Smartphone ohne SIM-Karte nutzen !?

Habe gerade ein paar Videos von Leuten gesehen die ihre (GrapheneOS) Smartphones ohne Sim karte nutzen und mich gefragt welche Einschränkungen das in meinem Alltag bringen würde.

Klar, klassisches telefonieren wäre dann unterwegs nicht möglich. Da könnte man sich nur mit einem Messenger helfen wenn man ein freies Wlan findet… Signal wäre ohne Nummer ja dann raus, aber Threema wäre möglich.

Aber was wenn man irgendwo (Behörde, Arzt, Bestellung,…) eine Telefonnummer angeben muss?

Und welche sonstigen Einschränkungen/Probleme könnten noch auftreten wenn man komplett auf eine Sim bzw Telefonnumer verzichtet?

Du kannst das Handy ohne SIM-Karte sehr weitgehend als Taschencomputer nutzen. Ich mach das auch so, weil ich habe zum Basteln und Experimentieren eine ganze Menge alte Handys, aber nur 2 SIM-Karten, wovon eine im Router steckt.

Die diversen Bastelhandys funktionieren eigentlich alle gut, außer natürlich SMS und Sprachtelefonie.

edit: Wenn du wirklich komplett auf jegliche SIM Karte verzichtest, kannst du das Ganze natürlich nur mehr zu Hause betreiben am Festnetz-Internetanschluß mit deinem WLAN. Fremde oder gar öffentliche WLANs würde ich nicht benützen. Das halte ich für viel unsicherer als eine SIM-Karte zu haben. Das Ding muß ja nicht ständig eingeschaltet sein, außerdem gibt es auch einen Flugmodus.

Ich habe seit anderthalb Jahren ein Smartphone mit Custom ROM ohne SIM-Karte. Dort ist Threema drauf, ein Feedreader, ein Mailclient mit einer Mailadresse von Mailbox.org, die ich bar bezahle und nicht mit meinen Freunden/Bekannten teile (die sie auf ihren Datenschleudern mit mir verknüpfen könnten). Den Browser benutze ich ungern, da hab ich lieber meinen großen Monitor und eine 10-Finger-Tastatur. Anderes Zeugs wie Musikhören oder Navigation brauche ich nicht.

Ich war damit sogar schon in Südamerika. Konnte es halt nur dann nutzen, wenn ich auf dem Flughafen bzw. in der Bahn bzw. im Hotel WLAN hatte. Man könnte das WLAN nutzen, um mit einem VPN auf die heimische Fritzbox zu tunneln, dann ist es nicht mehr so unsicher, wie mein Vorredner schreibt.

Natürlich gebe ich durch mein heimisches WLAN, in dem sich mein Smartphone meist aufhält, auch etwas über mich preis, aber immerhin serviere ich meine Daten nicht auch noch kostenlos auf dem Silbertablett. Zudem ist mein Smartphone auf Android 16 - mein altes “Smartphone”, das ich mit SIM-Karte immer nur als Telefon betreibe, erhält seit Jahren keine Updates mehr.

Niemand wird sich durch öffentlich verfügbare Techniken unsichtbar machen können und das ist ja auch nicht das Ziel unserer Bemühungen. Unsere Beziehungen zu anderen Menschen und deren unsicheren Geräten sind immer eine Schwachstelle. Es ist aber ein großer Unterschied zwischen “datensparsam” und “gedankenlos”.

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Ich habe eine Zeit lang versucht, ohne SIM-Karte bzw. ohne Mobiltelefonnummer auszukommen, was allerdings mehrere Probleme hatte.

Selbst wenn Du damit einverstanden bist, dass man Dich nicht telefonisch erreichen kann, besteht immer noch das Problem, was Du in bspw. einem Abschnitt eines Landes oder im Ausland machst, wo kein WiFi momentan Dir zur Verfügung steht. Zumindest das “Backup” von mobile Daten zu haben, ist sehr angenehm.

