Datenschutz: Wenn der Zug abgefahren ist, was dann?

Und wer macht dann diese “Analysen”? Der Anbieter oder der Vermieter? Warum sollte man das tun und welchen Zweck hat das Ganze?

Ich habe ja nicht gemeint, dass es “gegen dich verwendet” wird. Habe nur darauf hingewiesen, dass es kein seltenes Phänomen ist, dass man explizit und regelmäßig (monatlich) auf höheren Wasser- und Stromverbrauch hingewiesen wird. Und zwar nicht unabhängig vom Verbrauch, sondern explizit mit rotem Kasten, Daumen nach unten und Sätzen wie “Aktuell ist Ihr Verbrauch höher als die Vergleichswerte.” Da war keine Wertung dabei, sondern sollte in Bezug auf

nur belegen: Ja, wegen der fernablesbaren Wasseruhren/Heizmessgeräten wird man ständig darauf hingewiesen. (Hier übrigens nicht vom Anbieter, sondern einem Abrechnungsdienstleister für Mehrparteienhäuser.) Wäre sonst nicht der Fall, sondern nur maximal einmal im Jahr.

Aber ja, abgesehen davon, ob man es jetzt als mehr oder weniger schwerwiegend in Bezug auf Datenerhebung/Datenschutz beurteilt. Es bleibt nicht von der Hand zu weisen, dass damit prinzipiell Verhaltensmuster eher erfassbar sind als bei einer einjährigen Ablesung, z.B. wann ist der Mieter länger abwesend (Urlaub) oder auch permanent zu Hause.

Ich kann den Beiträgen von @Kunekt durchaus etwas abgewinnen, auch wenn er es sehr drastisch rüberbringt. Das Problem ist für mich nicht die Technik an sich, sondern dass gefühlt mehr als 90 Prozent der Bürger und Bürgerinnen über keinerlei Handlungsmacht bzw. Souveränität verfügen. Ihre politische Identität - sofern sie überhaupt ausgebildet wurde - und ihr höchstes Gut welches es in einer “Demokratie” :sweat_smile: zu verteidigen gibt - Autonomie - wurde gegen ein völlig blödsinniges, oberflächliches und daher auch tödliches, ökonomisch-kulturelles Systems an eine kleine Oligarchen-Minderheit abgegeben.

Wieso mich das Eingangsstatement von Kunekt triggert ist meine eigene Feststellung und persönliche Erfahrung, dass ich anderen Menschen, sogar im engeren Umkreis, immer wieder vermitteln wollte auf die eigenen Daten (damit auch auf die der anderen) zu achten, diese das aber eher nicht ernst genommen haben.

Wenn man heute in der Warteschlange an einer Supermarkt-Kasse steht, präsentieren sich einem regelmäßig Menschen, die offenbar ident völlig unkritisch sind. Sie machen freiwillig oder auf Geheiß ihre Taschen auf, damit sie bestmöglich kontrolliert werden können. Sie sind so mit ihren physischen und digitalen Konzern-Gamification-Apps beschäftigt, mit denen sie selbstständig (!) sammeln, rabattieren oder ihre Goodies einlösen. Sie scannen sich ihre Waren selbst ein und bezahlen selbst (!) mit irgendeiner Bank- oder anderen Konzern-App. Zusätzlich werden sie von Supermarkt-Beacons und diversen Kameras verfolgt und durchleuchtet. Das Beste - der Spaß ist auch noch legal!

Parallel dazu verschiebt sich die politische Tektonik wider den Behauptungen immer weiter weg von einer Demokratie, anstelle zu ihr hin. Politische Begriffe, die von den aktuellen parlamentarischen -, den Regierungs-Repräsentant :innen und von den Medien bedient werden, sind semantisch so uminterpretiert und geframed, dass - wenn man nicht etwas kritisch ist - das Ganze gar nicht bemerkt und/oder es wunderbar findet, dass man in den Shopping-Malls alles mögliche kaufen kann (soferne man das Geld dazu hat, weil einem beispielsweise die Miete, die Heizung, der Strom, der Arztbesuch etc. alles wegfrisst).

