Bahn- und Busbetriebe wollen Papierbillette abschaffen
Der Branchenverband für Bahn und Bus hat im Juli beschlossen, Papierbillette und Bargeldzahlungen an Automaten abzuschaffen. Den brisanten Entscheid gab der Verband bislang nicht öffentlich bekannt.
Ein Zahlungsmittel stirbt nicht am Verbot. Es stirbt an der Benachteiligung.Niemand in Brüssel wird jemals ein Gesetz beschließen, in dem „Bargeld ist abgeschafft“ steht. Das muss auch niemand. Es genügt, den Schein an genau den Stellen auszuschließen, an denen der Alltag stattfindet — am Parkautomaten, im Bus, am Amtsschalter — und ihn ansonsten teuer und schwer erreichbar zu machen. Dann verschwindet er von allein, und alle Beteiligten können ehrlich behaupten, sie hätten ihn nie angetastet.
Kann man nicht einfach das Smartphone auch mal zuhause lassen oder überhaupt keines haben, und dann Bahn oder Bus fahren, und schauen was passiert?
Schließlich ist es ja ‚öffentlicher‘ Verkehr, also nicht nur durch Ticketverkauf sondern auch von der öffentlichen Hand finanzierter und zur Verwendung durch jeden, jedenfalls aber alle Staatsbürger und Steuerzahler bestimmte Einrichtung.
Kann mir schwer vorstellen, daß das letzten Endes rechtens ist, die Benützung des öffentlichen Verkehrt von Smartphonebesitz und damit von einem rechtlich bindenden Vertrag mit einen amerikanschen Konzern zu binden und völlig davon abhängig zu machen.
Was passieren wird ist das erhöhte Beförderungsentgelt, oder wie sich das nennt. Es sind doch sogar die Behörden selbst, die die Barzahlungsmöglichkeiten immer mehr abschaffen. Der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring hat dagegen jahrelang geklagt und ist letztlich gescheitert.
Noch ein Zitat aus dem (überaus lesenswerten) Link oben:
Immerhin: Das Parlament hat in seinen Entwurf hineingeschrieben, dass bei unbemannten Verkaufsstellen der Zugang zu wesentlichen Diensten „zu berücksichtigen“ sei. Nur setzt „Zugang zu wesentlichen Diensten“ dem Wortlaut nach keine Barzahlungsoption voraus. Ein Verkehrsbetrieb könnte weiterhin darauf verweisen, dass es am Hauptbahnhof ein Kundenzentrum gibt, in dem man Mehrfahrtenkarten bar kaufen kann. Für die Haltestelle drei Dörfer weiter ist damit nichts gewonnen.
Das Zeitfenster, die gesetzliche Benachteiligung des Bargelds noch zu verhindern, schließt sich gerade. Aktuell läuft dazu noch eine Petition. Der Link oben enthält noch weitere Tipps, was man unternehmen kann, inkl. ein Musterschreiben an Abgeordnete.
PS: Sorry @Jason , das bezieht sich gerade auf die Situation in der EU (der sich die Schweiz allerdings mehr und mehr anzuschließen scheint). Bei Interesse mache ich dazu gerne einen extra Thread auf, um deinen hier nicht zu klauen.
also eine Strafe für Schwarzfahren
Den Strafbescheid müßte dann halt mal wer beeinspruchen und den ganzen Instanzenweg durchleiden, der wirklich kein Smartphone hat und das auch beweisen kann. Gibt’s so jemanden noch?
Genau, aber zu so einer Mitführpflicht kommt es de facto bei solchen staatlichen Vorgangsweisen, bzw, die Infrastruktur Bahn ist ja heutzutage privatisiert, aber der Staat hat imho hier eine Schutz- und Fürsorgepflicht. Solche Verträge kann von mir aus der Online-Händler XY machen, bei dem ich ja nicht kaufen muß. Aber ein lebensnotwendiger Infrastrukturbetrieb sollte das weder machen noch dürfen. Das Mitführen eines Handys kann massiv in die Privatsphäre eingreifen und die DB-App, über die im Kuketzblog und auch anderswo ja wiederholt berichtet wurde, tut das nachgewiesenermaßen. Ich finde das nicht in Ordnung.