Wenn ich mich richtig erinnere, hat der KuketzBlog im Sommer letzten Jahres eine Artikelreihe begonnen zur möglichst datenärmeren bzw. gar anonymen Nutzung einer Mobilfunknummer in Deutschland: https://www.kuketz-blog.de/einleitung-und-tipps-wegwerfnummern-teil-1/

Die einzige Möglichkeit, die mir eine gute Zwischenlösung schien und ich persönlich auch probiert habe, war, eine eSIM eines Anbieters aus Singapur zu kaufen, die via Bitcoin bezahlt werden kann. Bitcoin kannst Du wiederum häufig bis zu einer gewissen Grenze bar an gewissen Bitcoin-ATMs erwerben. Hieraufhin kannst Du sparsam diese “anonymeren” mobilen Daten der eSIM unterwegs nutzen, aber ebenso eine weitere eSIM in GrapheneOS hinterlegen, die allerdings deaktiviert ist. Die letztere, echte Mobilfunknummer kannst Du auf Nachrichten und Anrufe (un?)regelmäßig an deiner Meldeadresse prüfen, die zum Erwerb der Mobilfunknummer ohnehin angegeben werden muss.

Ob eine eSIM “sicherer” ist als eine echte SIM kann ich leider nicht sagen. Zumindest kann niemand nach einem Diebstahl oder der Beschlagnahmung des Mobiltelefons die SIM-Karte entfernen und auslesen. Ob allerdings eSIM-Daten ebenso in GrapheneOS vor Auslesung geschützt sind, übersteigt mein technisches Wissen.

Der offensichtliche Nachteil dieses Ansatzes, ist, dass er zeitlich und finanziell deutlich aufwendiger ist, als der herkömmliche Ansatz. Bitcoin ATMs verlangen meist hohe prozentuale Abschläge, man möchte logischerweise die eSIM des Anbieters aus Singapur möglichst häufig wechseln, doch auch dieser benötigt eine gewissen Grundsumme, bevor eine Bitcoin-Transaktion überhaupt erst angenommen wird. Letzteres war, sofern ich mich richtig erinnere, ein wenig mehr als 20€, was wiederum meist eine drei-monatige Verpflichtung der eSIM beinhaltete.

Um ehrlich zu sein habe ich diesen Ansatz aufgegeben. Nicht allerdings, weil der Aufwand es mir nicht wert war, sondern, weil es finanziell nicht unherheblich war und, dem Bitcoin geschuldet, volatil ist.

Wirklich unsicher ist es heutzutage auf einem Android dennoch nicht. Wenn man nur per DoH/DoT (von einem vertrauenswürdigen Anbieter) E2E (z.B. über HTTPS) in öffentlichen WLANs, die mindestens WPA2 haben, kommuniziert, sind die größten Gefahren schonmal gebannt.
Und DoH/DoT und HTTPS solltet du nicht nur in fremden WLANs, sondern immer (auch im Mobilfunk) verwenden.

Für mich ist Deine Frage extrem offen gestellt, sodass sich schwer darüber Diskutieren lässt.
Mit welchem Ziel denkst Du persönlich über den Verzicht auf eine SIM-Karte nach?

Eine SIM-Karte liefert ja den Zugang zu verschiedensten Diensten:

  • Mobilfunk-Telefonie
  • Mobiles Internet
  • SMS / MMS Versand/Empfang
  • Ortsbestimmung bei Notrufen (vermutlich)
  • Mobilfunkrechnung als Zahlungsmittel
  • Eindeutiger Identifier für andere Dienste (z. B. WhatsApp, Signal)

die Dir dann nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn Du auf eine SIM-Karte verzichtest. Das kann je nach Deinen Bedürfnissen jeweils für Dich gut, egal oder schlecht sein.

Aber ein Verzicht könnte eben auch für den Anwender negative Nebenwirkungen der Mobilfunk-Nutzung vermeiden:

  • Werbetracking durch Mobilfunkanbieter
  • Mobilfunkrechnung als Zahlungsmittel :wink:
  • Lokalisierung / Trackiung der eigenen Person z. B. durch Polizei-Behörden

Was ist also Dein Ziel und wie würdest Du Dich kompensierend verhalten wenn Du auf eine SIM in Deinem SmartPhone verzichtest?

