Freie Entfaltung der Persönlichkeit geht mit Verantwortung und Haftung Hand in Hand - oder nicht?

@vatolin

Zuerst ein Mal möchte ich deinen echten Namen erfahren, oder zumindest wissen, warum du dich hinter einem Nick versteckst.

Guter Punkt!

Vielleicht hätte er als Avatar kein Portrait einstellen sollen… Zumindest wenn er es selbst auf dem Portrait ist, kann ich jetzt eine Person, i.e. Profil, nämlich LinkedIn und Mastodon — und darüber wiederum weitere! —, zuordnen (Google sei Dank!). (Den konkreten Namen und eventuell weitere Angaben lasse ich aus Datenschutz außen vor.)

Der vorgenannte Absatz mal allgemein als Warnung: so schnell kann so etwas gehen…! (Und es gibt spezielle Dienste zusätzlich zu Google, die auf Rückwärtssuchen spezialisiert sind.)

Auf den Gedanken bin ich erst im nachhinein gekommen, als ich schon im Bett lag und keine Lust mehr hatte, den Rechner noch mal anzuwerfen. Es ist schon widersprüchlich, dass Vatolin hier fordert, im Rahmen der Persönlichkeit und Würde auch bei kritischen Aspekten mit Klarnamen aufzutreten, schreibt aber hier im Forum selbst unter Pseudonym. Diesen Widerspruch hätte ich gern mal erklärt.

Ja auch ich habe mittels Bildersuche einen zu diesem Avatar einen Klarnamen gefunden. War es vielleicht Absicht von Vatolin? Sozusagen halbanonym ein Portrait als Avatar zu nehmen in der Hoffnung, dass man mit den richtigen Werkzeugen ihn schon findet? Oder aber das Portrait wurde dem echten Besitzer entwendet und er weiß gar nichts davon, dass sein Portrait hier Verwendung findet. Aber das kann uns nur Vatolin selbst erklären.

Tante Edit: Und interessant ist auch, welchen Beruf diese Person ausübt und wo sie politisch verortet ist.:wink:

Okay, dann haben sich meine Gedanken bestätigt.

Ups. Keine Ahnung, warum ich meinen Namen nicht im Profil angab. Jetzt steht er dort.

Ja, besonders dieser hier: https://netzpolitik.org/2023/pimeyes-eu-koennte-gesichter-suchmaschinen-verbieten/

Vielleicht solltest Du Dich mal mit der Whistleblower-Richtlinie sowie mit den hierzu in der EU geltenden Hinweisgeberschutzgesetzen befassen. Schau Dir insbesondere mal den § 32 HinSchG an. Das Öffentlichmachen von Informationen über Deinen Arbeitgeber ist nur als ultima ratio erlaubt.

Und was ändert das jetzt an meiner Aussage? Es doch darum, dass man mit seiner Persönlichkeit einsteht und die Konsequenzen trägt. Und diese würde ich tragen müssen, wenn ich so vorgehe.

Nein. Du musst keine Konsequenzen tragen, wenn Du eine Meldestelle im Sinne des Hinweisgeberschutzgesetzes nutzt, um Misstände anzuzeigen. Vielen Unternehmen betreiben Meldestellen, die anonyme Meldungen zulassen. Und selbst wenn ein Unternehmen keine anonymen Meldungen zulässt, muss die Meldestelle Deine Hinweise vertraulich behandeln und darf Deine Identität dem Arbeitgeber nicht mitteilen. Wenn Du berechtigte Sorge hast, dass die Meldestelle Deines Arbeitgebers nicht vertrauenswürdig ist oder nicht funktioniert, kannst Du Dich an eine externe Meldestelle wenden.

Respekt! Das finde ich konsequent.

Votalin, man merkt sehr deutlich, das dein Leben im Elfenbeinturm der Judikative sehr weit von der alltäglichen Realität des restlichen Planeten entfernt ist.

Wenn eine Firma aus Geldgier gegen Umweltschutzstandards verstößt und Gesundheitsschäden und Tod unzähliger Menschen in Kauf nimmt, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass sie sich um deine Persönlichkeitsrecht oder Gesetze zu Meldestellen scherrt.

Wenn ein Staat tausendfach schwerste Kriegsverbrechen fördert und deckt, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass der total einsichtig auf eine Meldung bei einer entsprechenden Meldestelle reagiert.

