Kurzbeitrag/Meinung: Stadt Treuchtlingen - genauso machen, genauso

Nach all den eher dystopischen Ausblicken, Artikeln und Beiträgen ein kleiner positiver Lichtblick: Die Stadt Treuchtlingen.

Die Stadt hat sich nicht nur entschieden, ihren Code auf Codeberg zu hosten, sondern auch ein Projekt namens „Achtsam digital“ ins Leben gerufen und allem Anschein nach auch verstanden, wie man es „richtig“ macht.

So wird auf freie Software gesetzt und das sogar bei den Verwaltungs-PCs (Debian mit KDE). Besprechungen finden über Jitsi Meet statt, gestreamt wird über Owncast, als Dokumentensoftware kommt Libre Office zum Einsatz und auch Freifunk wird unterstützt.

Darüber hinaus schreibt die Stadt Treuchtlingen folgendes

Ressourcen, die wir zurzeit noch nicht absehen können und die einen Einfluss auf unser Leben haben werden. Jede digitale Aktion hinterlässt ein gesellschaftliches, aber auch ein Ressourcen bindendes Echo. Wie viel Technik wird benötigt, um eine Aktion auszuführen? Wie viel Kontrolle haben wir darüber, wie nachhaltig diese eingesetzte Technik ist? Können wir beeinflussen, wo, wie und von wem unsere Daten verwaltet, gesichert und geschützt werden?

und:

Bereits 2001 entschied sich die Stadtverwaltung, dafür Linux auf dem Arbeitsplatz einzusetzen. Wichtiger als die Wahl des Betriebssystems war dabei aber die grundsätzliche Architekturentscheidung: Anwendungen wurden vom jeweiligen Betriebsystem getrennt, das der Benutzer für seine tägliche Arbeit verwendet. Größte Herausforderung ist es dabei, die Zugänglichkeit der Daten auf allen Ebenen und Betriebsystemen fortwährend und rechtskonform sicherzustellen. Gleichzeitig half und hilft das Konzept der Stadtverwaltung massiv bei der Corona-bedingten Umstellung auf sichere Home-Office-Arbeitsplätz

Zudem wurde ihr Streamingkonzept auf den Linuxdays (AT) vorgestellt.

Fairerweise könnte man anmerken, dass Facebook & Co. Accounts nicht ins Bild passen, eine Alternative im Fediverse schön wäre und die DE-Mail auch Gänsehaut verursacht, aber das wäre dann Jammern auf sehr hohem Niveau.

Wer auch immer dafür verantwortlich ist, hat meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Leider ist auch gerade keine wirkliche Stelle in der Verwaltung oder der Informatik offen, wo man nochmal nachlesen könnte, welche Tools eingesetzt werden. In einer Sachbearbeiterstelle beim Standesamt wird auf MS Office Kenntnisse hingewiesen.

Sollte dies jemals eine Verantwortliche Person der Stadt Treuchtlingen lesen: Wenn ihr das was auf eurer Website steht, lebt und umsetzt, dann
schreibt das doch in eure Stellenanzeigen. Es gibt viele Informatiker, denen genau das wichtig ist und auch ab und an die ein oder andere kaufmännische Person.

Wie auch immer: Andere Städte können sich hier eine große Scheibe abschneiden.

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Super!
Gute IT-Nachrichten sind - außerhalb des Konsumbereichs - ja selten!

Nach der Umsiedlung von Microsoft (Gewerbesteuer, Sektempfänge, Büro- und Wohnungsmieten etc. etc.) nach München mit den zuvor mit dem Bürgermeister Reiter (SPD) verabredeten vorteilhaften Konsequenzen für Microsoft, fällt mir anonsten nur noch Schwäbisch-Hall als vorbildhaft ein.
Allerdings lohnt sich auch immer ein Blick auf diese Liste.

Zu Treuchtlingen fand ich noch dies hier: Wow, seit 2001 ! Da war ich ja (um zwei, drei Jahre) lahmer!
Mich ärgerte damals unter anderem: Microsoft ließ sich mit WindowsXP immer eine Liste der zuletzt geschauten Medien übermitteln. Zwanghaft. Unabstellbar, jedenfalls für Laien. Begründung war, man wolle doch verhindern, dass sich die Nutzer versehentlich, dieselben Medien noch einmal runterladen, die sie doch schon hätten … so ähnlich. :joy:

Aber auch in München schaut man schon langsam wieder in Richtung Menschenwürde und Freiheit und Souveränität.

ps. Unverständlich ist mir der störende Cookie-Hinweis, ruft man die Webseite von Treuchtlingen auf. Ich meine: Wer nicht tracken will, braucht keinen Cookie-Banner. Damit zerstört man die Warnfunktion eines Cookie-Banners und schützt die, die tracken wollen … warum nur, warum?

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