Beispielsweise:

  • Würdest Du den Verlust der mobilen Internet-Konnektivität dazu nutzen nur noch zuhause am privaten Internet-Router ins Netz zu gehen?
  • Würdest Du Dich eher unterwegs in viele verfügbare WLANs ÖPNV, Einkaufsläden, Arbeitgeber, … einklinken um trotz Verzicht auf die Mobilfunk Internet-Anbindung trotzdem Internet-Konnektivität unterwegs zu erhalten?
  • Würdest Du den Verzicht auf eine Mobilfunk-Rufnummer dazu nutzen, überall wo nach einer solchen gefragt wird zu sagen „Sorry, habe ich nicht“?
  • Würdest Du stattdessen die Festnetznummer zuhause angeben?
  • Würdest Du Dir vielleicht sogar eine virtuelle Mobilfunknummer ohne eigene SIM-Karte zulegen (z. B. Satellite)?

Vielleicht könntest Du ein wenig mehr ins Detail zu den Beweggründe Deiner Frage und wie Du Dir dann Deine zukünftige Smartphone Nutzung vorstellst gehen.

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Bar nützt ja nichts, wenn man sich identifizieren muss. Wo steht in DE ein Bitcoin-ATM bei dem man sich nicht identifizieren muss?

Die ganzen ATMs von Kurant - das sind wohl die meisten in DE - stehen seit Monaten still und deren Webseite sagt:

Unsere Automaten pausieren vorübergehend. Der Grund: Wir bereiten uns auf die neuen Anforderungen der EU-Verordnung MiCAR vor – mit dem Ziel, Ihnen auch in Zukunft einen rechtssicheren, modernen und benutzerfreundlichen Service zu bieten.
https://de.kurant.net/de/

Wenn man ein (vertrauenswürdiges) VPN z.B. zu seinem eigenen VPN-Endpoint (zuhause oder auf einem “Cloudserver”/VPS) nutzt, fühle ich mich ausreichend geschützt in “fremden” WLANs.

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Ich habe kein Ziel, habe mich lediglich gefragt ob es für mich eine Option wäre. Da ich sowieso fast nicht (mobil) telefoniere… Aber klar gibt es den Gedanken “was ist im Notfall” oder wo muss ich zwingend eine Telefonnummer angeben (privates Festnetz würde ich nicht rausgeben wollen) usw…

Damit kenne ich mich (noch) gar nicht aus. Gibt es dazu Erfahrungen hier?

Wenn Du nicht weißt, was Du eigentlich mit dem Verzicht auf eine SIM-Karte erreichen möchtest und auch die Videos die Du Dir angesehen hast Dir keine Idee dazu geben, würde ich sagen Du hast prinzipiell zwei Möglichkeiten:

Lass es einfach wie es ist und nutze die Mobilfunkkarte für das was Du aktuell machst.

oder

Probiere es einfach aus wie sich der Verzicht anfühlt, indem Du die SIM-Karte auswirfst oder irgendwie die mobilen Daten und die Anrufmöglichkeit einer eSIM deaktivierst.

Ich habe kein Android oder GrapheneOS, auf einem iPhone geht das über „Einstellungen“ > „Mobilfunk“ > „DIese Leitung aktivieren“ = aus

Da wir alle nicht wissen können, wofür Du Dein Smartphone einsetzt und welche Arbeitsweisen für Dich noch akzeptabel sind, kann Dir auch niemand sagen was für Einschränkungen ein Verzicht auf die SIM-Karte in Deinem Alltag mit sich bringt.

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Satellite ist gut, wenn du über WLAN telefonieren willst und deine „echte“ Nummer nicht preisgeben. Pro Monat 100 Freiminuten sind ok. Aber soweit ich weiß, wird eine vorhandene Mobilnummer vorausgesetzt (ohne Gewähr, Versuch macht kluch). Und eine böse Falle: SMS ist nicht möglich. Man kann die Nummer also nicht für die Idioten nutzen, die immer noch als 2. Faktor SMS senden.

Sipgate Satelite Free, Rufnummer von SipGate 015678- Gasse
SMS Empfang nicht möglich

Portierung vorhandene Festnetznummer zu Sipgate und Betrieb via Snom D715
Eingehende Verbindungen kostenlos