Das alles sind Puzzlesteine die für mich ein großes Gesamtbild ergeben, welches etliche (noch immer nicht ?) erkennen Und nebenbei wird getrommelt, wir benötigen noch mehr Wettbewerb und dazu passend: “Die Demokratie muss wehrfähig sein!” Ja, den Wettberb haben wir gerade in Richtung nahen oder ferneren Osten und die Militarisierung ist weltweit bereits ein wunderbarer Hebel um Wachstum & Jobs zu generieren. Darum geht´s ja in unserem Leben, oder?
Ich verstehe daher schon, was Kunekt andeuten möchte und dass in ihm manchmal Perspektiven hochkommen, die ich auch bei mir feststelle. Ja, auch ich habe noch Hoffnung, doch die Realität wird zunehmend frostig und Tag für Tag inhumaner.

Seven.of.nine Stammgast, das ist ja ein echte Steilvorlage für eine Massenüberwachung, von der man weiß, dass sie meist nicht funktioniert. :wink:
Grundproblem: Tropfende Wasserhähne werden von Wasserzähler nicht erkannt.

Das war vllt in Ostberlin Altbau so?

  1. Seit 1974 kenne ich normale Wasserzähler, separat in jeder Wohnung! Und um tropfende Wasserhähne, rinnende Klospülung zu bemerken, brauche ich keinen fernablesbaren Wasserzähler, der über eine Cloud meine Verbrauchsdaten im Internet überwacht.
  1. Die zwei Wasserschäden in meinem Leben waren mit Wasserzählern generell nicht zu identifizieren.
    Fall a) Ursache Abwasserrohr
    Fall b) Ursache Wohnungs-Heizkörper.
    Nichts davon hätten fernablesbaren Wasserzähler melden können.

  2. Wenn ich länger wegfahre, werden die Haupthähne geschlossen, dann kann kein Anbieter bei meinen Zählern irgendwas messen, weil die Haupthähne vor den Zählern liegen.

Nein, Tröpfchen kann man mit keinem Wasserzähler messen, egal ob fernablesbar oder nicht? Mindestmessgrenze (Qmin) scheint bei 3,75 - 7,5 Litern pro 15 Minuten mit Wasserzähler nach DIN EN 14154 zu liegen… Ein dauertropfendes Leck kann man damit nicht von normalem Verbrauch unterscheiden.
Dann gibt es noch die Info:
Klasse B – Wasserzähler

  • Genauigkeit: ± 1,0 % des Messwertes bei 5 l/min bis 100 l/min.
  • Messbereich: 0,5 l/min – 100 l/min (üblich).
  • Anwendungsbereich: Standard‑Haushalts‑ und Gewerbeverbrauch, wo die Genauigkeit von Klasse A nicht zwingend erforderlich ist.

Technische Angaben, ohne Gewähr!

Aber Danke, dann sind die herkömmlichen Wasserzähler zu einer präzisen Überwachung noch nicht geeignet. Aber wie schnell man mit falschen Sicherheitsversprechen Überwachung, hier Wasserverbrauch legitimieren kann, interessant. :wink:

Ernsthaft? Analysen bedeutet hier analysieren was man aus den Daten alles rausfiltern kann. Das kann jeder tun der Zugriff auf die Daten hat. Datenanalyse betreibt man zB um Informationen ueber jemanden zu gewinnen. Meist weil man sich einen Vorteil davon erhofft …

Passend zum Thema Datensammelei:

Aldi hatte die Tage ein Angebot, welches ich mir mal anschauen wollte, den ZTE G5TS –>

Die Kiste kann man nichtmal offline in Betrieb nehmen, ohne daß Daten übertragen werden.

Man bekommt einen Willkommens-Bildschirm bei Login, wo man erklärt bekommt, was an Daten von Interesse ist, wie gewohnt kann man ablehnen oder akzeptieren, egal, was man wählt, die Oberfläche reagiert nicht mehr, so die Kiste offline ist.

