"Zeit Verbrechen"-Podcast: Sehr guter Beitrag zu den Gefahren von KI in der Strafverfolgung / Polizei

Informationen über die Gefahren von KI in der Strafverfolgung/Polizei. Sehr fundiert und fachlich sauber dargestellt von Kai Biermann, er ist auch bei Mastodon: https://mastodon.online/@kaibiermann

Hörtipp! Schön, dass auch ein größeres Publikum angesprochen wird.
https://www.zeit.de/gesellschaft/2026-01/ki-systeme-polizei-verbrechen-podcast

Das Teilen des Podcasts ist eine Möglichkeit seine Aufgabe für den di.day heute zu erfüllen! :melting_face:

4 „Gefällt mir“

Um nur mal auf den Punkt mit den Überwachungskameras zu Beginn einzugehen:

Ich bin täglich abends an ziemlich verlassenen Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen unterwegs und bin froh, dass dort überall Kameras hängen.

Dein Anliegen ist dem Beitrag nicht ganz zu entnehmen. Ist es einer Erhöhung der persönlichen (gefühlten) Sicherheit?
Oder möchtest Du bei erfolgten Straftaten gegen deine Person im Nachgang diese aufklären können?

Gäbe es dafür auch andere weniger invasive Maßnahmen?

1 „Gefällt mir“

Guckt denn da wer dauernd zu, der eingreift könnte, oder ist das nur eine aufzeichnende Kamera, die nach einen Vorfall geprüft werden können?

3 „Gefällt mir“

heise berichtete auch schon am 13.01.2024 zur KI-Verordnung, hat sich da was verändert? –>

„Biometrische Überwachung: EU-Rat streicht Straftatenkatalog und Richtervorbehalt“

Das ist mir egal, denn so oder so ist besser als gar nichts.

Mir wäre so gar noch lieber, wenn dort mit Gesichtserkennung gearbeitet wird.

Wobei genau würde das helfen?

2 „Gefällt mir“

Videoüberwachung oder Gesichtserkennung? Ist eigentlich auch egal, was von beidem, denn ich gehe davon aus, dass jeder hier mit dieser Technik vertraut ist. Daher kann ich mir jetzt nicht erklären, wie ich deine Frage verstehen soll.

Würde mich auch interessieren, wogegen/wofür Kameraüberwachung und Gesichtserkennung helfen soll. Verbrechen verhindern diese beiden Sachen nicht.

1 „Gefällt mir“

Sagt ja auch niemand, dass sie Verbrechen verhindern. Aber es ist besser als gar nichts und es kann helfen, Verbrechen aufzuklären. Jedenfalls ist die Chance grundlegend höher, als wenn gar nichts gemacht wird.

Ja, gut, dann wirst du eben im nächsten Tunnel vermöbelt, wo keine Kamera hängt*, oder der Täter setzt sich eine Maske auf. Dafür steigt der Konformitätsdruck und das Unterdrückungspotenzial durch die Überwachung.

Generell ist die Sicherheit in dieser Hinsicht relativ hoch und du solltest realistischerweise deutlich mehr Angst vor ungesunder Lebensweise, Luftverschmutzung, Krankheiten und KfZ haben.

*Ich wünsche dir das natürlich nicht. Aber Überwachung an Orten verlagert Straftaten an andere Orte, die nicht überwacht werden.

2 „Gefällt mir“

Man kann die Angst vor Kriminalität auch durch populistische Auslegung von Statistiken schüren. Leider gibt es genug Menschen, die eine „gefühlte“ Kriminalität ausmachen und als Folge ihres Gefühls die totale Überwachung fordern. Ein Beispiel aus meinen Leben. Ich bin in einem Stadtbezirk einer Großstadt, der als „Problemviertel“ bezeichnet wird, nie auch nur ansatzweise von „bösen Buben“ in irgend einer Art bedroht, belästigt oder gar mehr worden. Und das Samstag 23:00 Uhr. Dagegen musste ich in einem Stadtbezirk, der als „gehobene Gegend“ bekannt ist, von meinen Recht auf Notwehr Gebrauch machen. Schade, dass ich das nie öffentlich gemacht habe. Ich hätte diesen ganzen rechten Panikmachern gern ihr eigenes Narrativ um die Ohren gehauen.

1 „Gefällt mir“

:joy: Jeder wie er denkt. Aber wir können gerne mal Statistiken vergleichen, wie oft eine Überwachungskamera bei der Aufklärung von Verbrechen geholfen hat und wie oft sie in unserem pseudo Überwachungsstaat dazu genutzt wurde, um Menschen in der Öffentlichkeit zu überwachen.