Wenn ein Staat Millionen/Milliarden Menschen auspioniert und internatinales Recht bricht …

Wenn ein narzistischer Geschäftsführer ein toxisches Arbeitsklima in seiner Firma etabliert und jedem Mitarbeiter mistraut, dann wird er auch nicht offen und aufgeklärt mit Kritik umgehen.

Selbstkontrolle funktionier leider zu selten!
Anbei ein Beispiel was ich vor kurzem hatte:
Der ZDF Jugenkanal logo! (Zielgruppe 8-12 Jahre) hat ein Video zur Wehrpflicht mit Jugendlichen (13-16 Jahre) gemacht. In meinen Augen ist das übelste Propaganda für den Wehrdienst bzw. Kriegsdienst. Der Moderator ist sehr parteiisch pro Wehrdienst, stellt manipulative Fragen, erzeugt moralische Dilemma, verharmlost Krieg, betreibt Nudging, erzwingt eine Pseudo-Kompromiss usw.
Und wie gesagt, mit und für Kinder!
Ich wollte das Video bei jugendschutz.net melden und bekam dort die Antwort, dass sie für den ÖRR nicht zuständig sind. Da muss ich mich an die Jugendschutzberauftragte des ZDF wenden. Rate mal was da für eine Antwort kam? Ist doch gar kein Problem, alles supi …
Aber fällt selbst ein Urteil! (Link zur Internetseite von logo!)

PS: Merkst du eigentlich, dass deine Forderung zudem zu deinem eigenen wirtschaftlichem Vorteil wäre (deutlicher Anstieg von Klagen und Rechtsprozessen) und damit ein gewisses Geschmäckle hinterläst?

Danke für deine Argumentation.

Bei dem Begriff “Kriegsverbrechen” kann ich aggressiv werden. Denn der Krieg an sich ist das Verbrechen. Also Krieg dem Kreig Aber so wird suggeriert, dass es ja einen “sauberen” Krieg gäbe und solange die Soldaten selbst gegenseitig morden, ist alles sauber. Erst wenn ein paar Zivilisten draufgehen, wäre das ein Verbrechen.

Außerdem ist noch immer meine Frage nicht beantwortet, ob die vom Unternehmen behaupteten unwahren Tatsachen wirklich unwahr waren und das Unternehmen stattdessen nur an die Daten der Kommentierenden heranwollte, um seine Macht auszuspielen.

Glaubst Du, dass sich daran etwas durch anonyme Kritik ändert?

Ich glaube es jedenfalls nicht.

Was ich aber weiß: Wir standen am 9. Oktober 1989 und auch davor mit offenem Gesicht der Stasi und den bewaffneten Volkspolizisten gegenüber und hatten unsere Personalausweise dabei. Einen Monat später war die Grenze offen und 359 Tage später war die DDR Geschichte.

Es geht nicht darum, ob ich glaube, was sich durch anonyme Kritik ändern kann, sondern darum, dass es Kritik nur geben kann, wenn der Kritisierende einen gewissen Schutz vor anschließender Verfolgung geniest.

Und zum Thema Oktober 1989:
Das war ein anderer Staat vor 35 Jahren, der laut einhelliger Darstellung extrem Autorität war und seine Bürger unterdrückt hat. Komischer Weise konnten die Menschen trotzdem durch friedliche Proteste einen Regierungswechsel herbeiführen …

Dem gegenüber Leben wir heute in einem laut einhelliger Darstellung freien, demokratischen Land, wo bereits kleine Demonstrationen gegen Krieg und Aufrüstung (ca. 3.000 Teilnehmer) mit massivem Polizeiaufgebot niedergeknüppelt werden …
(Quellen: DVG-VK, Anwesender Sanitätsdienst, Video von Augenzeugen bei Youtube)
Zitat eines anwesenden Notarztes:
„Es war unerträglich, von außen mitansehen zu müssen, wie die Polizei über Stunden hinweg auf friedliche Menschen einschlägt und eine Person nach der anderen gewaltsam aus der Demonstration zerrt. Ich bin seit über einem Jahrzehnt als Sanitäter und später als Notarzt auf Demonstrationen im Einsatz, war bei G20, Blockupy und vielen weiteren Protesten, doch diese Brutalität im Vorgehen über Stunden hinweg habe ich noch nie erlebt. …“

Daher bin ich der Meinung, dass so eine friedliche Revolution wie vor 36 Jahren im heutigen Deutschland nicht möglich wäre und der Vergleich daher hinkt!