Dachte ich mir, schau mal, was ich zu der Kiste finde, war nicht viel, Werbung dafür und obiges Bild beim Hersteller.- eine App? Installiert. Start –>

Wenn ich weder die Mobilfunk- noch die WAN-Funktionalität der Kiste, ob nun Mobil als Ausfallverbindung bei WAN-Ausfall oder Hybrid, beide Verbindungswege, verwenden will, sondern rein lokal ins Netz hängen wollen würde, wäre die Kiste absolut unbrauchbar.

Überlege mir schon, ob ich sie nicht Klaus zukommen lasse.

Das muß ich mit meinem Wasserzähler mal genau beobachten, glaube aber jetzt mal nicht, daß da auch nur 1 Tropfen ungezählt durchgeht.

Korrekt. Davon das etwas geschenkt wird kann man wohl nicht ausgehen.
@Kunekt bezieht sich nach meinem Verständnis darauf, dass ein Wasserverlust vor dem Zähler von diesem eben nicht bemerkt wird oder werden kann.
Diese Verluste tragen nun auch zu den Betrachtungen des Wasserverlusts gesamt dar und stellen vielleicht einen so großen Anteil dar, dass der Wasserverlust für die Argumentation der Sinnhaftigkeit der aktuellen Implementierung der Wasserzähler zumindest alleine nicht tauglich ist.

Na doch, alles was hinter der Wasseruhr ist wird gezählt. Ob es dann allerdings als tropfen der Wasserhahn ausgewertet wird, keine Ahnung.

Ich kenne viele Wasserschäden in den Zuleitungen. Aber meist ist das dann vor der Wasseruhr und kann nur durch den Hauptwasserzähler im Haus gezählt werden.

Zum eigentlichen Thema, versuche ich Datensparsam zu leben wo es geht. Oft nur mit einem einfach Handy unterwegs. Apps nutze ich nur die für mich nötigen und möglichst ohne g**gle. Keine Supermarkt Apps, kein Paback usw.

Möglichst verschlüsselte Emails und Cloud Speicher. Aber man kann, wie schon von anderen geschrieben, nur sein eigenes Verhalten beeinflussen. Versuche z.b. E-Mail Verschlüsselung in der Familie zu integrieren ist (trotz Einrichtung von mir) gescheitert.

Und manchmal gehst Du gar nicht auf’s Klo, warum bist Du außer Haus, wenn Du krank bist? Und da gibt es eine Person, mit der Du viel Kontakt auf Social Media hast, und die ist oft an denselben Tagen “krank” wie Du, und die ist dann auch oft nicht zu Hause. Macht ihr gemeinsam blau? Habt ihr eine Affäre?

Will sagen: Die meisten Menschen, die “nichts zu verbergen haben” (und das ist jetzt weder als Vorwurf, noch als Unterstellung gemeint), unterschätzen die Macht von Datensammlungen und deren Zusammenführung.
Ich empfehle hierzu den ebenso interessanten wie unterhaltsamen Talk von David Kriesel - fast schon ein Klassiker zum Thema BigData:
https://media.ccc.de/v/33c3-7912-spiegelmining_reverse_engineering_von_spiegel-online

Nein wird es nicht. Es ist einfach Wasserverbrauch, den man bezahlen muß.

Bei viertelstündlicher Übertragung des Zählerstandes kann man allerdings sehr wohl und sehr leicht aus den Zählerständen (‚Samples‘) herausrechnen, ob ein Wasserhahn tropft oder eine Klospülung rinnt. Nämlich dann, wenn immer, Tag und Nacht, auch wenn niemand abwäscht, duscht, aufs WC geht, Wäsche wäscht oder so, immer der Zählerstand jede Viertelstunde um eine Kleinmenge steigt. Das Programm müßte also auf das Ausbleiben von Nullstellen hin suchen um Lecks/Defekte zu finden. Ich seh das jetzt als Technikerin und weiß natürlich genau, daß es privacymäßig betrachtet eine Katastrophe ist. Aber rein installationstechnisch macht es Sinn.

Sag das nicht! Am Ende kommt noch wer auf die Idee, fernablesbare Abwasserzähler zu installieren! :wink:

David Kriesel hat mal vor Jahren schon demonstriert, was man aus Daten alles entnehmen kann. Fand ich zum Teil erschreckend…dennoch auch interessant.