Ähnliches gilt natürlich für Kreditkarten bzw. sonstige Bankkarten. In Basel kann man Nahverkehrstickets nur noch elektronisch bezahlen. Für die sich dem Fortschritt Verweigernden und andere Ewig-Gestrigen (man muss jetzt ja „Ironie“ sagen sonst verstehts wieder jemand nicht) gibt es dann die Möglichkeit sich eine eigens dafür erfundene wiederaufladbare Prepaid Plastikkarte zu besorgen.
Ähnliches in Paris und anderen französischen Städten, stets unter dem Vorwand des Umweltschutzes. Ist natürlich viel besser wenn sich jeder ecuadorianische Touri, der einmal im Leben in Paris ist, sich zum Andenken einen Navigo Easy Pass in sein ecuadorianisches Regal stellt. Fragt sich nur: für wen. Für die Umwelt? Weit gefehlt: für den RATP. Die Kärtchen kosten 2€, bei den Touristenzahlen (50+ Millionen p.a.) mit 2€ extra pro Tourist muss man schon ein Schelm sein, um dahinter kein Kalkül zu vermuten.
Ich hab jedenfalls schon ein Sammelmäppchen mit den Karten aus Paris, Lyon, Marseille und Toulouse. Ich freue mich auch schon drauf, bei meinem nächsten Besuch in einer dieser Städte meine jeweilige Karte (a) panisch zu suchen, dann (b) zu vergessen, und dann (c) für weitere 2€ eine neue zu kaufen. Alles der Umwelt zu liebe.
Also auf die 2 Euro würde es mir da auch nicht ankommen. Eine Paris- oder Baselreise kostet doch ein bißchen mehr. Wenn Prepaid-Plastikkarte also doch möglich ist, dann bin ich eigentlich zufrieden.
Mir geht es darum, beim Gebrauch eines Handys und derartiger Apps nicht mit Google per Nutzungsbedingungen ‚verheiratet‘ sein zu müssen, wegen dem allgemeinen Datenabfluß. Und derartige Apps hängen immer mit Google Services zusammen und funktionieren nicht verläßlich auf entgoogelten Handys bzw ohne Play Services, weil das den Entwicklern eine Menge Entwicklungsarbeit erspart.
Das war so gemeint, dass du keinen Kläger brauchst, der nachweisbar kein Smartphone hat. Es reicht vollkommen, kein Smartphone mitführen zu wollen.
Ich kenne diese Prepaid-Karten aus London und finde es ganz gut. Vor allem, dass das System automatisch die günstigste Variante ausrechnet und nur die abbucht, macht es sehr einfach benutzbar. Man kann einfach fahren und muss nicht rechnen.
Allerdings weiß ich nicht, ob es auch bei ermäßigten Tickets und Zeitkarten (zB Schülermonatskarten) eine anonyme Variante gibt, wahrscheinlich nicht.
Ist aber im kameragespickten London vielleicht auch schon egal…
Du verlinkst zu Paul Brandenburg als Autor, der das aber gar nicht geschrieben hat.
Außerdem ist das die beste Übersicht zum Thema, die sich im Netz finden lässt, mit einer langen Liste an Quellen und Rechtsgrundlagen.
Wenn du was ähnlich gutes findest, kannst du das gerne hier posten, ich mache mir die Mühe jetzt nicht nochmal.
Aber vorher bitte nachsehen, ob Wikipedia dir das lesen auch erlaubt.
Der, der das geschrieben hat, „Mike the Pirate“ als selbsterklärter Libertärer und Berater in allen Belangen „ohne akademisches Blabla“, wirkt nun aber auch eher minder seriös.
Viel Blabla ist übrigens die andere Selbstbezeichnung als „Freibeuter gegen Repression“, wenn man sich mal informiert, was Freibeuterei bedeutet:
" Als Kaperei bzw. als Freibeuterei werden Gewaltakte und Plünderungen auf See von dazu staatlich beauftragten privaten Seefahrern bezeichnet."
Ist er nun libertär oder staatlich beauftragt? Ich bin verwirrt.