EURE Angst, dass Menschen damit in Deutschland gläsern werden, ist kommt vielleicht nicht aus einer populistischen Ecke, wird aber ebenso durch andere Meinungen geschürt.

Letztes Jahr wurde bei meinem Nachbarn eingebrochen, wobei zwei E-Bikes gestohlen wurden. Daraufhin installierte er ein umfangreiches Sicherheitssystem (Eufy PoE Bullet-PTZ-Kamera S4 6-Cam-Kit) mit KI-Funktion, sowohl im als auch am Gebäude. Er war überzeugt, nun bestens geschützt zu sein, da das System ihn über Bewegungen rund um sein Grundstück per Pushnachricht informierte und er jederzeit live auf die Kameras zugreifen oder einen Alarm auslösen konnte.

Wenige Monate später wurde erneut eingebrochen, diesmal, als er im Urlaub war. Die Ironie des ganzen: Er hatte im Urlaub keine Pushbenachrichtigung bekommen, da er sich nur über Hotel-Wlan mit dem Internet verbunden hatte. Die Täter drangen spitzfindig ein, ohne physischen Sachschaden zu hinterlassen und räumten seinen Partykeller leer. Trotz hochpreisiger KI-Überwachungskameras, Bewegungserkennung und Aufzeichnung half das System letztlich nicht, den Einbruch zu verhindern oder aufzuklären. Die Polizei stellte das Verfahren nach einiger Zeit ein.

Inzwischen hat mein Nachbar weitere Maßnahmen wie Sicherheitsschlösser, Glasbruchmelder etc. installiert. Rückblickend erkennt er, dass Videoüberwachung zwar eine gewisse Abschreckung oder subjektive Sicherheit bieten kann, aber kein Garant für tatsächlichen Schutz ist.

Meiner Meinung nach ist Videoüberwachung deshalb kein Allheilmittel, sondern kann nur begrenzt Wirkung erziehlen, sie erhöht möglicherweise das Sicherheitsgefühl, löst aber selten das eigentliche Problem.

Gleichzeitig muss ich ehrlich sagen: In Extremsituationen, bspw. bei der Entführung eines geliebten Menschen, würde ich persönlich auch Datenschutzaspekte hinten anstellen und jede verfügbare Technologie nutzen, sogar Gesichtserkennung, wenn dadurch nachträglich noch ein Leben geschützt werden kann.

Also weil dein Nachbar nicht in der Lage war, sein Überwachungssystem korrekt zu nutzen, lautet die Schlußfolgerung, das Überwachungssystem hat keinen Nutzen? Wo hier der Fehler liegt, ist ja offensichtlich. Außerdem hat die Überwachung im privaten Bereich nichts mit diesem Thema zu tun.

Ich will Dir Dein Sicherheitsgefühl nicht kaputtmachen. Aber in der meistüberwachten, mit Kameras zugepflasterten Stadt in Europa, der City of London (und drumherum), wurden schon ein paar Studien durchgeführt. Ergebnis: man weiss immer noch nicht, ob die Kameras die Menschen von Verbrechen abhalten.

Das einzige, was man weiss: um die 50% aller Kriminellen konnten durch die Kameras identifiziert werden. Das sind wahrscheinlich eine ganze Menge mehr als ohne Kameras.

Ansonsten scheinen sich die Kriminellen nicht an den Kameras zu stören. Die Aufklärungsquote ist offensichtlich immer noch zu niedrig, als das sie abschrecken könnte. Oder die möglichen Strafen zu niedrig.

1 „Gefällt mir“

Ein alltägliches Beispiel:

Du fährst nachmittags nach der Arbeit mit deinem Auto in die Innenstadt. Unterwegs tankst du und am Zielort stellst du dein Auto im Parkhaus ab. Du gehst schnell zur Bank, danach einkaufen und zum Schluss setzt du dich draußen auf den Marktplatz in dein Lieblingscafe und trinkst einen schönen Latte Macchiato.

Überall, wirklich restlos überall, wurdest du, bevor du am Marktplatz angelangt bist, von Kameras beobachtet: Verkehrsüberwachung, Tankstelle, Parkhaus, Bank und Supermarkt. Interessiert niemanden, denn an all diesen Orten besteht ja ein berechtigtes Interesse.

Jetzt soll an diesem Marktplatz ein Videoüberwachungssystem der Polizei installiert werden und das Geschrei geht los: Überwachungsstaat, wir werden ausspioniert etc. pp. Klagen werden eingereicht, Datenschützer hauen in Tasten ihres PCs, um die Bevölkerung dagegen mobil zu machen und was weiß ich.

