiteres nicht drumherum. Daher wäre ich regelrecht dazu gezwungen diese „Wette“ einzugehen, wenn ich weiter auf GrapheneOS setze. Oder ich gehe zu iOS, da ist das Betriebssystem selber im Bezug auf Datenschutz nicht das Gelbe vom Ei, aber immer noch besser als Google’s Android zumindest. Und vor allem: Ich weiß, dass meine Apps dort auch funktionieren.
Ich weiß daher nicht, was der bessere Weg hier ist und würde gerne nach Meinungen hier fragen.
Auch ich kann Dir nicht sagen, wie es weitergeht, allerdings würde ich mich nicht davon abhalten lassen, weiterhin GrapheneOS zu nutzen.
Was kann Dir schlimmstenfalls passieren, wenn Du Dir wieder ein GOS-Pixel zulegst? Falls es wirklich irgendwann nicht mehr für Deine Nutzung passen sollte, wirst Du es immer noch gut los und kannst dann immer noch wechseln – das wäre eine Wette mit recht geringem Verlust, wenn Du sie wirklich verlierst…
Ich hab ein 6a, daher steht nur das auch bald bevor. Allerdings werde ich definitiv kein iPhone kaufen, daher ist es nicht ganz vergleichbar.
Dennoch stimme ich @luposgerus voll zu. Das wäre auch für mich an deiner Stelle der beste Weg.
Es ist aber ein absolut valider Punkt, den du hier als Sorge formulierst! Genau das ist der Punkt, den Google gerade aufmacht und das eigentlich doch ohne große Not.
Meine Einschätzung dazu - vor der gleichen Frage stehend:
Stell’ einfach folgende Überlegung an: Was würde passieren, wenn alle oder eine deutliche Mehrheit resigniert?
Dann hat Google in jedem Fall gewonnen und alternative ROMs wie GrapheneOS verloren.
Für mich habe ich entschieden, die Wette einzugehen. Zumal sich zumindest ein Großteil der Einschränkungen umgehen lässt:
über die Installation via ADB
über den Webbrowser (z.B. Banking)
Zudem würde ich den Ärger nicht unterschätzen, den sich Google noch einhandeln wird - auch große Monopole oder Staaten sind wegen Übermut untergegangen. Hope that helps …
Wie bereits gesagt: Den Zugriff auf wichtige Apps zu verlieren, wenn die Bank oder Ähnliches (z.B. Bahntickets oder Chat-Plattformen) nach einem Update nicht mehr funktionieren und man dann vor einer „geschlossenen Tür“ steht.
Ich behaupte mal jetzt dreist (konnte jedenfalls nichts repräsentatives finden dazu): Die Mehrheit hat bereits „resigniert“ ohne wirklich zu „resignieren“. Der Grund: Der Großteil aller Android-User bekommt von der ganzen Situation nichts mit. Sie benutzen regulär ihre Apps aus dem Play Store mit Google’s Android und haben wahrscheinlich nicht einmal eine App außerhalb des Play Stores installiert. Für die meisten wird sich also ab September nichts ändern und werden nicht merken, dass sich überhaupt was geändert hat.
Oder zusammengefasst: Google hat - leider - eine Chance dies zu gewinnen. Die meisten werden von ADB nichts gehört haben und schon gar nicht eine Kommandozeile anfassen.
Dass sich Google noch Ärger einfängt deswegen glaube ich erst wenn ich’s sehe. Vor allem aufgrund der derzeitigen hitzigen/angespannten Situation schon erst gar nicht mit „ihr wisst schon wen“.
Auf die EU-Kommission würde ich jedenfalls nicht hoffen. Bei der Initiative „Stop Killing Games“ (ja, ist Off-Topic etwas, spiegelt jedoch etwas ähnliches wieder) meinte die Kommission sinnesgemäß: „Nö, machen wir nichts dazu weil denkt doch bitte einer an die Publisher und ihr Recht auf geistiges Eigentum! Hat zwar nichts mit dem Ziel der Initiative zu tun, aber egal~“
Ich entschuldige mich, wenn das alles sehr zynisch klingt. Nur die Hoffnung ist bei diesen Menschen nicht mehr existent.
Ich bin iOS Nutzer und kann daher nicht abschätzen, wie problematisch die beschriebene Situation werden wird.
Ich halte iOS für das bessere System für Benutzer die wenig Basteln und nach Lösungen suchen haben wollen. Andererseits generierst Du natürlich bei einem Systemwechsel ggf. auch große Aufwände, wenn Apps und Lösungen die Du aktuell nutzt nicht 1 zu 1 unter iOS Verfügbar sind und Du erst neue Lösungen finden und Daten migrieren musst.
Wenn Du heute ein in Google Pixel für GrapheneOS investierst und in ein oder zwei Jahren vor dem erwarteten Dilemma stehst, dass eine für Dich wichtige App nicht mehr funktioniert, hast Du aber in jedem Fall noch zwei Möglichkeiten
Das Google Pixel auf Stock-Android zurücksetzen und weiterbenutzen
Das Google Pixel für einen vermutlicherweise noch guten Kurs weiterzuverkaufen und dann auf ein iPhone zu wechseln.
Ich persönlich würde daher vermutlich erst einmal auf dem Google Pixel / GrapheneOS Pfad bleiben, den Plattform-Wechsel vermeiden und erst bei wirklich aufgetretenden Problemen die Entscheidung fällen. Im Zweifel muss es dann zwar ggf. schnell gehen (wegen Produktionsausfall einer bestimmten App), aber erst einmal verbaust Du Dir meiner Ansicht nach mit dem Kauf eines neuen Google Pixels nichts.
Ich bin die Wette von iOS kommend auch gerade eingegangen. Nachdem ich in den letzten Monaten alles aus der Cloud auf meine eigene Umgebung gezogen habe, war das Pixel 10 mit Graphene der einzig logische letzte Schritt. Klar hab ich auch drüber nachgedacht, was passiert wenn. Naja, dann kann ich noch Alternativen auf Graphene suchen oder dann immer noch das Pixel wieder verkaufen und wieder auf iOS gehen. Aber wie auch schon andere gesagt haben, wenn alle vorab das Handtuch werfen, dann wirds sehr ruhig um unsere datenschutzfreundlichen Alternativen.
Ich würde die Entscheidung weniger als „iOS oder GrapheneOS für die nächsten 6 Jahre“ sehen, sondern als Risiko-Aufteilung. Erst sauber auflisten, welche Apps wirklich geschäfts-/alltagskritisch sind und ob es jeweils Webzugang, TAN-Generator, Zweitgerät oder Ersatzanbieter gibt. Wenn nur 1–2 Apps kritisch sind, ist ein Pixel mit GrapheneOS plus konkretem Plan B oft vernünftiger als ein kompletter Plattformwechsel aus Vorsicht. Wenn dagegen Banking, Arbeit, ÖPNV und Kommunikation alle hart an Play Integrity hängen, wäre iOS pragmatischer, auch wenn es datenschutzseitig nicht schöner ist.