Was viele anscheinend vergessen, geht es hier wirklich um eine „freie Meinungsäußerung“ oder um „free speech“, also Redefreiheit.
Wenn wir von ersteren Sprechen gibt es keine zu erwarteten Konsequenzen, die eine Klarnamen erfordern.
Weil jeder seine Meinung haben darf und weil jeder auch das Recht dazu hat diese zu äußern, ist die gesicherte Anonymität, der einzig sichere Garant, das die Meinungsäußerung auch wirklich frei ist und ohne Zwang geäußert werden kann.

[Achtung, Achtung dies ist ein Beispiel, was passieren könnte, wenn man seine Meinung unter Klarnamen vertritt und äußert und jemand mit nicht Klarnamen keine wirklichem Argumente hat und die Informationen nutzt, die man hier raus erfinden kann, dies ist nicht ernst im Sinne des gleich folgenden kurzen Textes sondern ein reines Gedankenspiel}

Was der Juppy aus reichen Haus soll mal sein Maul halten, hat sein Studium von Mama&Papa finanziert bekommen und den Benz zum 21- Geburtstag, nie was geleistet und mit neunmal klugen Forderungen seine Zukunft sichern, denn er wird Abmahnanwalt, wie sein Vater.

Wenn Jemandem deine Meinung nicht passt, er aber keine Argumente mehr hat, nimmt er alles um dich mit Dreck zu bewerfen, hat er Gefährten und ist in der Überzahl, unterdrückt er deine Meinung, er nimmt dir dein Recht, wie schützt der Staat dein Recht? Du könntest dich aber auch nicht gegen ihn wehren selbst wenn er im Klarnamen schreibt oder der ermittelt wird, weil das nicht für eine Klage reicht.
Persönlich angesprochen um deine Betrachtungsweise zu drehen.

Wäre man anonym gibt es keine persönliche Angriffsfläche, ändere den Namen vielleicht sogar die eigene Meinung, oder mache einfach weiter wie zu vor, man ist frei in der Entwicklung, keine Konsequenzen. Ich verstehe hierbei nie, warum immer das schlechte Beispiel als Referenz gelten soll. Der Schutz des Opfers ist in der Anonymität besser geleistet, als der Schutz eines Täters und wenn man einen Täter unbedingt haben will, dann ist jeder Staat in der Lage diesen zu Enttarnen.
Ich kann aber mit Sicherheit sagen was bei Klarnamenpflicht zu 100% zum richtig großen Problem werden wird, Identitätsdiebstahl, es wäre ein leichtes dies umzusetzen bei den ganzen Kopien und Daten. Für eine Regierung auch für andere Staaten erst Recht einfach, Falschinformationen zu verbreiten.

Wenn wieder, wie immer das Argument kommt, wenn es aber um Hetze, „HateSpeech“, Beleidigung oder Schlimmeres geht.
Wie oft kommt das denn im Zuge der Anonymität vor? Wie oft sind die Täter wirklich anonym und können nicht ermittelt werden? Wegen den paar Leuten allen Menschen das Recht auf freie Meinungsäußerung zu nehmen, halte ich ebenso für falsch wie die Versuche den BGH zu einem anderen Urteil kommen zu lassen, mit immer schlimmeren Fällen und noch viel schlimmer finde ich, das aufgrund von Tracking und dem Handel mit diesen Daten eine Anonymität praktisch für die meisten gar nicht mehr existiert.
Als nächstes wird das Recht am eigenen Bild fallen, was wir einem toten Adligen und seiner Familie zu verdanken haben und dann hat man eigentlich alles so weit gekippt, so das man von staatlicher oder Finanzstarker Seite, wieder anfangen könnte einzelne unerwünschte Störenfriede, dann marginalisierte Gruppen, mit allen technischen und geldlichen Mitteln, schön von der Oberfläche verschwinden zu lassen und dann schweigen sie wieder und lassen es geschehen.

Sorry, aber meine Rechte habe ich noch.

Die Demonstranten tragen ihre Kritik jedenfalls nicht anonym vor. Ob der Polizeieinsatz gerechtfertigt war, werden Gerichte klären. Es gibt zahlreiche Urteile, worin Gerichte feststellten, dass Polizeieinsätze rechtswidrig waren.

