Es kommen harte Zeiten innerhalb und außerhalb der EU auf uns zu, wie mir scheint:
Die geplanten Novellen der schweizerischen Verordnung über die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (VÜPF) sowie der zugehörigen Durchführungsbestimmung schlagen weiter hohe Wellen. Proton hat jetzt bestätigt, dass der Anbieter verschlüsselter Kommunikationsdienste aufgrund der mit dem Vorhaben verknüpften Rechtsunsicherheit mit dem Abzug von IT-Infrastrukturen aus der Schweiz begonnen hat.
rechtsfreie Räume sind selten. Die Schweiz wird dann vielleicht wie schon Mal die USA Ihren Anerkennungsbeschluss verlieren oder auch nicht.
Im Ernst, ich glaube eher, dass Proton nach Deutschland umzieht, weil Server in Deutschland billiger als in anderen Ländern sind (jedenfalls billiger als bei den großen Cloudanbietern aus den USA) und damit die Marge steigt. Das will man so natürlich nicht kommunizieren, und die schweizer Verordnung ermöglicht eine andere Marketingaussage. Und analog zu den Cloudanbietern aus den USA kann man dann auch sagen, aber die Server stehen in Deutschland.
Genau, auch das Personal massiv billiger im EU-Raum, als in der Schweiz. Lohnkosten sind bei einer Firma wie Proton prozentual sehr hoch (von Gesamtkosten).
Ihr meint wirklich es geht Proton nur um Kostenaspekte und die Begründung mit den Schweizer Gesetzesänderungen ist nur vorgeschoben? Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht so recht vorstellen.
Interessant wird es jedoch ob Proton auch den Firmensitz verlegt.
Irgendwie kann ich mir kaum vorstellen, dass einfach das Verlagern des Hosting-Standort der physikalischen Server ausreicht um als schweizer Anbieter aus den Schweizer Gesetzen heraus zu kommen. Ich meine, kann ein deutsches Unternehmen was Server woanders hostet sich dem deutschen Recht entziehen?
Das kann ich mir, ehrlich gesagt, auch nicht vorstellen.
Meine Intention des Beitrags war es, darauf hinzuweisen, dass Staaten innerhalb und außerhalb der EU das Theme “Überwachung” (wieder einmal) für sich entdeckt haben und daraus ggf. weitreichende Konsequenzen für einen Großteil der Bürger enstehen.
Ich würde allgemein kein großes Vertrauen in Proton setzen. Die sind inzwischen zu groß geworden…. Keine Ahnung ich habe einfach ein schlechtes Gefühl bei der Nutzung
Man sollte sich auch immer fragen auch welcher Seite des Gesetzes man steht und was man so für Mails generiert. Bei mir sind es zu über 95% Bestellungen, bezahlte Aktien/Marktanalysen und Buchungsbestätigungen von Campingplätzen oder Hotels. Keinerlei private oder berufliche Kommunikation. Ob die Mails nun mit oder gesetzliche Grundlage von den Behörden vor der EE-Verschlüsselung abgegriffen werden ist mir ehrlich gesagt wurscht und halte ich für mich als Max Mustermann für äußerst unwahrscheinlich. Wichtiger ist für mich, dass der ganze Müll wie Tracker, Spam etc. sauber gefiltert wird und die Daten nicht wie bei Google, GMX etc. monetatisiert werden.
Andererseits, wenn mein Name z.B. Carola Rackete oder Wladimir Putin wäre oder ich Mitglied bei den Identitären oder Klimaklebern wäre oder im Darknet verbotene Dinge kaufe, dann würde ich mir sicher Gedanken machen, ob Proton Mail der richtige Provider für mich ist
Die Frage der eigenen Datensicherheit ist immer auch eine Frage welche Konsequenzen meine erzeugten Daten im Kontext des Gesetzes haben.
Das ist aber schon ganz schön nah an “ich habe nichts zu verbergen”.
Meine Mails sind wahrscheinlich noch uninteressanter als meine Fotos, mit denen ich im wesentlichen meine Fortschritte bei der Gartenarbeit dokumentiere. Trotzdem (oder nein, gerade deshalb!) werde ich richtig bockig, wenn es um meine Privatsphäre geht und ich gemeinsam mit Millionen anderer Menschen mittels Technik unter Generalverdacht gestellt werde. Ich muss nicht beweisen, dass ich harmlos bin!
Es trifft ja fast ausschließlich Privatleute die sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen. Die dicken Fische können sich gegen all das recht gut wehren.
grundsätzlich auch vollkommen richtig! Wenn man sichere Kommunikarion benötigt ist das auch ohne Abhörmöglichkeit möglich, aber für Bestellbestätigungen von Akkus oder Duschfilter ist mir das wurscht.
Bilder und wichtige Dokumente sind bei mir ohnehin in der Owncloud und nicht für Dritte zugänglich.
Wer auf Gmx, Web.de, Google etc. setzt und sich auf Social Media exhibitioniert, der rennt 24/7 mit runtergelassenen Hosen durchs Leben - und das wird die Mehrheit sein
Es geht halt auch darum das du profile anlegen kannst durch Mailinhalte. Worst Case ist das zB Versicherungsgesellschaften dein Konsumverhalten mitbekommen und du keine Versicherung mehr bekommst oder keine Kredite oder so
Man sollte halt immer mal überlegen was das so nach sich zieht.
Die meisten sind schon überfordert wenn man ihnen erzählt das sie beim Einkaufen besser WLAN und nfc ausschalten oder noch besser ohne Smartphone in den Laden gehen …. Zwar sind die dadurch erhobenen Datensätze eher anonym aber auch dadurch lassen sich Profile erheben
Die Firma PROTON hat ihren Hauptsitz in Genf, Schweiz, und einen Server im berühmten Militärbunker der Gründer. Die Serveranlagen liegen jedoch schon längst außerhalb der Schweiz, nämlich in Deutschland und Norwegen. Letzteres allein wegen der günstigen Stromtarife. Büros der Mitarbeiter befinden sich u.a. im asiatischen Raum, auch in Litauen und vor allem in Skopje, dem heutigen Nordmazedonien. „Swissness” ist bei Proton nicht mehr als Marketing. Früher war das Unternehmen für seine Transparenz bekannt, heute fließen über die Firma nur noch spärliche Zahlen. Interessant ist, wie viele Daten die Firma jährlich den Behörden übergibt. Wer die Schweiz als sichere Datenschutzinsel bezeichnet, hat unser Rechtssystem nicht richtig verstanden. Proton sitzt in Genf, lebt von dem Irrtum der Kunden bezüglich des Datenschutzes und vor allem sind es die Steuern. Die eventuellen neuen Datenschutzgesetze könnten Mehrarbeit verursachen, daher die Drohung des Auswanderns, was in der Schweizer Politik jedoch wenig bewirken wird. Ich bin gegen jegliche Art von Überwachung.
Das alles würde aber nicht zwangsläufig gegen Proton sprechen und ist in der Branche auch nicht unüblich. Damit hätte ich nicht das geringste Problem wenn eine technisch und preislich solide Leistung angeboten wird.
Ein wichtiger und vielleicht der entscheidende Punkt ist aber sicherlich der genannte Umgang mit behördlichen Anfragen. Wird da genau die Berechtigung geprüft oder reicht es bereits, wenn der Dorfsheriff aus dem Nachbarland anruft und ähnliches.