Wenn der Zug abgefahren ist, was dann?
dieser kurze, aber prägnante Satz sticht mir ins Bewusstsein, dass, selbst wenn man sehr versiert und umsichtig ist, man seine Integrität und Privatheit weder im Netz noch in der Öffentlichkeit behalten kann. Selbst wenn man Insider wäre (was mM die Allerwenigsten sind) kann man sich nicht vor investiver Schnüffelei oder öffentlichen Gesichts- Bewegungsscans schützen. Die Bedrohung der ‚Privatheit‘ setzt überall an.
Was tun?
Eine Möglichkeit wäre die Hinwendung zu einer ‚inneren‘ Migration, das hatten wir schon einmal zu Zeiten des Biedermeier (→Wikipedia). Von den unseligen Zeiten der Weltkriege will ich gar nicht reden.
Vielleicht spielt bei dem forschen Vorpreschen der EU zur Chatkontrolle nun vermehrt auch eine Rolle, dass wir uns in einem ‚hybriden Kriegszustand‘ mit RU befinden und freie Meinungsäußerung und freier Journalismus nun gar nicht mehr so sehr gewünscht sind?
Können wir aus unserer Geschichte etwas lernen?
In Österreich gab es schon mal fast lückenlose Unterdrückung durch Kontrolle unter Staatskanzler Metternich im 19. Jhdt.
Damals gab es starke Einschränkungen hinsichtlich jeglicher politischer Betätigung, kriminelle Recherchen wurden mit eher robusten Methoden durchgeführt.
Das Zensurwesen war sehr ausgeprägt. In der Geheimen Kabinettskanzlei, dem so genannten ‚schwarzen Kabinett‘ saßen Beamte, die jeden Brief, jede Mitteilung, jede Zeitung usw. auf versteckte Botschaften penibel lasen.
Die damalige Bespitzelung und Überwachung der Bevölkerung aus Angst vor Umsturz und zum Ausloten der öffentlichen Stimmungslage, führte zu umfassender Zensur und Beschlagnahmen von Post, Zeitungen, Flugblättern, Theater- Opernlibretti usw.
In Folge führte Metternichs allgegenwärtige Einschau des Staatsapparates in die innersten Lebensbereiche zur inneren Emigration der Bevölkerung mit verbundenem Rückschritt. Letztlich fand diese Unterdrückung ihr Ventil in der Eruption der Revolution von 1848, die blutig niedergeschlagen und bis auf einen Thronwechsel ohne Resultat blieb.
Mit dem EU-weit geplanten, permanenten und mit KI gestützten automatischen Mitlesen von Chats, scannen von Cloud und Internet usw. hofft man auch, die ‚Stimmungslage‘ zu erkennen und Abweichler, Ruhestörer oder sonstige gefährliche Terroristen leicht separieren zu können.
Auch die vielfach geforderte ‚Altersverifikation‘ ist mit ein Baustein, die Anonymität im Netz weiter auszuhebeln.
Vorgeschoben werden wie immer Argumente des Jugendschutzes oder der Verhinderung/Aufklärung von Terrorismus. In Wirklichkeit steht aber, jeden Nutzer mit seinen aufgerufenen Seiten eindeutig zu markieren.
Jugendschutz ist etwas, was Eltern oder sonstige Erziehungsberechtigte den Kindern oder Heranwachsenden verordnen können und altersgerecht auch zuteilen sollen - niemand anders!
Alle öffentlich mir aus den Medien bekannten Terroristen waren schon vorher bei den Behörden ‚amtsbekannt‘.
Die Verhinderung privater Kommunikation durch ständige und anlasslose Überwachung schränkt die Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit in einer pluralistischen Gesellschaft ein! Noch was: eingeschränkter Datenschutz, etwa durch Verbot oder Aufweichung von Verschlüsselung, Einbau von ‘backdoors’ ermöglicht auch Kriminellen freien Zugang zu als geschützt geltenden Daten!
Durch die jederzeit mögliche permanente Überwachung, sowohl im öffentlichen Raum, als auch im privaten (Chats) führt diese dazu, dass Menschen sich Mainstream konform verhalten ‚chilling effect‘ bzw. ‘Zensur-Schere im Kopf’.
Wie auch immer, Metternich hätte sich mit seinem ‚schwarzen Kabinett‘, der damaligen Überwachung der Post und seinen Spitzeln über die heutigen Möglichkeiten sicher gefreut!
Dennoch: Keine Regierung kann, schon aus politischen oder militärischen Gründen, auf diese ‚Bespitzelung‘ komplett verzichten, aber müssen diese Eingriffe wie in NK, CN usw. ausarten? Gibt es eine Ausgewogenheit bzw. Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Mittel?
Was tun - Was tue ich?
Ich verwende z.B. aus Prinzip kein Smartphone sondern ein ‚Dumbphone‘, verwende keine social Media, also kein WA, TikTok usw. und vermeide, soweit es mir als IT-Laien möglich ist, Spuren im Netz zu hinterlassen wie Bonus cards (JÖ-cards) usw.
Ich verwende kein MS sondern LINUX und bin sparsam mit MacOS, wo dies nicht anders möglich ist.
PGP für e-mail habe ich, wird aber mangels Nachfrage nicht angewendet (habe keine Nerds in meiner Bekanntschaft).
Lese den Kuketz-Blog, Sicherheitskultur.at, bin konsterniert, dass bezahlte, bislang als seriös hochgelobte VPN-Anbieter tracken und Datenanalytics erheben und persönliche Daten weiter verkaufen.
Lebe ich mit Datenenthaltsamkeit oder -vermeidung besser oder ‘sicherer’?
Nein, nicht wirklich, aber ich habe mich zumindest bemüht, den allgegenwärtigen Fängen der Datenkraken einen Trippelschritt zu entkommen.
Leider glaube ich auch, dass das Kind unserer persönlichen Privatheit bereits in den Brunnen gefallen ist und im Sumpf der allgegenwärtigen Überwachung noch um Atem ringt, jedoch letztlich darin umkommen wird! Dennoch leiste ich, soweit mir möglich, Resilienz.
Sorry für den laaaangen Beitrag, aber er war mir wesentlich!