Edit: habe die YouTube Links entfernt. Die Beiden Videos wurden im Thema Datenschutzkonform verlinkt.

Youtube-Links… :roll_eyes: :sweat_smile:
Zu seinem “Spiegel-Vortrag” habe ich oben schon einen datenschutzfreundlichen Link gepostet. Den “Bahn-Talk” (ebenfalls große Klasse) findet ihr hier:

https://media.ccc.de/v/36c3-10652-bahnmining_-_punktlichkeit_ist_eine_zier

Nein! :face_savoring_food:

Wasserzähler, kleinste messbare Mengen!

  1. Die Zähler mit der kleinen Uhr mit rotem Zeiger und Skala 0–9 (Bezeichnung x0.0001) zeigt Hundertstel Liter an (0,0001 m³ = 0,1 L).
    Vergleich eine volle Verschlusskappe Flüssigwaschmittel = 100ml
    Ein durchschnittlicher Wassertropfen ≈ 0,05 ml (typischer Haushaltswert).
    100ml sind ca. 2.000 Tropfen (bei 0,05 ml/Tropfen).


    https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserzähler

  2. Mein fernauslesbarer Digitalwasserzähler zeigt nur volle Liter an.
    0,001 m³ = 1 Liter.
    Das kann man testen mit 100ml Messbecher, bei Entnahme von 0,4 bis halben Liter macht der Digitalwasserzähler keinen Mux. (Nicht getestet/recherchiert, ob der Zähler zu viel zählt bei Entnahme von kleinen Mengen! Z.B. ob schon ganze Liter bei mehrmals 0,6 Liter Entnahme gezählt werden.)

FAZIT:

A) Tropfen zählen ist Präzisionsmesstechnik, die ist viel zu teuer für eine Installation im normalen Haushalt! :face_blowing_a_kiss:
B) Trotzdem, alle 15 Minuten Verbrauch von 0,5 bis 1 Liter messen und in irgendeine Cloud im Internet speichern, sollte gegen jedes gesunde Datenschutzbewusstsein sein.

Bitte gerne ergänzen, korrigieren!

@Sherminator Ups, sorry, den Link hatte ich übersehen. Und ja, Asche auf mein Haupt, wegen YouTube. Hatte es nicht woanders gefunden. Gelobe Besserung :wink:

Danke für den Datenschutz freundlichen Link.

Hi frank2, danke für die Hinweise, aber … Wollte auch wie Sherminator den Datenschutz anmerken.
Und hier ist der zweite Link David Kriesel (via ccc.de) den du via YT-Code 0rb9CfOvojk gepostet hast.
BahnMining - Pünktlichkeit ist eine Zier (David Kriesel)
3,238,407 views Dec 29, 2019 #36C3
https://media.ccc.de/v/36c3-10652-bahnmining_-_punktlichkeit_ist_eine_zier

EDIT: @frank2 wenn du nur YT Links zur Verfügung hast (und keine Zeit alternative Links zu suchen) dann poste wenigsten die Video Titel (dazu), dann kan jeder selber schauen. Weil mit z.B. Tor Browser Google teils den Video Abruf blockt, dann bekommt man nicht man den Videotitel und hat extra Mühe!

Werde es berücksichtigen, @Kunekt habe da unbewusst gehandelt. Danke für den Hinweis. Vielleicht kann die YT Links jemand entfernen?

Ja, stimmt was die Anzeige betrifft. Aber vor dem Zeiger mit der 100ml Skala sind ja noch ein paar Zahnräder. Da könnte man doch direkt an den ‚Propeller‘ im Wasserstrom einen Impulsgeber anhängen. Würde Sinn machen. Wenn das allerdings nicht der Fall ist, hast du völlig recht.

Du kannst ja stattdessen den invidious-Link posten (auch wenn’s phasenweise nicht geht, sieht man trotzdem die youtube-ID und man klickt nicht versehentlich auf youtube). Aber danke, dass Du auf sowas achten willst!

Genau so sehe ich das auch. Und ich kann entscheiden, wie weit ich dabei gehen kann oder möchte.