Unterm Strich ist es uns völlig egal, wenn irgendwelche (klein-)gewerblich handelnde Personen, von denen niemand genau sagen kann, was sie mit den Aufzeichnungen nach Ladenschluss anstellen, Aufnahmen von uns machen. Aber beim Staat, bzw. der Polizei, die dies tut, um besseren Schutz mithilfe der gängigen Technik zu ermöglichen, rasten alle völlig aus und denken, wir leben in China! Das ist vollkommen Schizophren und paranoid, nichts anderes.

https://koeln.polizei.nrw/artikel/polizeiliche-videobeobachtung-in-koeln

Nur mal eine kleine Auflistung von Einsatzerfolgen. Dem gegenüber steht der Verdacht (keine Beweise!), der Staat würde uns ausspionieren.

1 „Gefällt mir“

Der Staat hat sehr viel mehr Ressourcen als die Tankstellen und ein Gewaltmonopol,
natürlich ist es da berechtigt skeptisch zu sein.

Ebenso wie es relevanter ist ob meine Freunde ein Versprechen brechen, als wenn dies unbekannte tun,
ist es relevanter, wenn unsere Solidargemeinschaft Macht missbraucht.

2 „Gefällt mir“

Es ist unwahrscheinlich, dass die Bank und das Cafe usw. ihre Aufnahmen verknüpfen. Die Aufnahmen gehören ja den jeweiligen Betreiber. Oder meinst du, dass der Dönerladen seine Aufnahmen mit der Tankstelle abgleicht und dabei herauskommt, dass du in beiden Läden warst? Außerdem halte ich es für unwahrscheinlich, dass der Dönerladen an eine Bilddatenbank angeschlossen ist, die automatisch die Gesichter abgleicht und dich damit identifiziert.

Aber genau das könnte auf uns zukommen mit verhaltensbasierter Videoüberwachung. Mannheim ist das schlechte Beispiel, was „intelligente“ Videoüberwachung anrichten wird https://netzpolitik.org/2025/verhaltensscanner-im-mannheim-hier-wird-die-ueberwachung-getestet-die-so-viele-staedte-wollen/

Zwei Erweiterungen des Mannheimer Modells sind bereits geplant: Die Software soll in Zukunft bestimmte Gegenstände, etwa Waffen, erkennen. Und wenn sie eine mutmaßliche Straftat entdeckt, können die gefilmten Gesichter bald vom Landeskriminalamt durch eine Gesichtersuchmaschine gejagt werden.

Macht das auch die Tankstelle? Wohl kaum. Zumindest derzeit.

Oder das hier:

Gut einsehbar für die Kameras seien dagegen die Eingänge zu sensitiven Einrichtungen aus dem Gesundheitsbereich, darunter Praxen für Psychotherapie, ein Zentrum für sexuelle Gesundheit und eine psychologische Beratungsstelle für queere Menschen.

Ist das immer noch das, von dem du träumst? Es geht diesen Staat einen Dreck an, wer sich an solche EInrichtungen wendet. Dank Gesichtserkennung weiß dann die Polizei, dass Fritze Müller offensichtlich schwul ist.

Irgendwo anders habe ich gelesen, dass die „Sicherheitsbehörden“ mit dieser Technik auch Zeuginnen /Zeugen von Straftaten detektieren möchten. Offensichtlich aus der Erkenntnis heraus, dass sehr viele Menschen keine Zeuginnen /Zeugen sein möchten. Ob ich Zeuge bin, bestimme immer ich und nicht der Staat.

Edit: Die Zitate stammen aus dem verlinkten Netzpolitik-Artikel.
Edit 2: Versehentlich ist ein Zitat doppelt eingefügt worden.

2 „Gefällt mir“

Könnte, hätte, wäre… Aufgrund einer Vermutung lassen wir es am besten direkt sein. Erschweren der Polizei die Arbeit, was im Umkehrschluss bedeutet, Kriminelle haben es leichter. Kein guter Ansatz.

Und? Wenn ein Polizist dich mit einer mutmaßlichen Waffe auf der Straße sieht, spricht er dich auch an und macht eine Abfrage.

Ihr stellt diese Überwachungssysteme immer so dar, als wären sie Richter und Henker zugleich. Sie erleichtern aber nir die Arbeit der Polizei und machen sie effektiver. So oder so steht danach ein Beamter vor dir und keine KI. Wir sind hier nicht in irgendeinem Sci-Fi-Roman.

Ja, da hast du Recht und obendrein ist es diesem Staat sogar noch völlig egal. Oder werden in Deutschland irgendwelche Menschen aufgrund ihrer Sexualität verfolgt?

1 „Gefällt mir“