Wenn der Kritisierende Schutz braucht, soll er seine Kritik in einem geschützten Raum anbringen, aber nicht als Phantom an die Öffentlichkeit adressieren.

Kritik, die nichts ändern will, ist - jedenfalls in meinen Augen - nur sinnlose Meckerei.

  1. Der Schaden ist dann bereits eingetreten.
  2. Gibt es solche Prozesse gar nicht in jedem Fall.
  3. Hättest Du durchaus einen recht mächtigen Gegner in solchen Prozessen.


@vatolin Im Grunde finde ich Deine Ansichten ja gar nicht mal so falsch… Aber irgendwie ziemlich idealistisch und nicht konkret realistisch!

„Wenn dieses und jenes wäre (oder so und so wäre), dann hätten wir so etwas und solches.“ Ja, ja, hätte, hätte.

Sorry, da ist er wieder, der Elfenbeinturm. Gerade was übergriffige Polizeireinsätze angeht, spreche ich diesen Staat ab, ein Rechtsstaat zu sein. Der Spruch, das eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, trifft genau auf die juristische Aufarbeitung von übergriffiger Polizei zu.

Um mal kurz eine Studie der Goethe Universität Frankfurt beizusteuern, die genau deine Aussage hier unterstreicht:

https://kviapol.uni-frankfurt.de/

Alleine die Zusammenfassung enthält hier schon brisante Aussagen, die Vatolins Ansichten ziemlich ad absurdum führen.

@vatolin Es ehrt dich wenn du an den Protesten zum Ende der DDR teilgenommen hast, aber wir leben heute in einer ganz andere Welt. In Deutschland kommt nicht mehr die StaSi, hier kommen Konzerne und Medien und stürzen sich auf unliebsame Personen, so sie dieser habhaft werden können. Die Methoden zur Unterdrücken Andersdenkender sind keine Daumenschrauben mehr. Heute werden andere Methoden genutzt, die medial wie politisch gewünscht sind.

Umso wichtiger ist es, dass dieser Mob nicht herausfinden kann wer unbequeme Meinungen äußert.

Ausgehend von der Zusammenfassung beweist die Studie auf jeden Fall zweierlei:

1.) Der Rechtsstaat funktioniert. Staatliche polizeiliche Gewalt ist in D’land justiziabel. Dass die Staatsanwaltschaft nur anklagen darf, wenn eine Verurteilung wahrscheinlich ist, ist ebenfalls ein Ausdruck von Rechtsstaatlichkeit. Sonst wäre die Anklage Willkür. Im Übrigen sind die angesprochenen Probleme - Corpsgeist bei der Polizei, fehlende Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaft - hinlänglich bekannt und werden insbesondere von Anwälten seit Jahrzehnten scharf kritisiert. Zu Recht, wie unlängst auch die Europäische Kommission feststellte.

2.) Anonymität behindert das Funktionieren des demokratischen Rechtsstaats. Polisten, die nicht gegen ihre Kollegen aussagen, wissen ganz genau, dass der Tathergang ohne Zeugenaussagen nicht aufgeklärt werden kann - insbesondere weil andere Zeugen aus Angst anonym bleiben.

Anonymität befeuert die Spirale der Rechtswidrigkeit und verschafft den Tätern Sicherheit.

Anonyme Kritik ist blanker Hedonismus: “Ich fühl micht gut, weil ich’s Maul aufgerissen habe. Und noch besser fühle ich mich, weil ich zu meiner Kritik nicht stehen muss.”

Ich stelle fest, du verdrehst die Kernaussagen der Studie um deinem Weltbild zu entsprechen, bzw. greifst welche heraus um sie dann passend zu machen. Ein anonymer Polizeibeamter der im Dienst eine potentielle Straftat begeht und bei dem sich der Staatsanwalt dann aus Befangenheit heraus nicht die Mühe macht ihn zu ermitteln, ist etwas anderes, als ein Bürger der vom Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch macht und dabei geschützt werden muss.

Die Studie beweist vor allem, dass es Straftaten durch den Staat gibt und diese dann eben nicht geahndet werden, während dem normalen Bürger gleich die Haustür eingetreten wird um das Tablett zu beschlagnahmen.